„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“
- Erich Weiss (links) hielt einen Vortrag zur Situation des Einzelhandels in Pirmasens. Heini Ehrlich (rechts) organisiert die Vortragsreihe und die monatlich stattfindenden Seniorentreffen im Gersbacher Sportheim.
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Von Frank Schäfer
Pirmasens. Beim Gersbacher Seniorentreff am 9. April war Erich Weiss zu Gast und hielt einen Vortrag zur Situation des Einzelhandels in Pirmasens.
„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ - das Zitat von Friedrich Schiller gelte auch für den Einzelhandel, betonte Erich Weiss, der Vorsitzende des Pirmasenser Einzelhandelsverbands. „Der Handel als solcher steht nicht schlecht da“, erklärt Weiss und verweist dabei auf die großen Discounter wie ALDI, LIDL, NETTO und Kaufland. „Was sehr schlecht da steht, ist das inhabergeführte Fachgeschäft. Der Handel lebt nun mal von der Nachfrage. Das Angebot war mal da, aber irgendwann sind die Leute nicht mehr in die Läden gegangen. Die Menschen decken ihre Bedarfe heute auf andere Art und Weise. Ich möchte nicht den Untergang des Abendlandes prophezeien. Handel wird es immer geben. Nur den Handel, den wir mal kannten, wird es in dieser Form nicht mehr geben. Das muss man akzeptieren. Die Zeiten, so wie sie mal waren, werden nicht wiederkommen. Man muss heute versuchen, das Bestmögliche aus der Situation zu machen.“
Als Segen für die Stadt und für den Pirmasenser Einzelhandel bezeichnete Erich Weiss die Jugendherberge in der Schützenstraße. Mit mehr als 16.000 Gästen und rund 35.000 Übernachtungen pro Jahr leistet die Jugendherberge einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Stadt. „Die Stadtverwaltung gibt sich wirklich Mühe, den Einzelhandel zu unterstützen, denn es geht nur miteinander. In dieser Hinsicht sind wir in Pirmasens mit dem Stadtmarketing und der City-Managerin Nelia Knerr gut aufgestellt“, betont Erich Weiss.
Die Krise des Einzelhandels ist aber kein spezifisches Problem von Pirmasens. Diese Probleme gibt es auch in anderen Städten.
Besserung ist nicht in Sicht
Der Handelsverband Deutschland prognostiziert bundesweit einen Verlust von 4.900 Geschäften im Jahr 2026.„Seit zehn Jahren verlieren wir in Deutschland jährlich mindestens 4.500 Geschäfte oder mehr“, berichtet HDE-Präsident Alexander von Preen. Während der Corona-Jahre habe der Wert teilweise sogar bei über 11.000 gelegen. „Viele Innenstädte leiden heute schon sichtlich unter Leerständen, Besserung scheint bei den Zahlen der letzten Jahre nicht in Sicht“, so der HDE-Präsident, Hauptprobleme sind das veränderte Kaufverhalten der Kunden (Internet-Kauf), hohe Fixkosten (Mieten und Stromkosten) sowie Kaufzurückhaltung durch gestiegene Preise. Hinzu kommen Fachkräftemangel, Lieferengpässe und Ladendiebstähle, die die Branche zusätzlich belasten. Die Umsatzrenditen sind gering, was viele Händler in die Verlustzone bringt. Viele Geschäfte schließen, weil sich kein Nachfolger findet oder weil die Inhaber keine Perspektive mehr sehen. Die Krise betrifft besonders den Mittelstand und führt zu einer dauerhaften Veränderung der Innenstädte.
Wie Erich Weiss mitteilte, wird seine Amtszeit als Vorsitzender des Pirmasenser Einzelhandelsverbands zum Jahresende nach über 40 Jahren enden. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.
Autor:Frank Schäfer aus Pirmasens |
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