Selbsthilfegruppe: „Unsere Sternenkinder – unvergessen“ - Raum für Trauer, Halt und Erinnerung
- Jessica Kersten
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Südpfalz. Manchmal ist das Leben unvorstellbar schwer. Für Eltern, deren Kinder während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt von uns gehen, ist der Schmerz unermesslich. Genau für diese Menschen gibt es in Sondernheim die Selbsthilfegruppe „Unsere Sternenkinder – unvergessen“. Redakteurin Heike Schwitalla sprach mit Jessica Kersten, die die Gruppe leitet, über ihre Arbeit, die Bedeutung von Abschiedsritualen und die Kraft gemeinsamer Trauer.
???: Jessica, seit wann gibt es Ihre Selbsthilfegruppe?
Jessica: Die Gruppe besteht seit dem 3. Januar 2025. Anfangs trafen wir uns unregelmäßig, seit einem halben Jahr treffen wir uns fest im Pfarramt Sondernheim, Windhofstraße 17. Jeden ersten Mittwoch im Monat, von 19 bis 21 Uhr.
???: Wer ist in der Gruppe willkommen und was bedeutet eigentlich „Sternenkinder“?
Jessica: Sternenkinder sind Kinder, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verstorben sind. Ihr Herz hat viel zu früh aufgehört zu schlagen, doch sie bleiben für ihre Eltern für immer ein Teil des Lebens. Unsere Treffen bieten einen geschützten Raum für Eltern, die Ähnliches erlebt haben – mal kommen vier Mütter, mal nur eine, es ist unterschiedlich.
???: Was hat Sie dazu bewegt, diese Gruppe zu gründen?
Jessica: Ich kenne diesen Schmerz selbst. 2001 verlor ich mein eigenes Kind, 2020 dann meine Tochter ihr Sternchen, und 2025 meine zweite Tochter ihre Zwillinge. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und den Wunsch geweckt, anderen Eltern beizustehen. Ich begleite sie mit Herz, erstelle Sternenarmbänder, Abschiedsboxen und kleine Erinnerungsstücke – alles individuell für jede Familie.
???: Wie laufen die Treffen ab?
Jessica: Wir beginnen mit dem Ankommen und einer Kerzenzeremonie als Zeichen der Erinnerung. Danach gibt es eine freiwillige Gesprächsrunde, thematische Impulse oder kleine Übungen. Kreative Aktionen, wie Steine bemalen, Armbänder gestalten oder eine Herzwand, sind besonders wertvoll. Am Ende nehmen wir uns Zeit für einen Moment der Ruhe. Alles bleibt vertraulich, niemand muss sprechen oder erklären, alles darf sein.
???: Sie bieten ja auch Abschiedsangebote für Sternenkinder an?
Jessica: Ja. Wir fertigen kleine Särge in verschiedenen Größen in Zusammenarbeit mit der Holzwerkstatt der Berufsbildenden Schule Germersheim. Herr Merkel gestaltet jeden Sarg mit viel Sorgfalt. Ich bereite sie liebevoll vor: Decken, Mützchen, Herzchen, kleine Flügel. Eltern oder Geschwister dürfen die Särge bemalen – so entsteht ein persönlicher, würdevoller Abschied.
- die BBS Germersheim-Wörth half bei der Herstellung der kleinen Särge für die Sternenkinder
- Foto: Kersten/frei
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???: Und die Abschiedsboxen?
Jessica: Jede Box enthält kleine Andenken wie Kerze, Trauerbär, Holzstern, Herz, Glitzer, Flügel oder Glücksbringer – Dinge, die Eltern helfen, Nähe und Erinnerung zu spüren. Die Boxen sind kostenlos für die Familien, werden von uns selbst finanziert und individuell gestaltet. Sie schaffen einen geschützten Ort, um das Kind zu ehren und Trost zu finden.
???: Was passiert, wenn Eltern ein Sternenkind bekommen?
Jessica: Im Krankenhaus werden sie medizinisch und psychologisch betreut. Trotzdem fühlen sich viele überfordert. Ich begleite sie von der ersten Nachricht über Geburt, Beerdigung und Erinnerungsarbeit bis weit darüber hinaus. Ich helfe bei Formalitäten, Abschieden, kreativen Ritualen und bin jederzeit ansprechbar – persönlich, über WhatsApp oder Briefe an die Sternenkinder.
???: Warum ist der Austausch in einer Selbsthilfegruppe so wichtig?
Jessica: Viele Eltern fühlen sich unverstanden. In der Gruppe begegnen sich Menschen, die dieselbe Erfahrung gemacht haben. Sie können weinen, schweigen oder ihre Trauer teilen, ohne bewertet zu werden. Der Austausch gibt Nähe, Sicherheit und Halt – und das beruhigende Gefühl: Ich bin nicht allein.
- Abschiedsboxen für Sternenkinder - mit Liebe angefertigt und zusammengestellt
- Foto: Kersten/frei
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???: Wie finanziert sich Ihre Arbeit?
Jessica: Vieles finanziere ich selbst, von Materialien für kreative Aktionen bis zu Getränken und Snacks. Die Kirchengemeinde stellt uns die Räume kostenlos zur Verfügung. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, kann über unsere Webseite spenden. Auch der Erlös unseres Flohmarkts am 29. März 2026 fließt komplett in die Gruppe und ermöglicht weiterhin liebevolle, individuell gestaltete Hilfsangebote und Treffen.
Kontakt zur Selbsthilfegrupppe
Webseite: https://sternenkinder-jessi.jimdosite.com/selbsthilfetreffen/
E-Mail: jessicakersten11@gmail.com
Telefon: 0176 27587312
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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