Austropop mischt deutsche Charts auf
Cafe Royal 10 trifft den deutschen Geschmack
- Cafe Royal 10 schafft es nach mehr als 20 Jahren Bestehen erstmals in die Charts und trifft dabei den deutschen Geschmack
- Foto: Pexels/Pixabay (Beispielfoto)
- hochgeladen von Marianne Foregger
Es ist eine dieser Geschichten, die man im deutschen Musikbetrieb nicht alle Tage erzählt bekommt. Eine Austropop Band, die sich hierzulande nicht nur behauptet, sondern gerade mitten in den oberen Chartregionen mitmischt. Cafe Royal 10 stehen aktuell mit dem Anti Trump Song "Komplexla" auf Platz 3 in den wichtigsten deutschen Hörercharts „Die Hörercharts“. Das ist die Momentaufnahme, die jetzt für Aufmerksamkeit sorgt. Und sie ist das Ergebnis eines Aufstiegs, der sich in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt abgezeichnet hat.
Noch vor kurzer Zeit galt es schon als Achtungserfolg, als die Band erstmals in Deutschland in Erscheinung trat und sich in den Hörercharts festsetzen konnte. Berichte über Platz 6 machten später dann die Runde und wurden in Österreich mit berechtigtem Stolz aufgenommen, für Platz 3 erfährt die Band jetzt Anerkennung im ganzen Land unseres Nachbarn. Für eine Formation, die klar im Austropop verwurzelt ist, sind solche Platzierungen in Deutschland alles andere als selbstverständlich. Der Markt hier ist groß, schnelllebig und traditionell eher zurückhaltend gegenüber Dialekt und regional gefärbtem Pop.
Dass Cafe Royal 10 diese Hürde nehmen, liegt nicht nur an eingängigen Melodien, sondern auch an ihrer klaren Haltung. Schon früh machte die Band mit eigenen Songs auf sich aufmerksam, die sich nicht scheuen, gesellschaftliche Themen aufzugreifen. Ein Beispiel dafür ist ihr Stück über den österreichischen Fußballverein SK Rapid Wien, der als Rekordmeister des Landes gilt, auch wenn die großen sportlichen Erfolge inzwischen länger zurückliegen. Und genau an der Erfolglosigkeit des SK Rapid hängte die Band den Song auf und kritisierte Mißstände im Vorstand des beliebten Vereins. Damit wurde deutlich, dass die Band ihre Wurzeln kennt und keine Angst hat, auch sehr lokale Themen anzusprechen.
Besonders viel Aufmerksamkeit in Österreich brachte ihnen der Song Steffi aus Graz. Das Lied erzählt eine reale, tragische Geschichte und wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen. Die emotionale Wucht des Songs hat der Band eine Reichweite verschafft, die weit über die klassische Poplandschaft hinausgeht. Genau solche Momente prägen das Profil von Cafe Royal 10 und sorgen dafür, dass sie nicht als austauschbarer Act wahrgenommen werden.
Parallel dazu wuchs auch in Deutschland das Interesse. Erste Chartplatzierungen wurden schnell übertroffen, neue Bestmarken folgten. Deutsche Medien begannen, genauer hinzusehen, und plötzlich war da eine Band aus Österreich, die sich nicht anpassen musste, um gehört zu werden. Stattdessen funktionierte genau das, was sie ausmacht.
Dass sie nun mit "Komplexla" auf Platz 3 in „Die Hörercharts“ stehen, wirkt fast wie die logische Konsequenz dieser Entwicklung, auch wenn es im größeren Kontext immer noch ungewöhnlich ist. Austropop hat in Deutschland zwar immer wieder einzelne Erfolge gefeiert, aber eine solche Kontinuität und Dynamik sieht man selten.
Cafe Royal 10 zeigen gerade, dass es doch möglich ist. Und vielleicht ist genau das das Spannendste an dieser Geschichte. Es geht nicht nur um eine Chartplatzierung. Es geht darum, dass eine Band mit klarer Herkunft und eigenem Ton eine Tür aufstößt, die lange nur einen Spalt offen stand. Besonders ist übrigens auch die Band Geschichte als Ganzes, denn die Band hat über 20 Jahre gebraucht ihr erstes Album aufzunehmen und war davor vorallem als Live Formation bekannt. Somit hat es auch über 20 Jahre gedauert bis man Cafe Roal 10 im Radio hören und in den Charts bewundern konnte. Eine filmreife Geschichte der Austropop Formation.
Autor:Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern |
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