Werksschließungen in Speyer: Mehr als 1200 Jobs bedroht
- Speyer mit seinem Unesco-geschützten Dom lockt Touristen an - aber wie sieht es mit Unternehmen aus? (Archivbild)
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Speyer. Mehr als 1200 Industriearbeitsplätze stehen vor dem Aus. In Speyer reagieren Wirtschaft und Stadtspitze besorgt auf angekündigte Werksschließungen großer Unternehmen.
Innerhalb weniger Wochen kündigten der Filterhersteller Mann+Hummel und das Technologieunternehmen TE Connectivity an, ihre Produktion in der Domstadt bis zum Jahr 2028 schrittweise einzustellen. Insgesamt sind mehr als 1200 Stellen betroffen.
Die IHK Pfalz sieht darin ein Zeichen für tieferliegende Probleme des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Entwicklung komme nicht überraschend. Bereits eine Resilienzstudie der Industrie und Handelskammern in der Metropolregion Rhein Neckar aus dem Mai hatte auf eine schwierige wirtschaftliche Lage hingewiesen.
Industriebetriebe zunehmend unter Druck
Nach Einschätzung der IHK fehlen bislang wirksame Reformen auf Bundes und EU Ebene. Besonders Industriebetriebe gerieten durch mehrere Faktoren unter Druck:
- hohe Energiekosten
- zunehmende Bürokratie
- steigende Lohnnebenkosten
Viele Unternehmen stünden im internationalen Wettbewerb. Produktionsverlagerungen ins Ausland seien daher eine Folge der aktuellen Rahmenbedingungen. Ohne politische Entlastungen könne die Wirtschaftsleistung in der Region jährlich um rund ein Prozent sinken. Auch die Zahl der Arbeitsplätze würde weiter zurückgehen.
Speyer laut Umfrage dennoch gut bewertet
Trotz der aktuellen Entwicklung gilt Speyer laut IHK weiterhin als vergleichsweise attraktiver Standort. In einer Unternehmensumfrage erhielt die Stadt die Schulnote 2,6 und gehörte damit zu den bestbewerteten Standorten in der Pfalz.
Positiv beurteilt wurden vor allem die Lage in der Metropolregion Rhein Neckar, die gute Verkehrsanbindung sowie sogenannte weiche Standortfaktoren. Dazu zählen Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung und Freizeitangebote. Auch das Image der Stadt und die Attraktivität der Innenstadt wurden hervorgehoben.
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Rheinland Pfalz arbeiten mehr als 80 Prozent der Erwerbstätigen in Speyer im Dienstleistungssektor. Der Verlust von Industriearbeitsplätzen stelle die Stadt zwar vor große Herausforderungen. Eine Überforderung sei jedoch nicht zu erwarten.
Stadt fordert Unterstützung
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler sprach zuletzt von einem „System der Standortverlagerung“. Bund und Land müssten stärker gegensteuern. Die Stadt werde sich nicht damit abfinden, dass innerhalb kurzer Zeit mehr als 1200 Industriearbeitsplätze verloren gehen.
Seiler forderte auch Verantwortung der betroffenen Konzerne. Unternehmen, die jahrzehntelang von Speyer und seinen Beschäftigten profitiert hätten, müssten dieser Verantwortung gerecht werden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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