Weihnachtsbotschaft: „In der Stille wächst die Hoffnung“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann  | Foto: Pressestelle Bistum Speyer

Speyer. Die Weihnachtsbotschaft ist laut Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann ein Zeichen der Hoffnung und eine Erinnerung daran, dass der wahre Frieden in der Stille wächst. In seiner Weihnachtspredigt im Dom zu Speyer nahm Bischof Wiesemann unter anderem Bezug auf den jüngsten Anschlag in Magdeburg: „Ich sitze vor meiner Krippe und schaue und werde still. Und ich merke, wie wohltuend gerade in aller Erschütterung durch Gewalt und Hass diese Augenblicke sind.“ Aus dieser Stille erwachse die Hoffnung, die so dringend benötigt werde.

„Die Offenbarung der stillen Zärtlichkeit der Liebe Gottes zum Menschen“

Zu Beginn seiner Predigt warf Bischof Wiesemann einen Blick zurück in seine eigene Vergangenheit. Schon als Kind habe er erlebt, wie am Heiligen Abend plötzlich alles still wurde, obwohl die Vorweihnachtszeit oft hektisch war. Diese Stille habe Raum für eine innere Erwartung geboten und die Bedeutung von Weihnachten sichtbar werden lassen. Es sei der Moment, in dem Gott in die Welt komme und zum Staunen über das Leben einlade: „Es ist eine ganz einfache, aber alles umstürzende Wahrheit, die uns Weihnachten einimpft als Immunität gegen alles unempfindsam Laute, Brutale, Menschenverachtende in unserer Welt: die Offenbarung der stillen Zärtlichkeit der Liebe Gottes zum Menschen, zu jedem Menschen.“

Doch in einer Welt, die oft von Gewalt und Brutalität geprägt sei, werde die Weihnachtsbotschaft auf die Probe gestellt. Angesichts der Nachrichten aus Magdeburg habe Bischof Wiesemann „stille ohnmächtige Wut und einen stummen Schmerz des Mitleids mit den unzähligen Opfern“ empfunden. Die Details zum Tatmotiv machen fassungslos: „Wie irre und doch real sind die Spielarten möglicher Radikalisierung von Menschen, die in ihnen offenbar selbst den letzten Rest menschlicher Empfindung zum Verstummen bringen!“

Erinnerungen an die Reise nach Ruanda im Sommer 2024

Diese Art von Radikalität erinnere Bischof Wiesemann an seine diesjährige Reise nach Ruanda. Dort wurden 1994, innerhalb von 100 Tagen, rund eine Million Menschen ermordet: „Weil es gelang, mithilfe eines in die ganze Bevölkerung getragenen Rassenhasses, selbst Familienangehörige gegeneinander auf brutalste Weise zu radikalisieren.“

Diese Ereignisse würden zeigen, wie Menschen durch Hass und Radikalisierung ihre Menschlichkeit verlieren können. Die Stille, die in solchen Momenten nach dem Wahnsinn komme, sei eine Bewusstwerdung des Unrechts und erinnere an den Wert von Menschlichkeit, Mitgefühl und Solidarität – Werte, die auch in der Weihnachtsbotschaft mitschwängen. „Es braucht Räume mitten im Getriebe unseres Lebens, in denen diese Stille erfahrbar wird und ihre menschenfreundliche Macht entfalten kann. Sie kann als einzige immun machen schon gegen alle unscheinbaren Anfänge des Wahnsinns“, so Bischof Wiesemann.

„Erst in der Stille wächst der Respekt vor der Verantwortung. Nur in der Stille entsteht der Raum des echten Zuhörens, Wahrnehmens, Mitfühlens“, das gelte für einen respektvollen Dialog, wie er über die Synodalität in der katholischen Kirche geführt werde. Es sei aber auch für die allgemeine demokratische Kultur entscheidend – „Der Faschismus, der sich in unserer heutigen Welt wieder nicht nur bei uns, sondern weltweit, in unterschiedlichen Spielarten breitmacht, hat immer etwas Lautes, unsensibel Lärmendes, Machtergreifendes“, so Wiesemann.

„Weihnachten wirkt wie ein Gegengift zur Machtvergiftung unserer Zeit. In dieser Stille wächst die Hoffnung, die wir so dringend brauchen“, fasst Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann seine Worte zusammen. Diese Stille sei nicht nur eine Pause von der Hektik des Lebens, sondern ein Ausdruck der Liebe Gottes, die zu allen Menschen spreche. So entstehe Raum für echte Kommunikation und gegenseitiges Verständnis. „Weihnachten ist mit dem Kind von Bethlehem eine lebensbegleitende Einübung in Menschlichkeit, Herz, Mitgefühl und Solidarität.“

Der Gottesdienst wurde von der Dommusik gestaltet. Die Orgel wurde von Domorganist Markus Eichenlaub gespielt. red/bas

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Autor:

Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen

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