Szenen einer Ehe
Briefwechsel Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta
- Prinz Wilhelm (I.) von Preußen mit seiner Frau Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Lithographie um 1830
- Foto: Unbekannt (1830)
- hochgeladen von Ute Bahrs
Augusta und Wilhelm I. von Preußen 1857-71. Die digitale Edition einer einzigartigen Korrespondenz
Der Vortrag von Prof. Dr. Christian Jansen (Trier) präsentiert die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte digitale Edition der Korrespondenz des preußischen Kronprinzen, Regenten, Königs und schließlich deutschen Kaisers Wilhelm I. (1797-1888) und seiner Frau Augusta (1811-1890), die aus Sachsen-Weimar stammte.
Die hoch gebildete Prinzessin, die sich politisch an der britischen parlamentarischen Monarchie orientierte, und der seit seiner Kindheit zum Militär erzogene Wilhelm, der mit 16 an den Kriegen gegen Napoleon teilgenommen hatte, sich 1848 als „Kartätschenprinz“ einen zweifelhaften Ruf erwarb, aber seit 1849 die Zusammenarbeit mit dem Nationalismus suchte, waren ein ungleiches Paar. Außerdem entsprang ihre Ehe dynastischer Rationalität und nicht der Liebe. Wilhelm hatte zeitlebens zahllose Affären, weshalb es Augusta vorzog, möglichst in einem anderen Schloss zu leben als er. Dennoch war ihre Beziehung von hohen Respekt geprägt. Vor allem verstanden sie sich gemeinsam als Amtsehepaar. Augusta sah sich als erste Beraterin ihres Mannes, und dieser bezog sie in fast alle politischen Entscheidungen ein.
Für die historische Forschung ist diese besondere Ehe ein Glücksfall. Denn so sind 5.800 Briefe überliefert, die die beiden einander fast täglich schrieben und die neben Familienangelegenheit und Berichten über alltägliche Begebenheiten alle politisch relevanten Ereignisse reflektierten. Erstaunlicherweise wurden diese Quellen kaum benutzt, obwohl sie eine wertvolle Gegenüberlieferung zu der weitgehend auf Bismarcks Werken und Erinnerungen basierende Geschichte der Reichsgründung darstellen. Ein Grund war die schwer lesbare Handschrift Wilhelms.
An der Universität Trier wird die Korrespondenz seit zwei Jahren editiert. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse vor und informiert über die Möglichkeiten und Grenzen einer digitalen Edition im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
Zur Biografie von Prof. Dr. Christian Jansen:
Nach einem Studium der Geschichte und Mathematik und einigen Jahren in einem Druckereikollektiv wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Heidelberg (H. Soell; Promotion 1989) und Bochum (H Mommsen, Habilitation 1998). Anschließend viele Jahre auf befristeten Professuren in Konstanz, Bochum, Jerusalem, Berlin und Münster. Seit Oktober 2013 Inhaber der W3-Professur für Neuere Geschichte (Schwerpunkt 19. Jahrhundert) an der Universität Trier. Seit 2022 berentet und freiberuflicher Historiker.
Autor:Ute Bahrs aus Speyer |
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