Neunjähriger im Lieferwagen entdeckt bei Hagenbach im Elsass
- Polizeibeamte haben in einem Lieferwagen einen neunjährigen Jungen entdeckt, der dort über ein Jahr gefangen gehalten worden sein soll.
- Foto: Sebastien Bozon/AFP/dpa
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Hagenbach im Elsass. Ein neunjähriger Junge ist in einem Lieferwagen entdeckt worden, in dem er nach Ermittlerangaben mehr als ein Jahr eingesperrt gewesen sein soll. Der Fall aus der kleinen Ortschaft nahe der deutschen Grenze sorgt für Entsetzen. Die Polizei nahm den 43 Jahre alten Vater fest.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Mulhouse fanden alarmierte Beamte das Kind nackt und stark unterernährt in dem Kleinbus auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses. Der Junge lag in Embryonalhaltung unter einer Decke neben Exkrementen. Wegen des langen Aufenthalts im Fahrzeug konnte er bei der Entdeckung nicht mehr laufen. Er wurde in eine Klinik nach Mulhouse gebracht.
Nachbarn hörten immer wieder Geräusche
Nachbarn hatten zuvor wiederholt verdächtige Geräusche aus dem geparkten Lieferwagen gemeldet. Der Besitzer erklärte ihnen, es handele sich um eine Katze. Erst nach einem Hinweis auf mögliche Kindergeräusche brachen Polizisten das Fahrzeug am Abend auf.
Der Vater lebte währenddessen in einer Wohnung im ersten Stock desselben Hauses. In der Wohnung wohnten auch seine Lebensgefährtin sowie zwei Töchter im Alter von zehn und zwölf Jahren. Nach Angaben der Ermittler machte die Wohnung einen vollkommen ordentlichen Eindruck.
Junge nach eigenen Angaben monatelang eingesperrt
Der Junge gab an, zwischen September und Dezember in dem Lieferwagen eingesperrt worden zu sein. Geduscht habe er zuletzt Ende des Jahres. Im Fahrzeug habe er nur einen Rucksack mit Kleidung gehabt. Für seine Notdurft habe er Plastikflaschen und Müllsäcke nutzen müssen.
Videoaufnahmen zeigen laut Staatsanwaltschaft, dass der Vater zweimal täglich zum Fahrzeug ging und Gegenstände hineinwarf. Nach Aussage des Kindes brachte er ihm Essen und Wasserflaschen.
Vater gesteht Einsperren des Kindes
Im Verhör räumte der 43-Jährige ein, seinen Sohn seit November in dem Kleinbus festgehalten zu haben. Er habe den Jungen nach eigenen Angaben schützen wollen, weil seine Lebensgefährtin auf eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik gedrängt habe.
Die Lebensgefährtin bestritt den Vorwurf. Sie gab an, zwar Geräusche aus dem Lieferwagen gehört zu haben. Sie sei jedoch davon ausgegangen, dass der Junge bereits in einer Einrichtung untergebracht worden sei.
Ermittlungen gegen Vater und Lebensgefährtin
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es keine medizinischen Belege für psychiatrische Probleme des Kindes. Der Junge habe zuvor mit sehr guten Leistungen die erste Klasse in Mulhouse besucht.
Gegen den Vater und seine Lebensgefährtin wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Beide waren bislang nicht polizeibekannt. Die Ermittler prüfen nun auch, ob weitere Personen von der Situation gewusst haben könnten, ohne einzugreifen. Der Junge befindet sich weiterhin in einer Klinik in Sicherheit. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |