Insolvenzantrag in Ellwangen: Löhne bei Varta gesichert

Das Unternehmen hat schon länger mit Problemen zu kämpfen.  | Foto: Jason Tschepljakow/dpa
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Ellwangen. Für die Beschäftigten bei Varta hat der Insolvenzantrag nach Unternehmensangaben zunächst eine wichtige Folge: Löhne und Gehälter werden weitergezahlt. Der Batteriehersteller aus Ellwangen hat beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Über den Antrag soll nach Gerichtsangaben in den kommenden Tagen entschieden werden. Varta beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3.260 Menschen, viele davon am Stammsitz in Ellwangen.

Was die Eigenverwaltung bedeutet

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist kein klassisches Insolvenzverfahren. Im Mittelpunkt steht die Sanierung des Unternehmens. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und behält die Kontrolle über das operative Geschäft.

Anders als bei einer Regelinsolvenz wird kein externer Insolvenzverwalter eingesetzt. Stattdessen begleitet ein Sachwalter das Verfahren. Nach Angaben des Verbands der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands prüft er die wirtschaftliche Lage und überwacht die Geschäftsführung während der Eigenverwaltung.

Stellt der Sachwalter Umstände fest, die Nachteile für Gläubiger erwarten lassen, muss er den Gläubigerausschuss und das Insolvenzgericht informieren.

Sanierung soll das Unternehmen erhalten

Nach Unternehmensangaben war der Sachwalter bei der Information der Beschäftigten per Video zugeschaltet. Mit der Eigenverwaltung wird regelmäßig das Ziel verfolgt, ein Unternehmen zu sanieren und möglichst zu erhalten.

Die baden-württembergische IG Metall verwies auf die lange Geschichte des Unternehmens. Bezirksleiterin Barbara Resch erklärte, Varta sei seit 139 Jahren ein Traditionsunternehmen. Es wäre ein schwerer Fehler, es nun vor allem nach Renditeinteressen von Banken und Finanzakteuren zu behandeln.

Wichtige Geldgeber sehen akuten Finanzbedarf

Zuvor war bekannt geworden, dass Varta eine Zerschlagung drohen könnte. Hintergrund ist nach Angaben aus Finanzkreisen, dass wichtige Geldgeber das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen wollen.

Die Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox begründete ihr Vorgehen mit der angespannten Finanzlage. Eine unabhängige Analyse habe ergeben, dass Varta kurzfristig zusätzliches Geld im mittleren zweistelligen Millionenbereich brauche. Trotz intensiver Gespräche habe sich kein weiterer Kapitalgeber gefunden.

Zerschlagung bei Varta in Ellwangen: Batteriesparte vor Aus

Mehr als 3.000 Beschäftigte bei Varta

Nach Unternehmensangaben beschäftigt Varta rund 3.260 Menschen. Viele arbeiten am Stammsitz in Ellwangen. Der Konzern produziert neben Haushaltsbatterien auch Mikrobatterien für Hörgeräte und Energiespeicher.

Zuletzt veröffentlichte Varta im Jahr 2024 Geschäftszahlen. Damals lag der Umsatz bei rund 793 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 64,5 Millionen Euro.

Sanierung hatte Insolvenz eigentlich verhindern sollen

Bereits 2024 hatte sich Varta im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes StaRUG neu aufgestellt, um eine Insolvenz zu vermeiden. Altaktionäre verloren damals ihre Beteiligungen. Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen. Anfang April erklärte das Unternehmen die Restrukturierung für abgeschlossen und sah sich wieder auf Kurs.

Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich danach erneut. Ein Werk mit rund 350 Beschäftigten im bayerischen Nördlingen soll noch im Herbst schließen. Apple war als wichtiger Kunde für den Standort abgesprungen, wie im Mai bekannt wurde. Neue Großkunden fehlten. Noch bis November produziert Varta dort Knopfbatterien für kabellose Kopfhörer des US-Konzerns. Künftig sollen diese wohl aus Asien kommen. dpa/red

Autor:

Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße

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