Beton und Emotion: Ludwigshafen feiert sein saniertes Wahrzeichen
- Hochstraße wurde gestern zur Flanier- und Feiermeile
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Ludwigshafen. Hunderte Feierlaunige, Nachbarn und Neugierige flanierten gestern über die Hochstraße Süd und feierten ihre Eröffnung. Die Hochstraße ist Landmarke und Identifikationssymbol, sie ist also städtebaulich markant und drückt eine gewisse Zugehörigkeit aus.
Von Julia Glöckner
Aus dem Foodtruck heraus wurden Burger verkauft, für Walking Acts wurde die frisch sanierte Hochtrasse zum Schaulaufsteg, Bands und Comedians waren Überraschungsgäste.
Das Wochenblatt befragte am Nachmittag 45 Gäste, was die Menschen hier mit der Hochstraße verbinden. 80 Prozent gaben an: Die Ludwigshafener identifizieren sich mit der Hochstraße, das Bauwerk drückt für sie emotional oder kulturell gesehen also Zugehörigkeit aus. Das gaben auch jüngere Bewohner im Alter zwischen 20 und 30 Jahren an. Das Bauwerk aus den 50ern ist für 60 Prozent der Probanden Teil der Stadtsilhouette. 20 Prozent gaben an, die Hochstraße nur als etwas rein Funktionales zu sehen, man könnte auf ihr eben über die „Stadt fliegen“. Davon gaben die Hälfte an, dass sie sich wünschten, dass ein Umdenken stattfinde hin zu mehr Radverkehr und ÖPNV.
Viele Bauwerke, die die Stadtsilhouette prägten, sind in den vergangenen Jahren verschwunden. Besonders schön ist, dass der Tausendfüßler, der sich durch die Stadt schlängelt, nun weiße Füße hat. So kommt viel Licht unter das Bauwerk und es gibt keine dunklen Ecken mehr.
Marode Infrastruktur nun in Mannheim festgestellt
Es geistert durch die Stadt: Viele sind etwas traurig über den Abriss der Hochstraße Nord. „Die Hochstraße Nord ist allerdings in einem desolaten Zustand“, erklärte Hochstraßen-Projektleiter Eberhard Küssner. „Wir sind den Mannheimern 15 Jahre voraus, die nun feststellen, dass ihre Hochstraßen genauso kaputt sind. Bald fliegt man hier wieder rüber und steht in Mannheim vor einer Ampel, weil dort Geschwindigkeitsbegrenzung ist. Ich bin ein großer Freund der Stadtstraße.“
Öffnung der Hochstraße
Am Abend wurde die Hochstraße Süd auf wichtigen Abschnitten wieder geöffnet. Der Verkehr fließt nun teils einspurig von Mannheim kommend bis auf die Autobahn. Ebenso ist die Abfahrt zur Heinigstraße sowie die Abfahrt zur Lorientallee wieder zugänglich. Von der Pylonbrücke muss man allerdings noch einmal abfahren Richtung Innenstadt, dann eine neue Verbindungsstraße über die Heinigstraße queren und über die Auffahrt Saarlandstraße wieder hochfahren, um bis nach Mannheim zu kommen. Die Auffahrt Saarlandstraße wird am Samstagabend geöffnet, plant die BPG. „Der Rest wird bis zum Ende der Sommerferien fertiggestellt“, sagte Küssner.
Eine zusätzliche Verbindung für den Verkehr in Fahrtrichtung Mannheim wird in der kommenden Woche voraussichtlich ab Donnerstag, 9. Juli, zur Verfügung stehen. Verkehrsteilnehmer*innen können dann ebenfalls von der Pylonbrücke kommend über die Abfahrtsrampe direkt die wieder geöffnete Auffahrtsrampe Lorientallee auf die Hochstraße Süd nutzen.
Als Kosten nannte Küssner einen Betrag um 560 Millionen Euro allein für die Sanierung der Hochstraße Süd, nur 15 Prozent davon bleiben bei der Stadt, weil Land und Bund 85 Prozent tragen. „Die Bauplanung ergaben niedrigere Kosten, was der Regelfall ist, die steigenden Kosten ergeben sich aus dem Baukostenindex, der die Inflation im Bausektor beschreibt. Viele Preise stiegen in den vergangenen Jahren, also wird auch das Bauen teurer.“
Zweckbauten aus den 50ern und 60ern
Auf der Hochstraße fallen vielen Zweckbauten aus der Zeit des Wirtschaftswunders ins Auge, die die Bebauung entlang der Trasse prägen. Viele Ludwigshafener mögen diese Bauten aus den 50ern und 60ern, wie die Befragung ergab, vor allem die prägenden Rundbauten. Moderne Zweckbauten sollten damals bessere Lebensbedingungen schaffen, angesichts der Wohnungsnot Gesundheit und Gleichheit fördern. Das Vorfertigen von Teilen und Zusammensetzen vor Ort galt als wegweisend: Wenn Häuser seriell gefertigt würden, sollten sich wie beim Auto gesunde, haltbare Formen entwickeln. Das Ästhetische sollte sich von selbst ausprägen.
Einzelne Rundbauten, die den rationalistische Zweckbauten zuzuordnen sind, weil sie eine äußere Form haben, die sich nicht aufgrund zweckmäßigem Grundriss ergibt, entstanden auch in anderen Städte, etwa in Düsseldorf. So viele wie in Ludwigshafen gibt es sonst nirgends. Wichtige Plätze des Innenstadtkerns sind geprägt durch Rundbauten, die miteinander im Dialog sind: Ihr Wechselspiel aus Vordringen und Zurückweichen sollte ein charakteristisches Stadtbild schaffen. Markant sind auch die großen Fensterbänder an den Gebäuden. Städtebaulich wurden Quartiere funktional aufwendig geplant, dazu gehörten auch die Hochstraßen der autozentrierten Stadt, sie entstanden in rund 20 deutschen Städten in dieser Zeit.
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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