"Simmeliere" in der Kirche: "Saach-blooß"-Autor Michael Konrad liest in Harthausen
- Autor Michael Konrad „simmeliert“ zur Abwechslung live in der katholischen Kirche in Harthausen
- Foto: Leah Sophie Roth/gratis
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Harthausen. Woche für Woche „dischbediert“ und „simmeliert“ Michael Konrad in der Rheinpfalz am Sonntag über das Alltagsleben und die schwierigen Fragen des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Er tut das so meisterhaft, dass wir Landsleute uns dabei immer wieder selbst erkennen. Oft lernen wir bei der Lektüre dazu, regelmäßig müssen wir über uns selbst lachen. Manchmal lässt uns die (Selbst-)Erkenntnis sogar schamhaft erröten.
Der 59 Jahre alte Autor und Redakteur aus der Südpfalz kommt in seiner Sonntagskolumne „Ich mään jo blooß“ seit 2007 immer auf den Punkt. Nebenbei setzt er seiner „Muddersprooch“ in den Texten ein Denkmal. „Iwwerschwang“ und „Babbeldrang“ des Pfälzers werden ebenso seziert wie der anerkannt grandiose Minimalismus des Dialekts, der in Worten wie „Unn, wie?“ oder „Jo alla!“ die ganze Welt und die eigene Befindlichkeit erfasst.
In seiner Dialektforschungsserie „Saach blooß“ breitet er schon seit 2002 den Reichtum pfälzischer Sprachnuancen aus, erklärt Herkunft und Wandel des schönen Idioms und spießt auf diesem Weg ironisch wie selbstironisch Pfälzer Eigenheiten auf.
Für seine Arbeit hat Konrad 2018 die Hermann-Sinsheimer-Plakette der Stadt Freinsheim erhalten, die an den in Freinsheim geborenen jüdischen Schriftsteller, Theaterkritiker und Journalisten erinnert. Die Ehrung zeichnet weniger den Literaten aus. In erster Linie werden die Träger wegen ihrer Verdienste um die Literatur gewürdigt.
In seinen Texten ist Konrad übrigens brandaktuell. Das beweist er regelmäßig bei seinen Live-Auftritten, wie demnächst in Harthausen. So hat seine „Dannde Liesel“ natürlich schon einen Plan, falls der aktuelle US-Präsident mit Pfälzer Wurzeln bald die Pfalz besuchen sollte: Die Erbtante wird sich mit schwerstem Gerät an einem ikonischen Pfälzer Bauwerk festketten. Wo genau und vor allem, welche dramatischen Folgen das für den Zeitungsmann und Erbneffen nach sich ziehen dürfte, erläutert der Autor am Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr, in der Katholischen Kirche in Harthausen. Auf Einladung des Kultur- und Heimatvereins in Harthausen stellt er dort ein neues Programm aus seinen Kolumnen und seiner Dialektserie vor.
Natürlich mit dabei: „Die Mitbewohnerin“, die mit dem Autor nur noch per gelben Notizzetteln auf dem Wäschekorb kommuniziert, „de Kumbel Fred“, der mithilfe eines Pudels namens „Siri“ fremde Handys lahmlegt, und natürlich, der Pfälzer Privatdetektiv Dschonni Rapunzel. Ein vergnüglicher Sonntagnachmittag mitten aus unser aller Lebensdurchgwurschdel ist garantiert. Karten gibt es bei Marlies Denne unter 06344 5746. Text: Stefan Keller
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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