Hair help the Oceans: Mit Haaren gegen Öl im Meer

Emidio Gaudioso demonstriert, wie die Ölfangnetze aus Haaren produziert werden
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Von Roland Kohls

Nachhaltigkeit. Exxon Valdez, Deepwater Horizon – die Namen der großen Öl-Katastrophen auf dem Meer haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Gut alle zwei Jahre ereignen sich solche Unglücke, bei denen Tonnen von Öl ins Meer fließen. Aber tagtäglich werden auch Seen, Flüsse und das Meer von Öl verunreinigt – alltägliche Unglücke, von denen wir nichts erfahren.

Das Gute ist: jeder einzelne kann etwas dagegen tun. Mit Netzen aus Menschenhaaren, kann Öl gebunden und aus dem Wasser geholt werden. Die Friseurmeisterin Tanja Ill aus Heidelberg ist eine von über 1.400 Friseuren in ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden, die das Haar ihrer Kundinnen und Kunden sammelt und für diese Haarnetze spendet.
„Für mich und meine Kunden ist es wichtig, nachhaltig zu arbeiten“, sagt Ill. Deshalb war sie sofort begeistert, als sie in den sozialen Netzwerken von der Initiative „Hair help the Oceans“ erfuhr. Der Friseurmeister Emidio Gaudioso aus dem niedersächsischen Bückeburg bei Minden und der Unternehmensberater Thomas Keitel bei Würzburg, der sich auf die Beratung von Friseursalons und Nachhaltigkeit spezialisiert hat, haben „Hair help the Oceans“ gegründet. Vorbild war der Verein „Coiffeure Justes“ (faire Friseure) aus Südfrankreich, der die Haare in alte Nylonstrümpfe füllt, zu Rollen bindet und als Filter in verschmutzten Gewässern einsetzt.

Haare zu Filtern statt Entsorgung

Die Feuerwehr hat die Ölfangnetze aus Haaren um das Schiff gelegt, um ausgelaufenen Treibstoff aufzufangen
 | Foto: Hair help the Oceans
  • Die Feuerwehr hat die Ölfangnetze aus Haaren um das Schiff gelegt, um ausgelaufenen Treibstoff aufzufangen
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Die Haarfilter saugen das Öl förmlich aus dem Wasser. Anschließend werden sie gereinigt, so dass sie bis zu achtmal wiederverwendet werden können. Ein Kilogramm Haar kann bis zu acht Kilogramm Öl aus dem Wasser filtern. Diese Haarfilter werden weltweit eingesetzt, um in Seen und Flüssen, vor Industriegebieten und an den Küsten Öle, Treibstoffreste und auch Sonnenmilch aus dem Wasser zu filtern. Auch als der japanische Frachter Wakashio im Juli 2020 vor Mauritius auf Grund lief, auseinanderbrach und etwa 1.000 Tonnen Öl in die Lagune vor Pointe d'Esny strömten, kamen die Haarnetze zum Einsatz und verhinderten das Schlimmste. „Hair Help the Oceans“ hat die Filter noch etwas weiterentwickelt und die Produktion professionalisiert.
Normalerweise werden die Haare in den 83.000 Friseursalons in Deutschland mit dem Restmüll entsorgt und landen in der Regel in einer Müllverbrennungsanlage. Bei dem kleinen Salon „Ill Style“ von Tanja Ill wird nun einmal im Monat ein großer Sack Haare für die Haarfilter abgeholt. Ill arbeitet auch sonst nachhaltig. So werden Alufolie, die sie für Strähnchen und anderes benötigt, sowie anderes Verbrauchsmaterial wie Handschuhe, Shampoo-Flaschen oder Farbtuben recycelt. Und sie ist gerade dabei, ihren Salon klimaneutral zu machen und das auch zertifizieren zu lassen. „Meine Kundinnen sind total begeistert“, sagt die Heidelberger Friseurmeisterin.

Info

Friseursalons, die ihre Haare an „Hair helps the Ocean“ spenden und weitere Informationen dazu findet man unter www.hair-help-the-oceans.com

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Emidio Gaudioso demonstriert, wie die Ölfangnetze aus Haaren produziert werden
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Autor:

Roland Kohls aus Mannheim

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