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Alte Ziegelei-Besichtigung – Museum mit der besonderen Note

Foto: Brigitte Melder
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Sondernheim. Schon immer wollte ich eine Ziegelei von innen sehen und dies war am 22. August dann mit einer Anmeldung und persönlichen Führung der Fall (üblich sind Führungen ab 15 Personen). Dieses Industriedenkmal wurde in den letzten 20 Jahren liebevoll und mit viel Arbeit vom Ehepaar Cornelia und Johannes Haag aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Cornelia Haag nahm uns in Empfang, machte eine kleine Einführung, in der sie erzählte, dass hier bis 1970 noch Ziegel gebrannt wurden. Sie und ihr Mann haben die ganzen Trocknungshütten wieder saniert und bereits zweimal die Dächer wieder mit alten Ziegeln neu eingedeckt. 1974 hat das Land das Gelände von den früheren Unternehmern abgekauft. Nach der Unterschutzstellung 1984 wurde ein Käufer für das Anwesen gesucht.Familie Haag hat es dann 2000 erworben und die Behörde stellte es unter Denkmalschutz. Nun gibt es hier also ein privates Museum. Vor 10 Jahren wurde ein Verein gegründet, der quasi zuständig ist für den Betrieb des Museums. Es wurden etliche alte Fotos zur Verfügung gestellt sowie alte Maschinen zusammengetragen, die veranschaulichen, wie die Produktion damals von statten ging.

Zuerst fuhren wir mit einer Schmalspurbahn, die heute als kleine Attraktion gerne genutzt wird, durch das Gelände, um einen Einblick von dem Areal zu bekommen. Diese Bahn wurde ursprünglich dazu genutzt, die Backsteine in die Trocknungshütten zu transportieren und Lehm in die Fabrik zu transportieren. Dort wurden sie zwischengelagert bis der erforderliche Trocknungsgrad für den Brand erreicht war. Wir sahen in der ca. 5-minütigen Fahrt viel Natur, Scheunen, Fahrzeuge, Geräte und Tiere.

Danach wurden wir in die erste Räumlichkeit geführt. Hier wird eine Ausstellung zum Wiederaufbau dieser Ziegelhütte gezeigt in Form von etlichen historischen Fotos, allerlei Ziegelei und technischem Werkzeug als die Ziegelei noch im Betrieb war. Ein Teil der Bilder zeigt, in welchem Zustand dieses Areal von Familie Haag vom Land übernommen und dann im historischen Stil wieder aufgebaut wurde. Besonders sehenswert sind die ausgedienten Trocknungshütten, in denen die Ziegel vor dem Brand in der ursprünglichen Form an der Luft getrocknet wurden. Das Material, das hier abgebaut wurde, war sehr sauber und wenig eisenhaltig. Man kann hier sehen, was das für eine harte Arbeit war, wie oft die Steine in die Hand genommen werden mussten bis sie fertig zum Gebrauch waren. Der historische Ablauf der Ziegelproduktion begann mit der dampfbetriebenen Strangpresse, in der der in der Region abgebaute Lehm gegebenenfalls mit Sand und anderen Zusatzstoffen vermischt und zu den feuchten Ziegeln verarbeitet wurde. Für Reparaturen hatte die Ziegelei eine eigene vollständig erhaltene Schmiede, die im gegenüberliegenden Gebäude untergebracht war.

Besonders sehenswert ist der Ringofen, in dem die getrockneten Ziegel chargenweise gebrannt wurden. Der Ringofen besteht aus oval angeordneten Brennzonen. Diese wurden in einem zyklischen Ablauf beheizt. Im Vergleich zur heutigen modernen Ziegelproduktion, bei der die Ziegel kontinuierlich auf einem Band durch die Zone befördert werden, könnte man sagen, dass in diesem Ringofen nicht die Ziegel, sondern das Feuer wanderte. Durch den Bau einer beheizten Trocknungshalle wurden die Trocknungshütten überflüssig. Für die Beheizung der Trocknungshalle wurde Abwärme aus dem Ringofen verwendet. Im Gegensatz zur witterungsabhängigen Lufttrocknung war dieser Produktionsschritt jetzt in wenigen Stunden/Tagen möglich.

Jedes Jahr im Frühling kommen hier auch Störche zum Brüten in die Kaminnester. Leider starben die Jungen dieses Jahr wegen der plötzlich einsetzenden Kälte. Außerdem findet man auf dem Areal etliche Pfaue und Hühner, deren Eier man in Schaukästen von außen sehen kann. Und an einer Stelle ist Vorsicht geboten, denn hier schwirren etliche Bienen herum.

Hier gibt es eine ganz besondere Art von Fledermäusen, nämlich Mückenfledermäuse, die kleinste Art. So kommen jedes Jahr 1200 Mückenfledermäuse aus ihrem Winterquartier hier her, um sich fortzupflanzen. Das Dach wurde im historischen Stil wieder aufgebaut. So gibt es keine übliche Dachrinne, sondern sie haben Platz zwischen Ziegel und Sparren, um hineinzufliegen. Das wird über den Sommer zu einer Kinderstube und sie kommen jedes Jahr wieder nachdem sie das Quartier im Spätjahr verlassen haben. Sie scheinen sich hier in diesem Naturschutzgebiet halt sehr wohl zu fühlen.

Sehenswert ist außerdem die naturkundliche Ausstellung in einem weiteren Gebäude mit einer Galerie von Sing- und Greifvögeln, deren Ruf per Knopfdruck gehört werden kann. Die Sammlung von Gräsern und Farnen sowie die Insektensammlung mit Libellen, Käfern, Fliegen und Schmetterlingen, die in den Rheinauen vorkommen, sollte man sich auch nicht entgehen lassen.

Immer wieder kommen Schulklassen und dieses Jahr Gruppen der Ferienbetreuung von der Caritas, die sich sehr für diese Ausstellungen interessieren und gerne in der Ziegelei verweilen. Dass man direkt am Rhein dann noch in zwei Lokalen einkehren kann, macht den Ausflug in das Ziegelmuseum zu meiner ganz persönlichen Empfehlung! 

Öffnungszeiten: Jeder 1. Sonntag im Monat, also der nächste am 06.09.20, von 10.00 bis 15.00 Uhr und nach Voranmeldung http://www.ziegelei-sondernheim.de/naturschutzpark/index.php
Kontakt: 07051/8060734
(mel)

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Autor:

Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim

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