fünf Grundschulen werden (be-)geistert
Hui Buh - Ein Schlossgespenst
- Hui Buh 1
- Foto: Beate Tilg
- hochgeladen von Wolfgang Neuberth
Hui Buh - Ein Schlossgespenst (be-)geistert fünf Grundschulen werden (be-)geistert
Der Spuk hat bald ein Ende – leider. So langsam nähert sich die „geister“reiche Sommersaison der Freilichtbühne (FLB) Mannheim ihrem Ende entgegen. Gruselig und lustig ging es da über Wochen und Monate auf der Bühne zu. Dreizehnmal verzauberte das Abendstück „Dracula- Das Grusical“ die Zuschauer vor fast immer ausverkauftem Haus und zwölfmal spukte „Hui Buh, das liebenswerte Schloßgespenst“ durch die Gemäuer von Schloss Burgeck und begeisterte damit nicht nur die kleinen Zuschauer.
Aber einmal in jeder Saison, in der Regel am Freitagmorgen der letzten Schulwoche ist der Zuschauerraum fast ausschließlich für das ganz junge Publikum reserviert. Dann nämlich lädt die Freilichtbühne die umliegenden Grundschulen zu einer Sonderaufführung ein. Fünf Grundschulen sowie der katholische Kindergarten St.Josef, Mannheim-Sandhofen nahmen die Gelegenheit wahr, ihrer Schülerschaft diesen Leckerbissen zu präsentieren. Dabei waren die direkt neben der FLB gelegene Alfred-Delp-Grundschule, die Maria-Montessori-Schule aus der Mannheimer Innenstadt sowie die Merianschule aus Wiesloch, die die weiteste Anreise hatte. Dafür legten Schüler und Lehrer der Hans-Christian-Andersen, Mannheim-Schönau stolze drei Kilometer zur FLB zu Fuß zurück und die Schüler der Friedrich-Ebert-Grundschule, Mannheim-Waldhof-Ost hatten fast zwei Kilometer bis zur FLB zu laufen. Die Schülerinnen und Schüler, die rechtzeitig angekommen waren, konnten im Biergarten noch ausgiebig frühstücken und sich für die nächsten zwei Stunden stärken, bevor die freiwilligen Helferinnen und Helfer der FLB, erkennbar an ihren blauen T-Shirts, den Einlass der zahlreichen Kinder managten und den einzelnen Klassen ihre Plätze zuwiesen. Wahrlich eine Mammutausgabe, waren letztendlich doch mehr Kinder gekommen als abgegebene Anmeldungen. Aber nach mehrmaligen „Zusammenrutsch-Aktionen“ unter Anleitung von Thomas Nauwartat-Schultze und eilig herbeigetragenen Bänken fand schließlich auch das letzte Kind einen Sitzplatz. Für die begleitenden Lehrerinnen und Lehrer blieben indes vorwiegend Stehplätze übrig.
Aber dann durfte das Schlossgespenst „Hui Buh“ (Thorsten Köster), übrigens das einzige mit noch gültiger Spuklizenz, auf der Bühne sein (Spuk)können unter Beweis stellen… oder auch nicht, wird diese Spuklizenz doch vom überraschend eintreffenden König Julius 111. (Peter Ziesche) dummerweise verbrannt. Julius benötigt aber dringend das Geld aus der versteckten Schatzkammer, um seine Anverlobte Gräfin Leonora zu Etepetete (Sabine Valentin) standesgemäß heiraten zu können. Und Hui Buh benötigt wieder dringend seine Spuklizenz zurück. Deshalb tun sich beide zusammen. Was Hui Buh und Julius zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen können, ist, dass der zuständige Vertreter der Geisterbehörde, Daalor (Dominik Kobel), kein Geringerer ist, als der fiese Ritter Adolar, dem Hui Buh wegen einer 500 Jahre zurückliegenden Gaunerei sein Gespensterleben zu verdanken hat. Und während Hui Buh und Julius in der Geisterschule Bekanntschaft machen mit dem Grinch, Frankensteins Monster und anderen finsteren Gesellen, die ebenfalls die Schulbank drücken müssen, schmieden Daalor und die Gräfin im Schloss inzwischen ein böses Komplott gegen Julius. Zum Glück haben Julius und Hui Buh auch Freunde auf dem Schloss, nicht zuletzt der Kastellan des Schlosses (Markus Muth), Konstanzia (Silvia Schönfelder), die Zofe der Gräfin und ihr Sohn (Johannes Adelmann) sowie die Nichte des Kastellans Marie (Charlotte Scherner). Und mit vereinten Kräften können sie die verzwickte Situation wieder in Ordnung bringen und jeder bekommt schließlich das, was er verdient hat, im guten wie im schlechten Sinne.
Zweieinhalb Stunden bester und spannender Unterhaltung, tolle überraschende Bühneneffekte wie das Auftauchen und Verschwinden des Gespenstes durch die Wand oder Spezialeffekte wie der pyrotechnische Blitz, der den Ritter Balduin mit lautem Knall und viel Rauch trifft, 2,5 Stunden zum Aufbau des Bühnenbildes vor jeder Aufführung, 2 Stunden Vorlaufzeit in der Maske für die 31 Akteure, der unerlässliche Kostümwechsel für die zahlreichen Mehrfachrollen oder aufwendige Schminkaktionen zur Verwandlung in einen Geist. Dazu kommen die allein 50 (!) Personen, die jeweils abseits und hinter der Bühne für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Einfach eine tolle Leistung. Nicht zu vergessen, dass für diese Aufführung an einem normalen Freitagmorgen Entschuldigungen für die mitwirkenden Schüler fällig sind bzw. für den zahlreichen erwachsenen Mitwirkenden, die Urlaub oder die Befreiung vom Arbeitgeber fürs Ehrenamt beantragen müssen. Aber was macht man nicht alles bei dieser großen Begeisterung fürs Theaterspielen.
Und die anwesenden Kinder? Die waren begeistert, gespannt und aufmerksam bis zum letzten Akt, was sich in tosendem Applaus für eine großartige Leistung äußerte. Und auf dem mehr oder wenigen langen Rückweg gab es bestimmt noch ausreichend Gesprächsstoff über Geister, Gespenster, die wie sie die Schulbank drücken müssen und freundschaftlichen Zusammenhalt, mit dem sich auch schwierige Probleme gemeinschaftlich lösen lassen.
Text und Bilder : Beate Tilg
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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