Künstliche Intelligenz und Menschsein -
Nicht die KI ist das Problem
- Foto: Fotograf: Johann Prach
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Nicht die KI ist das Problem… …
unter diesen Titel kann man das Treffen über Künstliche Intelligenz mit Professor Grunwald, das am 16.6. 2026 in der Mensa des Schönborn-Gymnasiums stattgefunden hat, zusammen fassen.
Teilgenommen an dieser Kooperation zwischen Kulturinitiative e.V. Bruchsal und Schönborngymnasium haben 230 Personen, davon etwa 70 Schüler des JKG und Schönborngymnasiums.
Hubert Keßler, Vorsitzender der Kulturinitiative stellte die Veranstaltung unter eine literarische Leitlinien „ Wenn Eliot schreibt: ´der Mensch erfindet Systeme von solcher Vollendung, dass niemand mehr gut zu sein braucht`, so stellt sich die Frage: Erweitern wir die menschliche Freiheit oder schaffen wir mit KI die Freiheit des Menschen ab? Auf die Problematisierung dieser Frage lief der Vortrag zu.
Nach einer hervorragenden Verortung des Themas – wo wir heute schon KI nutzen und in ihrem Einfluss stehen (Handy, Gesichtserkennung, Navi….)- durch Dr. Wiesler, selbst Lehrer am Schönborn und in der Lehrerfortbildung tätig, stellte Grunwald sich der Frage: Quo futurum, homo sapiens? Was wird aus dem Menschsein angesichts der KI?
Die Einbettung in die Geschichte der Technik und den unterschiedlichen Menschenbilder, vom Menschen als beseelter Maschine bis hin zum Homo digitalis der Moderne, ließen die gegenwärtige Herausforderungen in einem größeren Kontext verstehen. Wenn über der europäischen Aufklärung der uns allen geläufigen Spruch Kants „Aufbruch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ stand, setzte Grunwald dies als Frage an die Gefahren, die er im zweiten Teil des Vortrages mit der KI verband. In der Aufklärung waren Wissenschaft (Erkenntnis) und Technik (Intervention) wichtige Wege zur Realisierung von mehr Freiheit und Emanzipation. Und nun, ja die rasante Entwicklung im digitalen Bereich scheint diese fortzusetzen. Er führte viele Emanzipationsleistungen durch KI auf: Die Befreiung von mühsamen und langweiligen Tätigkeite und Ermöglichung neuer Freiräume für Kreativität, die Hilfe bei Übersetzungstätigkeiten, leichtere Kommunikation und vieles andere.
Hier aber setzen auch seine Fragezeichen an: Ist die Befreiung von der Mühsal des Lernens, die Befreiung von den Zumutungen des Selberdenkens und der damit verbundenen Verantwortung wirklich Befreiung oder führt es zu einer schleichenden Unmündigkeit?
Die Errungenschaften der künstlichen Intelligenz stellt er nicht in Frage, wohl aber befragte erden Umgang mit ihr. Der Aufbruch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit – damals von sozialer Herrschaft, kann allmählich und unmerklich übergehen in neue Abhängigkeiten.
Er sagte, frei nach Hegel: „Ein Herr hat einen Knecht. Dieser Knecht muss alles für den Herrn tun. Dadurch verlernt der Herr die lebensnotwendigen Dinge. Der Herr wird abhängig vom Knecht, und schließlich wird aus dem Knecht der eigentliche Herr. Der Herr muss dann dafür sorgen, dass es dem Knecht gut geht. Fatal daran ist: Der Übergang vom Herrn zum Knecht geschieht unmerklich.“
Natürlich konnte bei diesem Vortrag die aktuelle Sozialenzyklika nicht fehlen. Man bemerkte die Nähe Grunwalds zu den Bedenken, die in dieser Enzyklika genannt sind. Die Sorge um allmähliche „Entmenschlichung“, Effizienz- und Leistungsdenken der Digitalwelt, die den Menschen auf ein funktionales Wesen reduziert, und die Abhängigkeit von übermächtigen Unternehmen.
Wo liegt das Problem? Beim Menschen und seinem Umgang mit der KI.
KI kann bei der Entscheidungsfindung helfen, darf jedoch nie zur Entscheidungsersetzung werden. Menschliche Intelligenz im Sinne von Verstehen, Urteilen, Schlussfolgern ist nicht direkt messbar und kann nicht einfach übertragen werden auf technisches Verstehen. Menschlich zielgerichtetes Handeln, das sich noch einmal zu sich selbst verhalten kann, können Maschinen nicht.
Grunwald nannte auch Ursachen für entstehende Unmündigkeit: Datengläubigkeit, Automation Bias als psychologischer Effekt, der KI zu viel zuzutrauen, Bequemlichkeit oder Zeitmangel, selber zu denken und zu prüfen usw. auf Seiten der Menschen und damit verbunden graduelles Verlernen kognitiver Fähigkeiten wie etwa der Urteilskraft usw..
Und damit kam er am Ende zum Fazit: Nicht die KI ist das Problem, sondern – der Mensch!
KI als einem neuen „Gott“, dem alles zugetraut wird und die Gefahr, die Freiheit zu verlieren durch Bequemlichkeit, Abhängigkeit, ökonomischen Druck, Intransparenz.
Die Ursachen liegen, sagte er, nicht in der KI-Technik! Nicht KI nimmt uns das Denken ab, sondern wir geben es oft allzu bereitwillig ab. Was aus unserem „Menschsein“ wird, hängt stark von uns selbst ab
Mit dieser Provokation ging es bei übergroßer Hitze zum verdienten kalten Getränk.
Hubert Keßler
Autor:Hubert Keßler aus Bruchsal |
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