Pfeifkonzert und Flucht vom Betze: FCK blamiert sich gegen Abstiegskandidat
- Die nackten Zahlen: Der FCK kassiert eine 0:2-Heimpleite gegen Eintracht Braunschweig
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FCK. Ein gellendes Pfeifkonzert hallte durch das Fritz-Walter-Stadion, das bei Abpfiff des Spiels zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig selten so leer war. Mit Grausen wandten sich die Fans der Roten Teufel in Scharen bereits nach dem entscheidenden zweiten Treffer der Gäste rund 20 Minuten vor dem Ende vom Betze ab.
Was der FCK seinen trotz der Krise auf ihren heiligen Berg geströmten 44.351 Anhängern kredenzte, spottete jeder Beschreibung. Waren die desaströsen Auftritte bisher fast ausschließlich auf zahlreiche Auswärtspartien beschränkt, mussten die Zuschauer diesmal auch zu Hause mit lähmendem Entsetzen miterleben, wie sich gegen einen schwachen Abstiegskandidaten ein sportlicher Offenbarungseid zutrug.
Harsche Worte von Hengen und Lieberknecht verpuffen
Was hatten Thomas Hengen und Torsten Lieberknecht nach dem erneuten Aussetzer in Kiel noch gewettert und an Konsequenzen versprochen. Die erschreckend uninspirierte und leidenschaftslose Leistung gegen die Niedersachsen karikierte die harschen Worte der beiden komplett. Das hatte irgendwas von, wir können es nicht besser oder vielleicht auch wir wollen es nicht besser.
- Enis Kamga avancierte bei seinem Profidebüt zum Pechvogel
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Das hoffnungsvolle Torwarttalent Enis Kamga, der erstmals bei den Profis zwischen den Pfosten stehen durfte, war zu bedauern, dass es seine Vorderleute auf dem Feld nicht mal ansatzweise hinbekamen, seinen Fehler, der zum 0:1 (14.) ausgerechnet durch Ex-FCKler Faride Alidou führte, ergebnistechnisch zu korrigieren. Zwei bestenfalls als Halbchancen zu bezeichnende Torgelegenheiten sind ein Armutszeugnis gegen einen abstiegsgefährdeten Gegner.
Nach dem 0:2 durch Yardimci (72.) war bereits der Deckel drauf, das spürten alle im Stadion. Nach dem Spiel begab sich Torsten Lieberknecht zu den Fans in die Kurve, die gestenreich auf den ratlos scheinenden Trainer einredeten. Trotz der erneuten Pleite sieht sich der Coach weiter fest im Sattel und seinen Job nicht in Gefahr. Sportdirektor Marcel Klos springt ihm nach wie vor bei und beteuert gebetsmühlenartig, dass man, komme was wolle, am Trainer nicht rütteln werde.
Die Fans haben jedenfalls mit einem brachialen Pfeifkonzert abgestimmt, was sie von ihrer Mannschaft, der sportlichen Situation und wohl auch den Durchhalteparolen der Verantwortlichen inzwischen halten. Der Unmut bricht sich unübersehbar Bahn, das Fass ist kurz vorm Überlaufen. Erst recht dann, wenn der FCK auch noch die verbleibenden drei Saisonspiele derart abschenken sollte wie die letzten beiden.
- Torsten Lieberknecht vor der aufgebrachten Fankurve. Enis Kamga erhielt dagegen aufmunternden Applaus.
- Foto: Jens Vollmer
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FCK als mögliches Zünglein an der Waage im Abstiegskampf
Wenn es den Roten Teufeln nicht auf wundersame Weise gelingen sollte, das Ruder doch noch herumzureißen, stehen die Chancen für die ebenfalls abstiegsbedrohten drei letzten Gegner Dresden, Bielefeld und Magdeburg nicht schlecht, dass sie gegen ein solch lebloses Team reichlich Punkte für ihre Rettung hamstern könnten. Konkurrenten wie etwa Münster, Fürth und Düsseldorf werden sicherlich toben, sollten sich die Pfälzer auch im Endspurt der Saison derart phlegmatisch präsentieren.
Es fällt schwer, daran zu glauben und sich vorzustellen, dass bei den sicher wieder gewohnt heißblütig unterstützten Sachsen von Dynamo am Samstag, 2. Mai, 13 Uhr, noch einmal ein Lebenszeichen von den Roten Teufeln in Form eines echten Statements herauskommt. Zu blutleer und verunsichert wirkt die Mannschaft derzeit – egal wer da nun auf dem Feld steht. rav
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |
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