Neue Initiative von IHK und Marketingverein Pirmasens
"Lokal einkaufen" heißt jetzt "Heimat shoppen"

Die verkaufsoffenen Sonntag ziehen stets Menschenmassen in die Pirmasenser City. Foto: Kling
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  • hochgeladen von Andrea Kling

Pirmasens. Die Zukunft der Innenstädte steht auf dem Spiel. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn sollte der stationäre Handel „sterben“, dann veröden die Kerngebiete. Schon 2016 hatte das Wochenblatt Pirmasens mit der bundesweit laufenden BVDA-Initiative die Vorzüge der Dienstleistungsunternehmen vor Ort hervorgehoben. Jetzt starten IHK und Marketingverein am 7. und 8. September mit den Aktionstagen „Heimat shoppen“ eine Kampagne gegen den zunehmenden Konsum im Netz.
Einkaufen im Netz, direkt vom Sofa aus ohne lästige Parkplatzsuche und unnötigen Aufwand, einfach per Klick das gewünschte It-Piece in den Einkaufskorb befördern und einen Tag später mit der Ware beglückt werden. So wird heute eingekauft, von den Schuhen über die Bekleidung, die Lebensmittel, Kosmetik, Elektrogeräte, Zubehörteile bis zu den unterschiedlichsten Medikamenten. Fast alle Lebensbereiche können dank Internetverbindung abgedeckt werden. Hinzu kommt der Zeitfaktor, denn die Tage sind bei den meisten Menschen durchgetaktet, kaum eine Minute, die nicht mit Action gefüllt ist.
Darunter leiden die Geschäftsleute in der Innenstadt, die auch auf Laufkundschaft angewiesen ist. Noch gibt es viele Verbraucher, die ihrem Händler die Treue halten, doch diese Zahl nimmt rapide ab. Die Unternehmen spüren den Umsatzrückgang, der so manchen Ladenbesitzer in Existenzangst versetzt. Das Ende vom Lied: Der stationäre Handel schrumpft, es kommen noch weniger Kunden in die City und auch die Gastronomie verlagert ihren Standort entweder in belebtere Stadtteile oder schließt das Lokal ganz. Die Folge sind in immer mehr Städten „verödete“ Kerngebiete.
Schon vor drei Jahren hatte der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) auf diese Problematik hingewiesen und die Kampagne „Lokal einkaufen“ gestartet, um in der Bevölkerung ein Bewusstsein zu schaffen, dass jeder seinen Beitrag zum Überleben der einheimischen Geschäftswelt beitragen kann.
In diese Kerbe haut nun auch die Kammer und ruft zur Teilnahme an den Aktionstagen auf. Die „Angst vor ein ungebremsten Entwicklung“ treibe auch den Handelsverband um, so der regionale Vorsitzende Erich Weiss. Zwar gehören Marketingstrategien nicht zu den Aufgaben dieser Institution, doch die Gründe, sich in diesem Bereich stark zu machen, „sind gewichtig“. Anhand der negativen Beispiele aus den USA, wo der Einzelhandel in den Innenstädten bereits ausgestorben ist und große Shoppingmals in Randgebieten den Reibach machen, weist der Pirmasenser auf die „Dringlichkeit“ der Maßnahme hin. „Wenn die Geschäfte erst weg sind, kommen keine mehr nach“, orakelt Weis.
Marketingexperte Rolf Schlicher spricht bei dieser Aktion von einem „Impuls“, der weitreichende Folgen haben sollte. Deshalb sei es ganz wichtig, die Einzelhändler mit ins Boot zu nehmen. „Sie verfügen über Serviceleistungen wie fachliche Beratung vor dem Kauf oder seniorenfreundliche Ausstattung, die es im Internet nicht gibt“. Dies müsse immer wieder kommuniziert werden, denn alle Vorteile für den Kunden machen die Lage der Geschäfte in der City attraktiv für die Bürger. „Der Besuch des stationären Handels muss für den Verbraucher auch als Kommunikationstreffpunkt wertvoll sein“. Schlicher ist überzeugt, dass die Aktion „Heimat shoppen“ in das Gesamtpaket der Stadt passt, eine positive Entwicklung des Kerngebietes voranzutreiben: „Vielleicht gelingt es uns damit, auch den einen oder anderen Filialisten zu gewinnen“, meint der Marketingexperte.
In Kooperation mit den Händlern, die am 8. August über die Initiative informiert werden, soll eine Strategie erarbeitet werden, um den Aspekt „lokal einkaufen“ oder „Heimat shoppen“ in den Köpfen der Verbraucher zu verankern. Dazu seien aber auch Eigeninitiativen der Geschäftsleute notwendig.
Wie nachhaltig sich die Aktion eventuell auswirkt, zeigt sich eine Woche später beim „verkaufsoffenen Sonntag“ am 16. September im Rahmen des traditionellen „Exefestes“ in Pirmasens. In deutschen Städten, die bereits als Vorreiter fungierten, habe man „gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Erich Weiss, der auch auf die Mithilfe der Medien hofft. (ak)

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