Rücktritt im Bistum Speyer: Wiesemanns Reformkurs bleibt
- Wiesemann war der 96. Bischof von Speyer. (Archivbild)
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Speyer. Für viele Katholiken in der Pfalz endet mit dem Rücktritt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann eine Phase, in der Reformfragen und Aufarbeitung im Bistum Speyer besonders sichtbar waren. Der 66-Jährige galt als Kirchenmann, der Veränderungen nicht als Bedrohung verstand, sondern als Antwort auf eine veränderte Gesellschaft.
Reformen als Frage der Glaubwürdigkeit
Wiesemann warb immer wieder für Reformen in der katholischen Kirche. Bei der Frage nach dem Diakonat für Frauen sagte er nach dpa-Angaben, die theologischen Argumente dagegen seien „schon sehr schmal“. Aus seiner Sicht verliere die Kirche ganze Generationen junger, engagierter und theologisch kompetenter Frauen.
Auch beim Zölibat zeigte sich der Speyerer Bischof offen für Veränderungen. Ehelosigkeit könne ein hohes Gut sein. Sie müsse aber nicht zwingend für alle gelten. Auch Verheirateten sollte nach seiner Auffassung der Weg zum Priestertum offenstehen.
Kirche soll im Alltag relevant bleiben
Wiesemann sah die katholische Kirche in einem tiefgreifenden Umbruch. Die Säkularisierung habe dazu geführt, dass der Glaube im Alltag vieler Menschen kaum noch eine Rolle spiele. Gerade deshalb hielt er Kirche weiter für wichtig: als Ort für Trost, Ruhe und Orientierung.
Sein Maßstab war nach eigenen Worten die Lebensrelevanz des Glaubens. Traditionen allein reichten aus seiner Sicht nicht. Die Kirche müsse gesellschaftliche Veränderungen stärker wahrnehmen und ihre Botschaft so vermitteln, dass sie im Leben der Menschen wieder ankomme.
Klare Worte zur Missbrauchsaufarbeitung
Besonders deutlich äußerte sich Wiesemann nach der Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer. Er forderte eine schonungslose Aufarbeitung und einen umfassenden Kulturwandel. Einen Schlussstrich unter das Thema könne und dürfe es nicht geben, sagte er mehrfach.
Zugleich räumte er eigenes Versagen ein. Das Ausmaß habe er lange nicht erkannt. „Dafür schäme ich mich persönlich“, sagte Wiesemann. Beim Lesen der mehr als 470 Seiten starken Untersuchung sei er immer wieder ins Stocken geraten. Die Strukturen der Kirche hätten den Missbrauch maßgeblich begünstigt.
Menschlichkeit als politischer Maßstab
Auch in gesellschaftspolitischen Debatten suchte Wiesemann meist differenzierte Positionen. In der Migrationsdebatte warnte er vor einer Zusammenarbeit mit extremistischen Positionen und pochte auf Humanität.
Zum Ukraine-Krieg betonte er das Recht auf Selbstverteidigung. Waffen allein seien aber keine Lösung. Das Ziel müsse ein würdiger Frieden bleiben und am Ende wieder Gespräch möglich werden.
Rückzug nach gesundheitlicher Belastung
Abseits der großen Debatten sprach Wiesemann auch offen über persönliche Krisen. Eine siebenmonatige Auszeit nach gesundheitlicher Belastung beschrieb er rückblickend als lehrreich. Er habe gelernt, dass nicht alles kontrollierbar sei und wie wichtig Familie, Freunde und Begegnungen mit anderen Menschen in Krisen seien.
Wenn der Tag spät endete, setzte er sich nach eigenen Worten manchmal an den Flügel und spielte Schubert, Bach oder Debussy. Oft improvisierte er. Das sei für ihn ein wichtiger Moment gewesen, um Freude und Frust zu verarbeiten. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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