Mikroplastik Ein globales Problem und eine Lösung aus einer Denkfabrik aus der Region
Begeisternder Vortrag im Cura Center

Am Mittwoch, dem 4. September 2019, lud der Verein der Freunde und Förderer der Rucksackschule Speyer e. V. zu einem Vortrag von Dr. Katrin Schuhen in das Cura Center Speyer ein

Volker Westermann, Leiter der Rucksackschule und Dr. Maria Montero-Muth, Vorsitzende des Fördervereines der Rucksackschule, konnten eine erfreulich große Anzahl von Zuhörern im Foyer des Cura-Centers Speyer begrüßen, darunter auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, Ortsbürgermeisterin Monika Kabs und Wolfgang Bühring, Geschäftsführer der Stadtwerke Speyer.
Gespannt erwarteten alle Anwesenden die Referentin des Abends, Dr. Katrin Schuhen, die mit ihrem Team von Wasser 3.0 ein aufsehenderregend einfaches Konzept zur Entfernung von Mikroplastikpartikeln aus Wasser entwickelt hat.

Im ersten Teil ihres Vortrags skizzierte die Wissenschaftlerin die ökologischen Auswirkungen der zunehmenden Belastung unseres Wassers durch die für das Auge unsichtbaren Mikroplastikpartikel, die über die Nahrungskette bis in den menschlichen Körper gelangen können. Diese sogenannten "inerten organisch-chemischen Stressoren" verweilen sehr lange im Ökosystem und richten dort Schäden in einer Größenordnung an, deren mögliche Auswirkungen Anlass zu wachsender Besorgnis sind.

Ohne negativierendes Kunststoff-bashing beleuchtet Dr. Schuhen die gesicherte Tatsache, dass die zunehmende Verwendung von Kunststoffen in Industrie und privaten Haushalten eine weltweite Bedrohung der Ressource Wasser darstellt, die auch an kommende Generationen weitergegeben wird.

Mikroplastik entsteht in hohem Maße durch Abrieb und Verwitterung in der Nutzungs-und Entsorgungsphase von Kunststoffprodukten. Jedes Jahr landen fast 10 000 Tonnen Mikroplastik auf unseren Äckern, in unseren Flüssen, in unserem Trinkwasser. Tendenz steigend. 2014/15 wurden im Eis der Arktis die ersten polymeren Spuren menschlicher Zivilisation entdeckt.

Durch den Verzicht auf Plastiktüten, Coffee-to-go-Becher, Kinderspielzeug aus Plastik, Verwendung von Kunststoffverpackungen jeder Art lässt sich das Aufkommen von Mikroplastikpartikeln sicherlich nach und nach verringern, ein völliger Verzicht auf den Werkstoff ist jedoch undenkbar. Das Grundproblem der Wasserverunreinigung durch Mikroplastik und deren Beseitigung bleibt auf lange Sicht erhalten.

Hier setzt das Konzept von Wasser 3.0 an. Im zweiten Teil ihres Vortrags zeigt Dr. Schuhen, wie sie mit Fachkompetenz, Erfindungsgeist, viel Herzblut und wissenschaftlicher Hartnäckigkeit zusammen mit ihrem Team eine praktikable Lösung für den "Tatort" Kläranlage entwickelt hat.

Die Forschergruppe setzte auf "Bindung". Das Endprodukt der Arbeiten war ein flüssiges Hybridkieselgel, das biologisch abbaubar und vollkommen ungiftig ist und die Eigenschaften eines Klebers hat. Damit war das Ziel "aus klein mach groß" erreicht.
Durch Zugabe von PE-X werden die Mikroplastikpartikel zum Verklumpen gebracht, treiben im Wasser auf und können mit einem einfachen Filtern aufgefischt werden. Damit nicht genug. Da Dr. Schuhen etwas gegen das "Buddeln von Löchern" hat, wird die Anlage in mobile Container eingebaut, die, je nach Standort und Wassermenge, individuelle Lösungen für die 4+ Reinigungsstufe in der Kläranlage bieten. Bei großem Bedarf lassen sich die Container auch stapeln.
https://blog.uni-koblenz-landau.de/sauberes-abwasser-durch-hybridkiselgele/

Das Pilotprojekt wurde erfolgreich abgeschlossen, die Daten sind derzeit in der Auswertung. In einem nächsten Schritt wird bereits nach einer wirtschaftlich sinnvollen Verwendung der "Partikelbälle" gesucht.

Wer die engagierte junge Wissenschaftlerin in der Interaktion mit ihrem Publikum erlebt, erkennt, dass es ihr mit der Firmengründung von Wasser 3.0 und ihrem Forschungsprojekt nicht vorrangig um wirtschaftliches Eigeninteresse geht. Umweltverantwortung sind für die Chemikerin und zertifizierte Gesundheitspädagogin keine leere Floskel, sondern ein persönliches Anliegen und ein gesellschaftlicher Auftrag.

Bleibt nur zu hoffen, dass das neue Verfahren die entsprechende Aufmerksamkeit bei den zuständigen Behörden und Institutionen erhält, damit der blaue Container bald bei vielen Kläranlagen "einparken" kann. Das Team von Wasser 3.0 ist optimistisch.
Gute Ideen setzen sich am Ende meistens durch.

In der Pause konnten bei einem Gläschen Pfälzer Wein und leckeren Tapas anregende Gespräche geführt werden und der Verein gewann an diesem herrlichen Sommerabend durch seine überzeugende Arbeit viele neue Mitglieder.

(Petra Gosewinkel)

Autor:

Volker Westermann aus Speyer

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