Beringung in 25 Metern Höhe: Wie es dem Nachwuchs im Sondernheimer Storchennest geht [Bildergalerie]

Die Jungstörche werden untersucht und beringt | Foto: Cornelia Haag /frei
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  • Die Jungstörche werden untersucht und beringt
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Sondernheim. Kein Platz für Höhenangst: Jedes Jahr Anfang bis Mitte Juni wird der rund 25 Meter hohe Kamin an der Alten Ziegelei in Sondernheim zum Schauplatz eines besonderen Einsatzes. Dann rückt die Feuerwehr Germersheim nicht wegen eines Brandes aus, sondern für den Schutz und die Erforschung einer der bekanntesten Storchenfamilien der Region. Und immer wieder bieten sich bei dieser Aktion spektakuläre Bilder und atemberaubende Einblicke in das Storchennest.

Drei gesunde Jungstörche auf dem Kamin am Rhein

Hoch oben auf dem rund 25 Meter hohen Kamin der Ziegelei Sondernheim zieht seit 2006 jedes Jahr ein Storchenpaar seinen Nachwuchs groß. Damit die jungen Weißstörche wissenschaftlich erfasst werden können, müssen sie beringt werden. Dafür arbeitet die Feuerwehr Germersheim eng mit der Familie Haag von der Ziegelei sowie mit Christian Reis zusammen. Der offizielle Beringer der Vogelwarte Radolfzell und Leiter der Storchenscheune Bornheim ist in ganz Rheinland-Pfalz unterwegs, um die Jungvögel zu registrieren.
Mit dem Hubsteiger geht es auch 2026 für die Helfer Jahr für Jahr hoch hinaus. Wie viele Jungstörche im Nest warten, weiß vorher niemand genau. Umso größer war die Freude in diesem Jahr: Drei kräftige und gesunde Jungstörche konnten auf dem Kamin gezählt und erfolgreich beringt werden.

2026 - ein gutes Jahr für den Weißstorch

Nicht nur in Sondernheim läuft die Storchen-Saison erfolgreich. Nach vorläufigen Schätzungen werden in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr rund 1.600 Jungstörche aufgezogen. Hinter diesen Zahlen steckt allerdings ein enormer Aufwand. Christian Reis hat bereits rund 300 Nester angefahren, weitere 150 stehen noch auf seiner Liste.
Viele dieser Einsätze wären ohne die Unterstützung der Feuerwehren gar nicht möglich. So können beispielsweise die Storchennester in Rheinsheim oder auf dem Pfarrhaus in Schwegenheim nur mithilfe von Feuerwehrfahrzeugen erreicht werden. Und Familie Haag lobt die langjährige und unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Germersheim. Für die Einsatzkräfte ist der Termin auf dem Ziegeleikamin längst zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Der außergewöhnliche Blick über den Rhein aus 25 Metern Höhe gehört ebenso dazu wie das gemeinsame Vesper nach getaner Arbeit.

Störche und ein Storchennest gibt es auf dem Kamin der Alten Ziegelei am Rhein bei Sondernheim schon seit vielen Jahren | Foto: Heike Schwitalla
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Storchenliebe

Und noch eine Neuigkeit gibt es aus dem Storchennest: Die Störchin auf dem Ziegeleikamin hat inzwischen erneut einen neuen Partner gefunden. Der scheint seine Aufgabe jedoch bestens zu erfüllen. Bei Weißstörchen teilen sich beide Elternteile Brutpflege und Jungenaufzucht nahezu gleichberechtigt. 

Freiwillige Feuerwehr - unverzichtbares Ehrenamt

Die Feuerwehr Germersheim besteht aus drei hauptamtlichen Kräften und rund 70 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten. Darunter sind auch Frauen, die in den unterschiedlichsten Bereichen Verantwortung übernehmen. Besonders erfreulich entwickelt sich der Nachwuchs: Die Bambini-Gruppe für Kinder ab sechs Jahren erfreut sich großer Beliebtheit. Auch die Jugendfeuerwehr ab zehn Jahren verzeichnet starken Zulauf.

Dass dieses Engagement unverzichtbar ist, zeigte sich erst vor wenigen Wochen. Ein altes, stark verwittertes Falkennest drohte vom zweiten Kamin der Ziegelei abzustürzen. Die Feuerwehr übernahm die Sicherungsarbeiten. „Alleine hätten wir uns da schwer getan“, berichtet Familie Haag.

Häufig gestellte Fragen über den Weißstorch (FAQ)

Die Beringung dient der wissenschaftlichen Erforschung von Vogelbeständen. Mithilfe der individuell nummerierten Ringe können Fachleute Erkenntnisse über Alter, Zugwege, Überlebensraten, Brutverhalten und die Entwicklung der Populationen gewinnen. Die Daten leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Weißstörche. Quelle: Vogelwarte Radolfzell / Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie.
In Deutschland sind Weißstörche derzeit nicht akut bedroht. Im Gegenteil: Die Bestände haben sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr positiv entwickelt.
Der Weißstorch Weißstorch galt in vielen Regionen Europas zeitweise als gefährdet. In Deutschland sank der Bestand in den 1980er-Jahren auf nur noch wenige Tausend Brutpaare. Durch intensive Schutzmaßnahmen, bessere Lebensbedingungen und den Ausbau von Nisthilfen hat sich die Art jedoch deutlich erholt.
Nach Angaben des NABU und des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) brüten heute wieder deutlich mehr Weißstörche in Deutschland als noch vor 30 oder 40 Jahren.

Dennoch bestehen weiterhin Risiken:

  • Verlust von Feuchtgebieten und extensiv genutzten Wiesen

  • Trockenperioden und Klimawandel

  • Kollisionen mit Stromleitungen

  • Unfälle auf den Zugrouten

  • Nahrungsmangel in manchen Regionen

  • Deshalb sind Maßnahmen wie Nestschutz, Lebensraumerhalt und die wissenschaftliche Beringung weiterhin wichtig.
Die Südpfalz gilt als Storchenhochburg von Rheinland-Pfalz. Verantwortlich dafür sind unter anderem die Queichwiesen mit ihrer jahrhundertealten Wiesenbewässerung. Die feuchten Wiesen bieten den Weißstörchen ein reiches Nahrungsangebot aus Insekten, Würmern, Mäusen und Amphibien. Zusammen mit den Rheinauen, zahlreichen Nistmöglichkeiten und den erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekten der vergangenen Jahrzehnte entstand so die größte Weißstorchpopulation des Landes.
Die Vorstellung entstand aus europäischem Volksglauben: Der Weißstorch kehrt jedes Frühjahr zurück, nistet nahe beim Menschen und zieht seine Jungen auffällig fürsorglich groß. Dadurch wurde er zum Symbol für neues Leben und Familie.
Im 19. Jahrhundert wurde diese Symbolik vor allem durch Märchen und literarische Erzählungen verbreitet und fest verankert. Besonders prägend war Hans Christian Andersen mit seiner Erzählung „Die Störche“ (1838). Darin werden Störche als Wesen dargestellt, die Babys aus Teichen holen und zu Menschen bringen. Solche Geschichten machten die Legende europaweit bekannt und prägten das heutige Bild vom „Kinder bringenden Storch“.

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Autor:

Heike Schwitalla aus Germersheim

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