Kidical Mass radelt ins Freibad – Demo für sichere Wege für Kinder

Kinder, Eltern und Unterstützer setzten sich bei der Kidical Mass für sichere Fahrradwege in Neustadt ein. | Foto: Michael Boltz
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Neustadt. „Neulich bin ich mit 120 auf meinem Fahrrad rumgefahrn“. So sangen die Prinzen 1991. Die Fahrradfahrenden, die am Sonntag, 21. Juni bei 37°C durch Winzingen zum Mußbacher Freibad geradelt sind waren weder eine Popband noch waren es Rennfahrer. Es waren auch keine hundertzwanzig, aber immerhin genug, um die Kritische Masse einer im Verband fahrenden Gruppe von Verkehrsteilnehmern darzustellen. Aufgerufen hatte das Bündnis Mobilitätswende, in dem die Radfahrfreunde, der VCD und die Klimaaktion Neustadt zusammenarbeiten.

Start war am Hauptbahnhof um 14 Uhr. Sinn und Zweck der Veranstaltung war laut Michael Boltz (Klimaaktion) darauf hinzuweisen, dass die Verkehrsverhältnisse in Neustadt besonders für Rad fahrende Kinder nicht unkritisch sind. Auch die teilnehmenden Kinder wussten Beispiele, wo sie bestimmte Straßen und Kreuzungen lieber meiden, weil sie nicht wissen, wie sie sicher die andere Straßenseite erreichen sollen. Zum Beispiel am „Bermudadreieck“, wo sich Martin-Luther-Straße, Friedrich-Ebert-Straße und Winzinger Straße treffen und gleich darauf noch die Gartenstraße einmündet, sei unklar, wer vor wem wo warten muss. So gelte oft das Recht des Stärkeren, wenn von der Friedrich-Ebert-Straße kommende Autofahrer z.B. nicht einsähen, dass Rad Fahrende aus der Martin-Luther-Straße nach Süden in die Winzinger Straße Vorfahrt haben. Eine teilnehmende Schülerin (11) fährt deshalb lieber einen Umweg. Ein Kreisel würde hier Klarheit schaffen, sind sich die Veranstaltenden einig.

Die Kidical Mass führte durch Winzingen zu verschiedenen Stellen, die aus Sicht der Veranstalter für Radfahrende verbessert werden sollten. | Foto: Michael Boltz
  • Die Kidical Mass führte durch Winzingen zu verschiedenen Stellen, die aus Sicht der Veranstalter für Radfahrende verbessert werden sollten.
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Eine weitere kritische Stelle benannte Henrik Schoch (auch Klimaaktion) gleich dort um die Ecke, wo Richard-Wagner-Straße und Kirchstraße sich kreuzen und ein kleines Karree bilden. Hier sei jedes Durchkommen für Rad Fahrende (ob groß oder klein) gefährlich, weil Auto Fahrende jede Straße in beide Richtungen nutzen und die Straßen zu schmal und einseitig zugeparkt seien. Warum habe man hier nicht längst (billig und effizient) eine Einbahnlösung in Kreisform eingerichtet?

Winzingen als Wohngebiet muss sowohl Ziel- und Quellverkehr als auch Durchgangsverkehr aufnehmen und hat dafür weitaus zu schmale Straßen, die mindestens einseitig zugeparkt sind. Um Rad Fahrenden gerecht zu werden, wurden hier vor Jahren einige Einbahnstraßen für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet. Die Hindenburgstraße zwischen Moltkestraße und Exterstraße allerdings ist in östliche Richtung für Räder nicht offen. Dies wurde von den Veranstaltenden einhellig bemängelt, denn eine durchgängige Wegeführung für Radler müsse ja ein Kernpunkt des in Arbeit befindlichen Radverkehrskonzeptes sein.

Prominente Unterstützung fanden die Klima- und Fahrradfreunde und -Freundinnen bei Johanna Kunzendorff, die als Mitglied des Stadtvorstands an der Fahrradtour teilgenommen hatte. Sie fand es interessant, neuralgische Punkte im Verkehrsnetz kennenzulernen und freut sich, in die Kommunikation eingebunden zu sein. Auch Jürgen Abel vom Förderverein Schwimmbad Mußbach war informiert und begrüßte die Angekommenen am Freibad. Gummienten und Luftkrokodile durften mit ins Bad.
Dort stürzte man sich zu guter Letzt gemeinsam ins kühle Nass, was bei dieser Hitze genau die richtige Endstation war. Die Teilnehmenden sind der Meinung, dass Kinder bei der Verkehrsplanung und im Straßenbau viel zu wenig berücksichtigt werden. Politik und Verwaltung geben sie die Denksportaufgabe mit, sich auch für Kinder ein Beteiligungsformat zu überlegen.
Die Veranstalter betonen, dass im neuen städtischen Mobilitätskonzept multimodal gedacht wird, also im Sinne einer klimafreundlichen Stadt- und Wegeplanung für jeden Verkehrsteilnehmer und jeden Weg die passende Fortbewegung gesucht werde. Denkt man dabei auch an die Kinder?

Autor:

Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße

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