Begegnungszentrum in Pirmasens steht allen offen
Wie ein "Mittendrin" Gemeinschaft fördert

Sind "mittendrin": Timo Arnold, Sigrun Mann, Yvonne Leipold und Pfarrer Wolfdietrich Rasp (von links). Foto: Kling
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Pirmasens. Menschen aller Nationalitäten, jung oder alt, beladen mit vielen Problemen oder einsam – sie alle sollen Gemeinschaft erleben. Möglich macht das ein Projekt der Diakonie Pfalz, das auf zwei Jahre angelegt und „Mittendrin“ (so der Name der Anlaufstelle) in Pirmasens ist. Das Begegnungszentrum in der Hauptstraße 80 sei „eine Plattform, wo Asylsuchende ebenso andocken können, wie Senioren oder Sozialhilfeempfänger“, formuliert Pfarrer Wolfdietrich Rasp von der Lutherkirchengemeinde die Intension dieser Gemeinwesen orientierten Einrichtung.
Die Tür des „Mittendrin“ steht jedem offen, das ist wörtlich zu nehmen. Bei einer kostenlosen Tasse Kaffee besteht die Möglichkeit, über seine Sorgen zu reden, sich Rat bei Behördengängen zu holen, einfach mal mit jemandem ins Gespräch zu kommen oder an einem der unterschiedlichen Freizeitangeboten teilzunehmen. Das Bestreben sei, „möglichst viele mit ins Boot zu nehmen“, so Rasp. Willkommen sind Migranten ebenso wie die Pirmasenser selbst. Insbesondere die älteren werden große Augen machen, wenn sie das Zentrum betreten: Hier hängen Bilder von Alt-Bärmesens wie es heute nicht mehr existiert. Auf Vermittlung von Albert Gomille vom Haus der Diakonie, der für das „Mittendrin“ zuständig ist, stellte das Stadtarchiv diese historische Foto-Ausstellung zur Verfügung, die mit einem Quiz verbunden ist. Noch bis Ende des Monats kann tief eingetaucht werden, in die architektonische Geschichte der Horebstadt.
Den Standort in der Hauptstraße 80 – hier war einst das Haushaltswarengeschäft Hofer beheimatet – hat man bewusst gewählt, so Timo Arnold vom Haus der Diakonie und zuständig für die Flüchtlingshilfe, denn hier sei einer der sozialen Brennpunkte: „Da muss was passieren“. Ein Beispiel für die Überforderung der Kommune durch die große Anzahl an Asylsuchenden sei die Kita der Lutherkirche, sagt Pfarrer Rasp. Hier werden fast mehr Flüchtlingskinder, als einheimische Jungen und Mädchen betreut. Um die Erzieherinnen, die wegen der großen Probleme eine zusätzliche Kraft bewilligt bekamen, etwas zu entlasten, habe man die Gruppen schon zum gemeinsamen Frühstück ins „Mittendrin“ eingeladen, so Praktikantin Yvonne Leipold, die Pflegepädagogik studiert und in Pirmasens bereits viele Erfahrungen in der Sozialarbeit gemacht hat.
Neben dem hauptamtlichen Team, zu dem seit 1. August auch Sozialarbeiterin Hannah Neu (mit einer halben Stelle) gehört, sind im Begegnungszentrum auch ehrenamtliche Helfer tätig. Sigrun Mann, deren Familie seit 500 Jahren hier lebt, bringt sich seit Anfang an in das Projekt ein. Im „Erzählcafé“ treffen sich in der Regel zwischen acht und zehn Leute jeden Donnerstag von 10 bis 12 Uhr, darunter auch „einige Stammgäste“. Gemeinsam mit Albert Gomille will Sigrun Mann in einer lockeren Atmosphäre mit den Besuchern bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch kommen: „Das hat sich gleich gut angelassen, die Menschen reden über ihre Probleme, denn meist sind es Rentner und Senioren, die von diesem Angebot Gebrauch machen“. Besonders erfreut ist Sigrun Mann auch über Eigeninitiativen, etwa von Ewald Mayer, der seine Gedichte vorliest. „Auf seine Anregung hin haben wir auch mal gemeinsam Mohnstrudel nach dem Rezept seiner rumänischen Großmutter gebacken“, erzählt sie.
Es gibt viele Pirmasenser, die sich bei dieser Initiative einbringen wollen und ihre Fähigkeiten in den Dienst der guten Sache stellen. Deshalb bietet das „Mittendrin“ auch „Bo Jitsu“ zur Fitness und Selbstverteidigung oder den kostenlosen Kurs „Ich tue mir was Gutes“ zur Inspiration und zur Unterstützung an. Beim monatlichen Nachbarschaftstreff sollen Geschäftsleute und Bürger die soziokulturelle Entwicklung ihres Stadtteils zu diskutieren. Angeboten werden auch Spielenachmittage und Gitarrenunterricht.
Timo Arnold, der jeden Dienstag von 13.30 bis 16 Uhr eine Sozialberatung für jeden und donnerstags von 13.30 bis 16 Uhr eine „offene Sprechstunde“ durchführt, sieht sich als Verbindungsglied zwischen Bürgern und Migranten auf der einen und Ämter, Beratungsstellen, Ärzten und Behörden auf der anderen Seite.
Das „Mittendrin“ als Einrichtung der Diakonie Pfalz ist auf zwei Jahre begrenzt und wird vom Land mit 140.000 Euro bezuschusst: „Diese Summe muss alle Unkosten wie Miete, Personal usw. abdecken“, erläutert Pfarrer Wolfdietrich Rasp, der allerdings hofft, dass danach nicht Schluss ist: „Das Zentrum wird gut angenommen. Außerdem haben wir schon Anfragen von Geschäftsleuten, die sich an unseren Veranstaltungen beteiligen wollen“. Sigrun Mann bringt es auf den Punkt: „Seit diese Anlaufstelle in der oberen Hauptstraße geschaffen wurde, ist es in diesem Bereich der Fußgängerzone schon viel lebendiger geworden“. Zuvor hatten ansässige Unternehmen, aber auch Anwohner geklagt, dass hier überhaupt nichts los sei.
Die Öffnungszeiten des Begegnungszentrums für alle sind montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 und freitags von 9 bis 12 Uhr. (ak)

Sind "mittendrin": Timo Arnold, Sigrun Mann, Yvonne Leipold und Pfarrer Wolfdietrich Rasp (von links). Foto: Kling
Bilder von "Alt-Bärmesens" sind im Begegnungszentrum zu sehen. Foto: Kling

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