Käthe Dassler
Stadtarchiv Pirmasens und Schule gehen auf Spurensuche

Ihr Charme, ihre Warmherzigkeit und ihre Weltoffenheit waren so legendär wie Pfälzer Hausmannskost: Käthe Dassler (rechts). Das undatierte Foto zeigt „die Chefin“, wie sie von der Belegschaft respektvoll genannt wird, bei einem Besuch des Adidas-Werks in Wallhalben.
  • Ihr Charme, ihre Warmherzigkeit und ihre Weltoffenheit waren so legendär wie Pfälzer Hausmannskost: Käthe Dassler (rechts). Das undatierte Foto zeigt „die Chefin“, wie sie von der Belegschaft respektvoll genannt wird, bei einem Besuch des Adidas-Werks in Wallhalben.
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Pirmasens. Die Realschule Plus Kirchberg wird ab Sommer den Namen der in Pirmasens geborenen Adidas-Mitbegründerin Käthe Dassler tragen. Mit der Umbenennung soll die eindrucksvolle Lebensleistung der 1984 verstorbenen Unternehmerin gewürdigt werden. Schule und Stadtarchiv suchen Zeitzeugen, Dokumente und Leihgaben für eine (virtuelle) Ausstellung zu Leben und Wirken der „Grande Dame“ der internationalen Sportartikel-Industrie.

An der Seite ihres Mannes begleitete Käthe Dassler den Aufstieg der Marke Adidas von der Neugründung im Jahr 1949 bis hin zur Weltmarktführerschaft. Unter ihrer Ägide wuchs der Umsatz bis Mitte der Achtzigerjahre auf 3,7 Milliarden Mark. In den damals 17 Fabriken, darunter die Werke in Wallhalben mit 540 Beschäftigte, Hettenhausen mit 200 und im französischen Dettwiller mit 500, wurden täglich 280.000 Paar Schuhe produziert.

In zwei Projektwochen gehen die Realschüler auf Spurensuche. Entstehen sollen unter anderem ein digitaler Stadtrundgang sowie Zeitzeugen-Interviews. Außerdem sollen die vielfältigen wirtschaftlichen Verflechtungen des Weltkonzerns Adidas mit der deutschen Schuhmetropole Pirmasens aufgezeigt werden. Das beginnt bei der Firma Brill in der Blumenstraße, die einst die legendären Zackenbändern lieferte, reicht über das Chemie-Unternehmen Jakob Keck, das die Siebdruckfarben für Adidas-Fußbälle entwickelte bis hin zur Framas-Gruppe, die bis auf den heutigen Tag die Entwicklung innovativer Sportschuhe mit ihrem Know-how für Schuhkomponenten eng begleitet und als Zulieferer funiert.

Auch die Firmengeschichte von Adidas in der Südwestpfalz soll innerhalb der Ausstellung beleuchtet werden. In Wallhalben betrieb das Unternehmen mit Stammsitz im fränkischen Herzogenaurach ab den Sechzigerjahren ein Werk mit rund 600 Mitarbeitern. Täglich wurde 2.500 Paar Adiletten und 5.000 Paar Sportschuhe produziert. Später expandierte Adidas nach Hettenhausen. Dort übernahm der Sportartikelhersteller die frühere Schuhfabrik Mattil und beschäftigte im Zweigwerk weitere 200 Stepperinnen.
Das Stadtarchiv sucht Zeitzeugen, die bei Adidas in Wallhalben oder Hettenhausen gearbeitet haben, sich an legendäre Betriebsfest oder Ausflüge mit der Belegschaft erinnern, vielleicht sogar Adi oder Käthe Dassler persönlich begegnet sind. Wer kann mit Fotos oder Super-Acht-Aufnahmen dienen? Wer ist im Besitz von Zeitungsausschnitten, die den Protest der Belegschaft nach den angekündigten Werksschließungen dokumentieren?

Gefragt sind außerdem Zeitdokumente von etwa 1915 bis 1990, die belegen, wie sich Pirmasens verändert hat, dazu sind alte Postkarten, Bild- und Tondokumente.

„Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung. Helfen Sie uns, ein Stück bewegter Schuhgeschichte zu beleuchten und für die Nachwelt zu erhalten“, hofft Stadtarchivarin Heike Wittmer auf interessante Begegnungen und Schätze. Sie ist unter der Telefonnummer 06331 842832 oder per E-Mail an archiv@pirmasens.de zu erreichen. ps

Zur Person:

Käthe Dassler − „Die Chefin“ aus Pirmasens

Die Firmen- und Familiengeschichte der Firma Adidas ist eng mit Pirmasens verknüpft. Als ältestes von sechs Kindern der Familie Martz erblickte Katharina Maria am 17. Juli 1917 in Pirmasens das Licht der Welt. Adolf Dassler lernte sie 1932 kennen. Damals hatte der Franke seinen ersten spikebesetzten Laufschuh gefertigt und zusammen mit seinem Bruder Rudolf am 1. Juli 1924 eine eigene Firma gegründet. Aber Adi wusste: Ohne perfekten Leisten kein perfekter Schuh. Um sein Wissen zu vertiefen, schrieb er sich 1932 an der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens ein, jener renommierten Einrichtung, wo Käthes Vater Franz unterrichtete. In dessen Leistenwerkstatt holte sich der Sportschuhpionier aus Herzogenaurach den letzten Schliff und fand sein persönliches Glück.

