Talahons werden nicht erfreut sein
Band Klimmstengel auf Erfolgswelle mit Diss-Track
- Klimmstengel schafft es in den deutschen Hörercharts vom Stand auf Platz 5 und später sogar auf Platz 1
- Foto: Klimmstengel
- hochgeladen von Marianne Foregger
Manchmal sind es genau die Projekte, die zunächst wie ein Randphänomen wirken, die plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. In Deutschland lässt sich das aktuell gut an der Band Klimmstengel beobachten, deren Debütsingle „Talahon“ sich innerhalb kürzester Zeit in den wichtigsten deutschen Hörercharts "Die Hörercharts" festgesetzt hat.
Der entscheidende Punkt dabei ist die Ausgangslage. Klimmstengel waren bis vor wenigen Wochen praktisch ein unbeschriebenes Blatt. Kein gewachsener Hype, keine lange Aufbauphase, sondern ein vergleichsweise stiller Start mit einer ersten Veröffentlichung. Und genau diese erste Single steigt direkt von null auf Platz 5 in „Die Hörercharts“ ein und schaffte es später für eine Woche sogar auf Rang 1. Ein von 0 auf 100 Ergebnis, das im deutschen Radioumfeld selten vorkommt, gerade weil diese Charts auf einem reinen Voting der Hörer basieren.
„Talahon“ ist Teil der EP „Monotomia“, die Ende Februar erschienen ist und insgesamt fünf Songs umfasst. Musikalisch bewegt sich die Band dabei in einem Spannungsfeld aus elektronischen Beats, Dance-Elementen und deutschsprachigem Pop, allerdings mit einem deutlich reduzierten, fast rohen Ansatz. Genau diese Mischung gibt dem Projekt ein eigenes Profil, das sich vom üblichen Chart-Sound abhebt.
Auffällig ist vor allem die Rolle des Songs selbst. Schon in frühen Berichten wurde „Talahon“ als der Track beschrieben, der am ehesten aus dem Rahmen fällt. Textlich direkter, provokanter, weniger gefällig als andere Stücke der EP. Dass ausgerechnet dieser Song den Durchbruch bringt, passt zur Gesamtanlage der Band. Klimmstengel setzen nicht auf Anpassung, sondern auf Reibung.
Hinter dem Projekt stehen mehrere erfahrene Musiker, darunter der Produzent und DJ Ali Mohamed. Diese Erfahrung hört man der Produktion an, auch wenn sie bewusst reduziert gehalten ist. Statt überladener Arrangements dominieren monotone, treibende Beats, die eher aus dem Techno kommen als aus klassischem Pop. Darüber legen sich Texte, die zwischen Ironie, Gesellschaftskommentar und bewusster Provokation pendeln.
Aus deutscher Sicht ist vor allem die Geschwindigkeit bemerkenswert, mit der sich dieser Erfolg eingestellt hat. Während viele Acts über Monate oder Jahre hinweg aufgebaut werden, gelingt Klimmstengel mit ihrem ersten Song ein unmittelbarer Einstieg in die oberen Chartregionen. Das spricht weniger für klassische Marketingmechanismen als für eine direkte Resonanz beim Publikum, aber auch für die neuen Zeiten und Mechanismen der Musikbranche.
Und genau darin liegt vielleicht der eigentliche Kern dieser Geschichte. „Talahon“ funktioniert nicht, weil er sich nahtlos in bestehende Formate einfügt, sondern weil er auffällt. Ein Song, der sich sperrig gibt, dabei aber gleichzeitig eingängig genug bleibt, um hängen zu bleiben. Ein Widerspruch, der im aktuellen Musikbetrieb selten geworden ist.
Ob dieser Erfolg von Dauer ist, lässt sich naturgemäß noch nicht sagen. Klar ist aber schon jetzt, dass Klimmstengel mit „Talahon“ einen Nerv getroffen haben. Und dass sie damit etwas geschafft haben, das im deutschen Markt nicht selbstverständlich ist. Nämlich aus dem Nichts heraus gehört zu werden und eine Fanbase hinter sich zu versammeln.
Autor:Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern |
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