Magazin Waldemar

Interview mit der Sportlerin Jacqueline Fritz
Einbeinig über die Alpen

Jacqueline Fritz mit ihrem Hund Louis
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  • Jacqueline Fritz mit ihrem Hund Louis
  • Foto: Laila Tkotz (Foto- und Filmproduktion Laila Tkotz)
  • hochgeladen von Laura Braunbach

Abenteuer. Mit 15 Jahren knickte Jacqueline Fritz beim Ballett um: Bänderriss. Doch bei der Operation geht etwas schief, acht Jahre und etliche OPs später wird ihr rechtes Bein amputiert. Die heute 35-Jährige aus Birkenhördt bei Bad Bergzabern in der Pfalz ist seit einigen Jahren Alpinistin, Bergsteigerin und klettert in der Deutschen Nationalmannschaft. Nur beim Klettern trägt sie eine Carbon-Prothese.

Was bedeutet es für Dich, draußen zu sein?
Jacqueline Fritz: Eigentlich alles! Mich draußen in der Natur zu bewegen, ist für mich mehr als ein Ausgleich. Egal ob ich draußen wandere, bergsteige, Ski fahre oder klettere – mein ganzes Leben spielt sich draußen ab. Mir geht es immer darum, neues zu entdecken. Im vergangenen Jahr habe ich zu Hause in der Pfalz viel neues entdeckt, aber eigentlich will ich in die Welt hinaus und dort Landschaften, Wege und Menschen kennenlernen.

Welche Sportarten machst Du eigentlich alle?
Fritz: Ich klettere in der Deutschen Paraclimbing-Nationalmannschaft und habe bei der letzten Weltmeisterschaft 2019 in Briançon in Frankreich in meiner Klasse die Bronzemedaille gewonnen. Das ist allerdings nicht draußen, sondern an einer Plastikwand in der Halle. Aber ich klettere natürlich auch draußen am Felsen. Wandern und Bergsteigen betreibe ich auch professionell. Vor drei Jahren habe ich außerdem Skifahren gelernt. Dabei geht es mir aber eher um Skitouren, nicht nur den Berg herunterfahren… Das Reiten kommt leider viel zu kurz. Ich muss immer das Risiko abwägen: Wenn ich vom Pferd falle, ist die Wettkampfsaison für mich gelaufen.

Hund Louis ist immer dabei
  • Hund Louis ist immer dabei
  • Foto: Birgit Standke
  • hochgeladen von Laura Braunbach


Das ist ja toll: der Lieblingssport als Beruf…

Fritz: Natürlich ist es toll, dass ich meinen Sport betreiben kann. Aber letztlich ist es, wie in anderen Berufen auch: Ich habe auch nicht immer Lust, den Berg rauf zu gehen. Oder wenn die Wettkampfsaison ansteht, muss ich in der Kletterhalle trainieren, obwohl ich lieber raus gehen würde.

Welche Deiner Touren war die schönste, welche hat Dich am meisten herausgefordert?
Fritz: Das kann ich so gar nicht sagen. Der Alpencross 2016 war mein erstes Projekt. Das ist natürlich etwas ganz besonderes, wenn man das erste Mal so eine Tour macht: von Garmisch-Partenkirchen über 300 Kilometer, über 3.500 Meter hohe Berge auf Wanderwegen, über Klettersteige und Geröllfelder bis nach Meran. Aber letztlich ist jedes Projekt besonders: zum Beispiel die Tour 2019 auf den Monte Rosa – da geht nicht jeder hoch. Und auf fünf Kilometern Höhe ist die dünne Luft schon eine Herausforderung. Ich hatte in der Nacht einen Ruhepuls von 130. Aber der Blick, wenn man sieht, dort unten im Tal regnet es, und man steht dort oben in der Sonne, ist einfach klasse.

Was ist für dieses Jahr geplant?
Fritz: In diesem Jahr will ich alle Sportarten verbinden: Nach dem Kletter-Worldcup in Briançon ist eine Tour durch den Vanoise National Park mit einem Esel nach Chamonix geplant, bei der uns der französisch-deutsche Kabarettist „Alfons“ alias Emmanuel Peterfalvi begleiten wird. Dort plane ich noch eine Ski-Tour am Mont Blanc auf 4.000 Meter hoch und wieder runter zu fahren.

Dich begleitet in der Regel die Fotografin Laila Tkotz und Dein Hund Loui. Wie wichtig ist es, dass der Hund dabei ist?
Fritz: Loui ist immer mit dabei. Er ist ein ausgebildeter Bergbegleithund und warnt mich vor Gefahren wie Gletscherspalten oder Steinschlag. Aber natürlich ist er auch mental total wichtig. Bei den Touren bin ich mit Laila ja Tag und Nacht immer zusammen – aber es gab noch nie Streit. Ich denke, ohne Loui hätte es bestimmt schon mal gekracht. Er ist auch für die gute Stimmung im Team verantwortlich.

Du hältst auch Vorträge über Deine Touren, um Menschen mit Handicap Mut zu machen.
Fritz: Ja, das ist mir sehr wichtig. Ich denke, ich kann ein Vorbild für viele Menschen sein. Die Menschen können sich mit mir identifizieren. Ich bin nicht Reinhold Messner, der Achttausender besteigt. Ich bin ein Mädel vom Dorf, dass sich von einem fehlenden Bein nicht entmutigen lässt, das zu machen, wozu es Lust hat. Ich möchte alle ermutigen, raus zu gehen und sich zu bewegen, trotz aller Hindernisse. Jeder nach seinen Möglichkeiten.

Mehr als nur ein Ausgleich: Jacqueline Fitz liebt das Draußensein
  • Mehr als nur ein Ausgleich: Jacqueline Fitz liebt das Draußensein
  • Foto: Laila Tkotz ( Foto- und Filmproduktion Laila Tkotz)
  • hochgeladen von Laura Braunbach

Ich habe gesehen, dass Du Teil der Respect-Kampagne von @toto_respect_fashion bist.
Fritz: Da musste mich niemand von überzeugen. Ich finde es ganz wichtig, dass wir menschlich miteinander umgehen und uns gegenseitig respektieren. Respekt vor anderen Menschen, gleich welcher Herkunft, oder ob sie ein Handicap haben, und Respekt vor der Natur sind Werte, die mir einfach wichtig sind. rk

Weitere Informationen:
Mehr Infos zu Jacqueline Fritz und ihren Touren findet man online unter www.mussdassein.de. Die Aktivitäten der Sportlerin kann man auch auf Facebook verfolgen unter www.facebook.com/BergsteigenEinbeinig/ oder auf Instagram unter jacqueline.p.fritz.

Autor:

Roland Kohls aus Ludwigshafen

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