Puccini unterm Weihnachtsbaum – La Bohème: die Liebe, der Tod und das Geld

Umjubelte Premiere von La Bohème im Pfalztheater (von links): Kazuki Yoshida, Angela Nisi, Arkadiusz Jakus, Johannes Fritsche und Hyunkyum Kim | Foto: Thomas Brenner/gratis
  • Umjubelte Premiere von La Bohème im Pfalztheater (von links): Kazuki Yoshida, Angela Nisi, Arkadiusz Jakus, Johannes Fritsche und Hyunkyum Kim
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Kaiserslautern. 130 Jahre sind seit der Uraufführung vergangen, mit so manch vernichtendem Urteil, sie mache nur geringen Eindruck, und werde keine tiefe Spur hinterlassen. Absolute Fehleinschätzungen. Bis heute gehört Puccinis „La Bohème“ weltweit zu den beliebtesten Opern. In einer berührenden Inszenierung ist sie nun wieder im Großem Haus des Pfalztheaters zu sehen – und sie hinterlässt Spuren in den Herzen des Publikums.

Waren Sie schon einmal in Paris im nostalgischen Künstleridyll auf dem Montmartre oder im Quartier Latin? Puccinis Oper vermittelt bis heute ein greifbares Bild dieses Milieus, obwohl der junge Komponist zur Entstehungszeit die französische Hauptstadt noch gar nicht besucht hatte, und auch musikalisch eigentlich keinerlei französisches Lokalkolorit bemüht. Jahre später, als die Oper längst ein Welterfolg und Puccini ein berühmter und reicher Komponist war, sagte er in einem Interview , dass die Welt von »La Bohème« auch seine Welt als Kompositionsstudent am Mailänder Konservatorium war: „Wenn Sie den Vorhang zum ersten Akt aufgehen sehen, erleben sie den armen Musikstudenten.“ Und genau das zeigt das Bühnenbild des Pfalztheaters. Man ist mittendrin im Atelier samt dem angrenzenden Treppenhaus und im Paris der 1830-er Jahre.

Der Schriftsteller Rodolfo (Kazuki Yoshida) lebt dort mit seinen Freunden, dem Maler Marcello (Hyunkyum Kim), dem Musiker Schaunard (Johannes Fritsche) und dem Philosophen Colline (Arkadiusz Jakus), in einer Künstler-WG im Pariser Quartier Latin. Das Geld ist knapp, doch in der Unbeschwertheit der Jugend ist das Leben für die mittellosen Intellektuellen und Künstler ein großes Abenteuer. Am Weihnachtsabend lernt Rodolfo seine Nachbarin, die Näherin Mimì kennen. Die beiden verlieben sich ineinander.

Doch schnell holt die Realität die Liebe ein. Mimì leidet an Schwindsucht, und die Armut schadet ihrer Gesundheit. Dazu kommt Rodolfos Eifersucht, die ihn zur Trennung bewegt. Als Mimì spürt, dass ihre Kräfte zu Ende gehen, kehrt sie in das Atelier der vier Männer zurück. Im Angesicht des Todes beschwören Mimì und Rodolfo noch einmal ihre Liebe.

Der Vorhang fällt und das Premierenpublikum ist begeistert, spendet minutenlangen Applaus. Diese Inszenierung ist Gänsehaut pur, wunderbar intensiv und berührend – das gilt für alle Akteure, auf der Bühne wie für die fantastische Pfalzphilharmonie im Orchestergraben. Beeindruckend Kazuki Yoshida als Dichter Rudolfo, lebensfroh, vor Kraft strotzend und zugleich zerrissen und verzweifelt. Sein Spiel, seine Stimme und sein Gesang gehen vom ersten Ton an sofort mitten ins Herz.

Ebenso beeindruckend ist Angela Nisi als Mimì, zart, zerbrechlich und so stark mit ihrer Stimme. Dazu kommen die Freunde, die gesanglich wie schauspielerisch großartig ihren Figuren Leben einhauchen, so, dass man mit ihnen lacht und leidet. Johannes Fritsche, der bisher in jeder Produktion mit seiner erkennbaren Spielfreude und seiner Stimme eine unglaubliche Bühnenpräsenz hat, versteht es auch Schaunard meisterlich darzustellen. Arkadiusz Jakus verkörpert ebenso stimmgewaltig und überzeugend den lebenslustigen Denker.

Und dann noch Bühne frei für die Beschimpfungen und Beleidigungen im Eifersuchtsdrama zwischen Musetta (Valerie Gels) und Marcello, sehr unterhaltsam und lustig. Das weihnachtliche Treiben im Café Momus am Pariser Montmartre sowie die weihnachtliche Atmosphäre im Paris des 19. Jahrhunderts werden mit dem Chor und Extrachor des Pfalztheaters, des Kinder- und Jugendchor sowie der Statisterie zum stimmungsvollen Bild der Gesellschaft am Heiligen Abend.

Was bleibt nach dem Tod und dem emotionalen Ende der Liebe, wenn der Vorhang fällt? Kurz Luft holen, um anschließend die Intensität dieser großartigen Produktion und den WOW-Effekt inklusive Gänsehaut und Tränen im Taschentuch auf sich wirken lassen. Ein wunderbares Gefühl, das sich sehr gut eignet, es passend zu Weihnachten zu verschenken, denn die Puccini-Oper läuft noch bis zum März 2026.

Autor:

Petra Rödler aus Kaiserslautern

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