Notprogramm für Wildbiene, Feldhamster und Co.
Stiller Hilferuf der Natur

Fast die Hälfte der Bienenarten, wie hier die kleine Mistbiene, gelten in Rheinland-Pfalz als gefährdet
  • Fast die Hälfte der Bienenarten, wie hier die kleine Mistbiene, gelten in Rheinland-Pfalz als gefährdet
  • Foto: NABU/ H. May
  • hochgeladen von Jessica Bader

NABU. Sie verschwinden meist leise und unauffällig. Flächenfraß, intensive Landwirtschaft und Umweltverschmutzung setzen unserer Tier- und Pflanzenwelt zu. 2019 meldete der Weltbiodiversitätsrat, dass etwa eine Million von acht Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht ist. Das Netz des Lebens, das diese Arten bilden, wird immer löcheriger.

Unmittelbar vom Aussterben bedroht ist beispielsweise der Feldhamster. Der kleine Nager steht auf der weltweiten Roten Liste der bedrohten Arten. Gleiches Bild bei der Würfelnatter. In Rheinland-Pfalz gelten über 200 Tierarten als vom Aussterben bedroht, so zum Beispiel auch der Kiebitz und die Bekassine. Als gefährdet gelten zum Beispiel fast die Hälfte der rheinland-pfälzischen Brutvogel- und Bienenarten – bei den Fischen, Lurchen, Kriechtieren und Großschmetterlingen sind es sogar mehr als 50 Prozent.
Dabei wird unterschätzt, dass das Artensterben für Gesundheit, Wohlstand und Sicherheit eine ebenso hohe Relevanz besitzt wie das Klima. Wissenschaftlich ist lange belegt, dass wir die Erderhitzung nur bremsen, Pandemien nur vorbeugen und unsere Ernährung nur sichern können, wenn wir die Biodiversität – also die Vielfalt an Arten und ihrer Lebensräume – so weit wie möglich wiederherstellen. Wie eng Klima- und Artenkrise miteinander verwoben sind, beschreibt der gemeinsame Bericht des Weltklimarates mit dem Weltbiodiversitätsrat.

„Das Artensterben ist eine stille Krise. Sie wird ausgelöst durch eine Vielzahl menschlicher Faktoren – Vernichtung von Wäldern, Trockenlegung von Mooren, Einsatz von Pestiziden und Versiegelung sowie Übernutzung unserer Böden. Durch die Klimakrise wird die Artenkrise nochmals verstärkt“, sagt Cosima Lindemann, Landesvorsitzende des NABU Rheinland-Pfalz.

Moore und Wälder zeigen: Eine intakte Natur schützt uns vor der Klimakrise, sie bindet Treibhausgase und mildert Extremwetter ab. Eine ausgebeutete Natur hingegen wird zu einer Gefahr für uns: Wenn Wälder brennen und trockengelegte Moore CO2 ausstoßen, drohen fatale Kipppunkte für das Klima.

Wer sich nicht anpasst, stirbt aus. Im Laufe der Erdgeschichte sind schon immer Arten verschwunden und dazugekommen. Die menschengemachte Veränderung dringt dabei allerdings in neue Dimensionen vor. Viele Arten sterben aus, bevor sie überhaupt entdeckt wurden. Der Verlust an biologischer Vielfalt ist in Geld kaum zu beziffern. Vor einigen Jahren schon beschrieb die Krefelder Studie das Massensterben der Insekten. Wildbienen sind stark gefährdet und drohen als Bestäuber auszufallen – das bedeutet Ernteverluste bei vielen Obst- und Gemüsearten.

All das passiert nicht im Verborgenen und dennoch führt es nicht zu angemessenen politischen Konsequenzen, obwohl seit vielen Jahren auf allen Ebenen über die Biodiversität verhandelt wird. Deshalb hat der NABU ein Notprogramm formuliert. Es richtet sich an die kommende Bundesregierung. Darin werden wirksame und schnell umsetzbare Sofortmaßnahmen beschrieben, mit denen dem Artensterben jetzt engagiert entgegengetreten werden soll.

Lindemann fordert: „Biodiversität muss endlich ein politisches Schwerpunktthema werden, um den dramatischen Artenverlusten entgegenzuwirken. Je weniger artenreich und stabil Gewässer, Wälder und Agrarlandschaften sind, desto schutzloser sind wir den Auswirkungen der Klimakrise ausgeliefert. Die Zeit rinnt uns durch die Finger. Wir brauchen einen energisch geführten und von ernsthaftem Wollen geprägten Wettkampf für die Natur, nicht gegen sie. In den Parteiprogrammen fehlen entsprechende Angebote und Ideen.“ ps

Weitere Informationen:

Der NABU hat seine Forderungen an die Politik formuliert. Das Notprogramm kann man unter www.nabu.de/notprogramm nachlesen.

Autor:

Jessica Bader aus Ludwigshafen

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