Außenpolitikexperte bei DAAD-Freundeskreis
Denkanstöße in Kriegszeiten

Heidelberg (hb). Die Kriegsverbrechen des russischen Machthabers Vladimir Putin erregen auch die Gemüter der aktuellen und ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Entsprechend gut besucht war die jüngste Ausgabe von „Heidelberg Talks Online“ (HTO), einer digitalen Vortragsreihe des DAAD-Freundeskreises Rhein-Neckar. Gastredner bei der bereits 94. Ausgabe des im April 2020 pandemiebedingt ins Leben gerufenen Formats war Prof. h. c. Dr. Karl A. Lamers. Der langjährige Heidelberger Bundestagsabgeordnete ist Leiter der deutschen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO, Vizepräsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und seit 2021 Honorarkonsul der Republik Estland. Thema des Treffens, das neben einem Vortrag des promovierten Juristen auch eine Diskussionsrunde umfasste, war „Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine – quo vadis, Europa?“.
Lamers, viele Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses sowie Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestags, nahm vor dem internationalen Publikum mit Blick auf die Gräueltaten des russischen Militärs kein Blatt vor den Mund. „Putin ist ein Fall für Den Haag!“, betonte der Ehrenprofessor der Mykolas-Romeris-Universität in Vilnius/Litauen und Gründer einer nach ihm benannten Friedensstiftung. Putin habe den Westen „eiskalt belogen“, so Lamers, und gab damit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock recht, die „einen tollen Job“ mache. Lamers, der beide Konfliktparteien mehrfach besucht hat und nach wie vor enge Beziehungen nach Russland, in die Ukraine und ins Baltikum pflegt, war dabei anzumerken, wie sehr ihn der „klare Bruch des Völkerrechts“ durch den Herrscher im Kreml auch emotional bewegt.
Die Reaktionen und Nachfragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt verdeutlichten ebenfalls, welch eine Zäsur Putins Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 darstellt – nicht nur für Deutschland und Europa, sondern für die ganze Welt. So drehten sich die anschließenden Fragen um Themen wie die Wehrpflicht hierzulande, die Aussichten auf einen Waffenstillstand, die künftigen Beziehungen Russlands zu seinen Nachbarn, aber auch die von Russland ausgehende nukleare Gefahr und die Friedensphilosophie des Königsbergers Immanuel Kants, dessen Thesen im Fokus der nächsten HTO-Ausgabe stehen. Besonders berührend war jedoch der Redebeitrag eines ukrainischen DAAD-Stipendiaten, der seine Gedanken und Ängste mitteilte und das Schicksal seiner Familie im Kriegsgebiet schilderte (siehe auch Kriegstagebuch eines DAAD-Alumnus).
„Der Abend hat mir sehr viele Denkanstöße gegeben!“, beschrieb Nafisa Mirzojamshedzoda aus Tadschikistan im Anschluss ihre Eindrücke. Prof. Lamers habe „durch seine Expertise in Kombination mit einem tiefen Einfühlungsvermögen für die Menschen in der Ukraine eine spannende Diskussion ausgelöst.“ Nicolás Jaramillo aus Kolumbien imponierte ebenfalls der politische Erfahrungsschatz des Referenten, der detaillierte Einblicke in die Beziehungen zwischen Europa und Russland ermöglicht habe, sowie dessen klare, befürwortende Haltung bezüglich des ukrainischen Selbstbestimmungsrechts. HTO, das sich unter dem Motto „Interdisziplinär und international“ u.a. auch mit naturwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen beschäftigt, trage jede Woche aufs Neue zur Horizonterweiterung bei und ermögliche es, „Experten und Bürgern aus verschiedenen Kulturen zuzuhören“, was „das Verständnis für unsere eigenen Realitäten“ bereichere.

Foto: Büro Lamers

Autor:

Henning Belle aus Wochenblatt Bruchsal

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