Chart Stürmer(in) aus Kaiserslautern
Drag Queen Nummer 1 in den Charts
- BILLY WANTS MORE ist eine Würdigung für Billy Moore und möchte das Lebensgefühl in die heutige Zeit übersetzen.
- Foto: Michael Heberer
- hochgeladen von Marianne Foregger
Eine echte Sensation gab es in den deutschen Hörercharts "Die Hörercharts". Nach 2 Stunden Wartezeit war es gewiss, die neue Nummer 1 ist BILLY WANTS MORE mit dem Song "Lets make dirty love". Das ist aus gleich mehreren Gründen interessant, denn es handelt sich hier um ein ungewöhnliches Projekt eines Travestiekünstlers namens Michael Heberer.
Geboren wurde Heberer in Kaiserslautern, zog als Kind mit seiner Familie dann nach Berlin. Dort lernte er auch seine Langzeit Lebensgefährtin Gaby kennen. Diese ermutigte ihn zur Travestiekunst, denn der offen bisexuell lebende Heberer hatte schon als Kind eine Faible für Frauenkleider. Als "Miss Candy Rush" baute sich der Neo-Berlin dann eine Fangemeindschaft in der Szene auf, die ihn bis heute trägt.
In der Corona Krise 2020 zog Heberer mit seiner Gaby dann nach Teneriffa, da er mit den Corona Massnahmen der deutschen Regierung nicht einverstanden war. Das Paar hatte dort schon seit längerem eine Ferienwohnung in Puerto de la Cruz unweit des bekannten Strandes Martianez. Aber Corona Leugner ist der Künstler keiner: "Der Virus war absolut ernst zu nehmen, allerdings ist Deutschland für mich blind durch die Krise geschlingert. In Spanien hat es einen einzigen Lockdown gebraucht, in Deutschland gab es den gefühlt jedes Monat. Für viele Künstler wie mich war dies das finanzielle Todesurteil."
Der 45 jährige fing auf Teneriffa ein neue Leben an als Versicherunsvertreter, aber pendelt mittlerweile regelmäßig zurück nach Berlin für Auftritte als Miss Candy Rush. Auf Teneriffa hat er dann bei einem Treffen der hiesigen Teneriffa Facebook Gruppe *Teneriffa* seinen heutigen Produzenten aus Österreich kennen gelernt. So entstand die Idee zu der Kunstfigur "BILLY WANTS MORE".
Man nahm 5 Songs auf und releaste ziemlich rasch die Single "All Inclusive", einen leicht anrüchig klingenden Track im Stil des 2000 er Italo Dance. Kein Geheimnis macht man bei dem Projekt, dass eine andere Kunstfigur, nämlich Billy Moore als Inspiration diente. "Ich war ein riesen Fan von Billy Moore und nach dessen Tod sehr traurig, dass es nie wieder diese Art von Musik geben soll. Als mein Produzent dann ebenso die italienische Kunstfigur kannte und sich auch begeistert zeigte, haben wir quasi Billy Moores Schwester geschaffen, so entstand BILLY WANTS MORE".
Musikalisch möchte man keine Kopie sein, aber trotzdem ein wenig dieser Atmosphäre einfangen und in die heutige Zeit übersetzen. Die erste Single schaffte es in 3 Ländern in die Charts, in Norwegen gab es Platz 10 in den dortigen Deejay Charts "Norske DJ-lister", in Österreich schaffte man Platz 4 in den wichtigsten Dance-Charts des Landes, den Austria Top 30 Deejay Charts. Bei den deutschen Hörercharts "Die Hörercharts" stieg der Track direkt von 0 auf 2 ein, konnte sich einige Wochen in den Charts halten, aber nie die Spitze übernehmen.
Das änderte sich aber gestern mit der neuen Single "Lets make dirty love", die in der Chartshow mit Chris Kelle erstmals öffentlich präsentiert wurde. Der Track ist kommerzieller, nicht ganz so polarisierend wie die Debüt-Single, und stieg direkt von 0 auf 1 in den Hörercharts ein. Das Publikum in den Chartsendung zeigte sich begeistert und meinte "DAS ist ein Ohrwurm!". Billy Moore alias Massimo Brancaccio feiert wahrscheinlich auf einer Wolke sitzend mit, eine schönere Würdigung seiner Arbeit hätte es wahrlich nicht geben können.
Autor:Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.