Ein Leben für Kultur und Zusammenhalt
Ute Mocker verabschiedet sich

Nach 18 Jahren verabschiedet sich Ute Mocker als Leiterin des Kulturhauses Käfertal. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem der bedeutendsten soziokulturellen Zentren Mannheims.  | Foto: Wolfgang Neuberth
  • Nach 18 Jahren verabschiedet sich Ute Mocker als Leiterin des Kulturhauses Käfertal. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem der bedeutendsten soziokulturellen Zentren Mannheims.
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Kultur baut Brücken – Abschied von Ute Mocker
von Wolfgang Neuberth
Mit dem 30. Juni ging im Kulturhaus Käfertal eine prägende Ära zu Ende. Nach 18 Jahren verabschiedete sich Ute Mocker als Leiterin des Hauses. Gleichzeitig übergab sie den Vorsitz der Interessengemeinschaft Käfertaler Vereine (IGKV) an Christian Lüttich, der künftig sowohl die Leitung des Kulturhauses als auch den Vorsitz der IGKV übernimmt.
Was Ute Mocker hinterlässt, ist weit mehr als ein erfolgreiches Veranstaltungsprogramm. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Kulturhaus zu einem der bedeutendsten soziokulturellen Zentren Mannheims – einem Ort, an dem Kultur, Begegnung und gesellschaftliches Miteinander selbstverständlich geworden sind.
Dabei begann alles eher zufällig. Über die EDV-Beratungsfirma ihres Mannes kam sie bei der Suche nach einem Veranstaltungsraum erstmals mit dem Kulturhaus in Kontakt. Aus dieser Begegnung entstand eine enge Verbundenheit. Bald engagierte sie sich in der damaligen Interessengemeinschaft Käfertaler Vereine und Geschäfte, wurde in den Vorstand gewählt und übernahm schließlich den Vorsitz sowie die Leitung des Kulturhauses.

Ein entscheidender Schritt gelang 2008. Damals formulierte der damalige Vorsitzende Werner Eisen die Vision, das Kulturhaus zu einem kulturellen Mittelpunkt des Stadtteils auszubauen. Mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit der IGKV begann die Erfolgsgeschichte. Schritt für Schritt entstand unter Ute Mockers Leitung ein vielseitiges Kulturprogramm mit Konzerten, Lesungen, Theater, Ausstellungen, Stadtteilfesten und dem bis heute beliebten Käfertaler Kulturcafé.
Besonders wichtig war ihr jedoch immer der gesellschaftliche Auftrag von Kultur. Das Leitmotiv „Brücken bauen durch Kultur“ wurde zur gelebten Wirklichkeit. Menschen unterschiedlichster Herkunft sollten sich begegnen, voneinander lernen und Gemeinschaft erleben.

Ein besonderes Herzensprojekt war die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Früh öffnete sie das Kulturhaus für junge Menschen und gab ihnen Raum für eigene Ideen. Daraus entwickelte sich die YOUNITY-Philosophie, die bis heute das Herzstück der Jugendarbeit bildet. Musik, Tanz, Theater, Kunst und Choreografie verbinden dort junge Menschen verschiedenster Kulturen. Inzwischen nutzen rund 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Woche für Woche die Angebote des YOUNITY Studios.

Wie wertvoll diese Arbeit ist, zeigte sich besonders während der Flüchtlingsbewegung 2015 und 2016 sowie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Das Kulturhaus wurde zu einem Ort der Begegnung, der Integration und der gegenseitigen Unterstützung. Projekte wie „Sprachen, die verbinden“ schufen Vertrauen und legten den Grundstein für eine nachhaltige Integrationsarbeit.

Auch die Kunst im öffentlichen Raum erhielt unter ihrer Leitung neue Impulse. Das Mannheimer Bildhauersymposium im Stempelpark, der Skulpturenpark, die YOUNITY Gallery sowie zahlreiche Graffiti- und Street-Art-Projekte machten Kunst im Stadtteil sichtbar und luden die Menschen zum Mitmachen ein.
Selbst während der Corona-Pandemie bewies das Kulturhaus seine gesellschaftliche Bedeutung. Dank der sanierten Räume konnte es zeitweise als Prüfungsort, Test- und Impfzentrum genutzt werden. Gleichzeitig unterstützte das Team Künstlerinnen und Künstler mit Streaming-Konzerten und digitalen Kulturangeboten.
Zu den größten Erfolgen ihrer Amtszeit zählt die langfristige finanzielle Absicherung des Hauses. Nach jahrelangem Engagement erhielt das Kulturhaus zunächst eine institutionelle Förderung durch die Stadt Mannheim und seit 2025 zusätzlich eine Förderung des Landes Baden-Württemberg. Hinzu kamen die Unterstützung durch das Kulturamt, Fördermittel der BASF sowie mehrere Auszeichnungen – darunter der Fuchs-Förderpreis und Ehrungen des Bündnisses für Demokratie und Toleranz.
Trotz all dieser Erfolge stellte Ute Mocker nie sich selbst in den Mittelpunkt. In ihrer Abschiedsbotschaft dankte sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den vielen Ehrenamtlichen, den Vereinen, Künstlerinnen und Künstlern, Kuratorinnen und Kuratoren, Coaches, Förderern sowie den politischen Gremien. „Ich bin stolz, 18 ereignisreiche Jahre im Kulturhaus mitgestaltet und das Leben in Käfertal ein bisschen bereichert zu haben“, sagte sie.
Mit Zuversicht blickt sie auf die Zukunft des Hauses. „Ich wünsche der neuen Leitung einen guten Start. Ich habe 18 Jahre lang mit viel Herzblut gearbeitet und wünsche mir, dass das, was in dieser Zeit entstanden ist, erhalten bleibt. Natürlich bin ich gespannt, welche neuen Schwerpunkte künftig gesetzt werden.“
Dem Stadtteil bleibt sie dennoch erhalten. Als Historikerin möchte sie sich in die Vorbereitungen zum Jubiläum „800 Jahre Käfertal“ einbringen. „Dem Stadtteil werde ich weiterhin gerne zur Verfügung stehen“, betont sie.
Wer heute das Kulturhaus Käfertal besucht, erlebt einen lebendigen Treffpunkt voller Musik, Kunst und Begegnungen. Dass sich das Haus zu einem Ort entwickelt hat, an dem Kultur Brücken baut, Generationen verbindet und Demokratie im Alltag erlebbar macht, ist untrennbar mit dem Namen Ute Mocker verbunden. Ihr größtes Vermächtnis sind nicht nur erfolgreiche Veranstaltungen oder Auszeichnungen – sondern ein Kulturhaus, das den Menschen gehört und weit über die Grenzen Käfertals hinaus wirkt.

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Autor:

Wolfgang Neuberth aus Mannheim

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