Jesse Owens in Dassler-Schuhen

Auch wenn die Eltern zunächst gegen die Liaison waren, Käthe und Adi wurden ein Paar und schlossen am 17. März 1934 im Pirmasenser Standesamt den Bund fürs Leben. Zurück in Franken übernahm die Pirmasenserin erste Aufgaben in der Schuhfabrik Gebrüder Dassler (GeDa). Es waren die Pionierjahre, die Zeit vor den Olympischen Spielen in Berlin, in deren Umfeld die ungleichen Brüder mit ihrer gemeinsamen Schuhfabrik die ersten großen Erfolge feiern können. Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens holte damals in Dassler-Schuhen mehrere Goldmedaillen, was den Brüdern von den Nazis sehr übelgenommen wurde. „Käthe“ ist nicht nur Adis große Liebe, sondern auch ein idealer Teamplayer.

Schwester Marianne als große Stütze

Als starke junge Frau hielt sie ihrem Mann den Rücken frei. Trotz ihrer Kontaktfreudigkeit hatte die junge Pfälzerin anfänglich Schwierigkeiten, ihren Platz in der konservativen Familie zu finden. Eine große Stütze an Käthes Seite war ihre Schwester Marianne Hoffmann, die 1952 in die Firma eintrat und später 33 Jahre als Prokuristin wirkte. Die beiden Frauen kümmern sich gemeinsam um die wachsende Familie. Nach dem erstgeborenen Sohn Horst folgen die Töchter Ingeborg, Karin, Brigitte und Sigrid.

Erste Kontakte zu Spitzensportlern

Nach dem Krieg trennten sich die Wege der Brüder. 1948 gründet Rudolf die Firma Puma, Adi geht mit Adidas seinen Weg. Käthe sorgte dafür, dass ihm der notwendige Freiraum für sein kreatives Schaffen blieb. Bis zu seinem Tod am 6. September 1978 hatte der besessene Tüftler und „Schuhprofessor“ mehr als 700 Patente und Gebrauchsmuster angemeldet. Unterdessen knüpfte Käthe Dassler erste Kontakte zu Sportlern, den wichtigsten Werbeträgern der Drei-Streifen-Marke.

Legendärer „Pälzer Quetschekuche“

Ihr Charme, ihre Warmherzigkeit und ihre Weltoffenheit waren bald so legendär wie der „Pälzer Quetschekuche“ der fünffachen Mutter. „Die Chefin“, wie sie von der Belegschaft gerne genannt wurde, war die Seele des Betriebs, deren Rat und Erfahrung geschätzt wurde. Ihre Führungsqualitäten rückten aber erst mit dem Tode ihres Gatten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Ab 1978 verantwortete sie als geschäftsführende Gesellschafterin der Adidas Sportschuhfabriken die Geschicke.
Familiär muss es seinDer kaufmännische Erfolg – die Pirmasenserin weitete die Produktpalette um Textilien aus – war eng verbunden mit ihrem Geschick im Umgang mit Menschen aller Nationalitäten und einer großen Integrationsfähigkeit. Käthe Dassler galt als eine der wenigen Repräsentanten einer Firmenpolitik, die noch größten Wert auf das „Familiäre“ legen. Soziales Engagement war ihr zeitlebens eine Herzensangelegenheit. So engagierte sie sich für karitative Einrichtungen, Schulen und Sportvereine.

Zahlreiche Auszeichnungen

Für ihre Verdienste wurde die passionierte Skiläuferin mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter dem Bundesverdienstkreuz und der Plakette des damaligen Landkreises Pirmasens. Herzogenaurach und die Universität Erlangen verliehen Käthe Dassler die Ehrenbürgerschaft. Die „Grande Dame“ erlag in der Silvesternacht 1984 einem Herzinfarkt. Seit Mai 2014 erinnert in ihrer Heimatstadt der Käthe-Dassler-Kreisel an die prominente Pirmasenserin.

Ideale und Werte als Vorbild für Schüler

Alle gelebten Ideale und Werte Käthe Dasslers sollen als Vorbild für die Schüler der zukünftigen Käthe Dassler Realschule plus Pirmasens dienen und sie fit für das weitere Leben machen. Die Schulgemeinschaft wird ihren Namen voller Stolz und mit gebührendem Respekt tragen. ps

Autor:

Tim Altschuck aus Kaiserslautern

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