Insolvenz in Ellwangen: Varta stellt Antrag in Eigenverwaltung

Varta: Antrag auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.  | Foto: Marius Bulling/dpa
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Ellwangen. Für Kunden von Varta ändert sich vorerst vor allem eines: Das Geschäft mit Haushaltsbatterien läuft nach Unternehmensangaben weiter. Der Batteriehersteller aus Ostwürttemberg hat beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt.

Varta begründet den Schritt mit deutlich schlechteren Marktbedingungen, schwächerer Nachfrage, negativen Währungseffekten und dem Ende der Zusammenarbeit mit einem Ankerkunden. Dabei handelt es sich um Apple. Nach Angaben des Unternehmens soll der Antrag die wirtschaftliche Zukunft sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs ermöglichen.

Das Unternehmen betont, dass der Antrag nicht wegen einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb gestellt worden sei. Von dem Verfahren betroffen sind neben der Varta AG auch die operativen Gesellschaften Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH.

Was der Antrag für das Unternehmen bedeutet

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensführung zunächst im Amt und steuert die Sanierung selbst. Ziel ist es, den Betrieb zu stabilisieren und eine Lösung mit Gläubigern und Geldgebern zu erreichen.

Nach Angaben der Gruppe sehen die wichtigsten Geldgeber inzwischen keine tragfähige Gesamtlösung mehr. Zu ihnen gehören die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox. Sie wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen.

  • Das Haushaltsbatterie-Geschäft ist laut Varta nicht Teil des beantragten Verfahrens.
  • Der laufende Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden.
  • Die Sanierung soll in Eigenverwaltung organisiert werden.

Warum Varta erneut in die Krise geraten ist

Varta galt lange als Hoffnungsträger der deutschen Batterieindustrie. Das Unternehmen profitierte vor allem vom Boom wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Batterien, etwa für kabellose Kopfhörer und Smartwatches. Nach dem Börsengang wuchs der Konzern stark und investierte viel Geld in den Ausbau der Produktion und in neue Batterietechnik.

Später zeigten sich jedoch Probleme. Varta war stark von Apple abhängig. Als der US-Konzern einen weiteren Zulieferer suchte, geriet das Geschäft unter Druck. Hinzu kamen eine schwächere Nachfrage nach Unterhaltungselektronik, Konkurrenz aus Fernost und Belastungen in der Lieferkette.

Traditionsunternehmen mit langer Geschichte

Die Wurzeln von Varta reichen bis ins Jahr 1887 zurück. Der Name steht für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“. In den vergangenen Jahrzehnten war das Unternehmen mehrfach im Wandel. Nach einer früheren Krise wurde Varta aufgespalten und in Teilen verkauft.

2007 stieg der österreichische Investor Michael Tojner bei der Mikrobatterie-Sparte ein und brachte sie später an die Börse. 2019 holte Varta auch das Geschäft mit Haushaltsbatterien zurück. In den Jahren danach stiegen Umsatz, Investitionen und Schulden deutlich.

E-Auto-Zellen blieben ein Nischenprodukt

Auch der Einstieg in Batteriezellen für Autos brachte nicht den erhofften Durchbruch. Varta setzte auf Zellen für Hybridfahrzeuge. Die Technik blieb jedoch ein Nischenprodukt. Als bekannter Kunde wurde damals Porsche genannt.

In der Folge verschärften operative Probleme, hohe Schulden und rote Zahlen die Lage. Beschäftigte gingen in Kurzarbeit, später wurden Hunderte Stellen abgebaut. Arbeitnehmer- und Aktionärsvertreter machten wiederholt auch Managementfehler für die Krise verantwortlich. dpa/red

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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