Kreishandwerkerschaft Südpfalz - Deutsche Weinstraße
Braucht der Handwerksbetrieb den Meister?

Gitta Altpeter verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreishandwerkerschaft Südpfalz - Deutsche Weinstraße.
  • Gitta Altpeter verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreishandwerkerschaft Südpfalz - Deutsche Weinstraße.
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Germersheim. Braucht ein Handwerksbetrieb einen Meister oder eine Meisterin an der Spitze? Cornelia Bauer befragte dazu Gitta Altpeter, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreishandwerkerschaft Südpfalz – Deutsche Weinstraße. Ihr gehören 20 Handwerksinnungen im Raum Südpfalz – Deutsche Weinstraße an. In den zugehörigen Innungen sind zirka 900 Handwerksbetriebe freiwillig organisiert.
???: 2004 wurde die Meisterpflicht in 53 Handwerken abgeschafft. Wie bewerten Sie die Folgen für Ihre Mitgliedsbetriebe?
Gitta Altpeter: Der Meistertitel steht für die Qualität und Leistungsfähigkeit der Handwerksbetriebe. Durch die Abschaffung der Meisterpflicht von 94 auf 41 Handwerksberufe kann man nun auch ein Unternehmen gründen, ohne dass man die Qualifikation dafür hat, sogar ohne Gesellenbrief. Darunter leidet oft die Qualität der Arbeit und es leidet das Image des gesamten Berufsstandes.Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Ausbildung im Handwerk. Wir haben zu wenig Nachwuchs, die Anzahl der Betriebe ist gestiegen, die der Ausbildungen aber gesunken, auch das schadet dem deutschen Handwerk.

???: Der Wirtschaftsausschuss des Bundestages befasst sich mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht. Wie ist Ihre Position in dieser Frage?
Gitta Altpeter: Wir befürworten uneingeschränkt die Aufhebung der Meisterpflicht rückgängig zu machen.

???: Was unterscheidet aus Ihrer Sicht den meister-geführten Betrieb vom Betrieb, der nicht von einem Meister geführt wird?
Gitta Altpeter: Zuerst einmal werden Meister auch mit den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens vertraut gemacht. Sie handeln wirtschaftlicher und ihre Unternehmen sind beständiger als die der nicht meistergeführten Unternehmen.
Das hat dann auch Auswirkungen auf den Kunden, denn wenn Gewährleistungs-ansprüche geltend gemacht werden müssen und das Unternehmen nicht mehr existiert, hat der Kunde das Nachsehen.
Aber ganz wichtig ist hier auch die Ausbildung von Nachwuchs. Meisterbetriebe sichern die Qualität und Kompetenz der Ausbildung unseres Nachwuchses im Handwerk. Das funktioniert aber nur über die duale Ausbildung und die Zusammenarbeit von Meister – Geselle und Auszubildenden.

???: Gibt es Sparten, für die die Meisterpflicht von besonderer Bedeutung wäre – und warum?
Gitta Altpeter: Für unsere Fliesenleger und Raumausstatter wäre die Wiedereinführung der Meisterpflicht sehr wichtig. Solange es keine Meisterpflicht gibt, werden in diesen Bereichen immer mehr Unternehmen gegründet, die zur Ausübung noch nicht einmal einen Gesellenbrief nachweisen müssen. Das geht zu Lasten der qualifizierten Betriebe.
Heute haben wir dreimal so viele Handwerksunternehmen wie vor 13/14 Jahren, aber kaum noch duale Ausbildung. Mit anderen Worten: Wir haben einen signifikanten Qualitätsverlust und eine starke Verringerung der Ausbildungszahlen.

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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