So soll der Leerstand nach Innenstadtentwicklungskonzept aktiviert werden

Hochwertiger Einzelhandel und Gastronomie kann nach ISEK zurückgeholt werden.  | Foto: Julia Glöckner
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Ludwigshafen. Die Stadt Ludwigshafen möchte die Innenstadt wieder aufwerten. Nach dem Innenstadtentwicklungskonzept (ISEK) wird dabei auf ein ganzes Maßnahmenpaket gesetzt.

Von Julia Glöckner

Ein wichtiges Handlungsfeld ist dabei die Stärkung des Einzelhandels in der Bismarck- und Ludwigstraße, neben Verkehrsberuhigung, Entsiegelung sowie Quartiersentwicklung und Aufwertung von Gebäuden.

Die Innenstadt soll wieder attraktives, lebenswertes Wohnquartier werden. Die Modernisierung und Fassadenaufwertung von Gebäuden aus der Zeit des Wirtschaftswunders spielt dabei eine wichtige Rolle. Beides wird für private Maßnahmen staatlich durch Fördermittel bezuschusst. Daneben will die Stadt die City durch Superblöcke, Entsiegelung attraktiver machen, auch um Handel und Gastronomie zu halten und stärken

Viele Städte erproben bereits neue Rezepte zur Reaktivierung des Handels oder finden innovative Ideen für nicht-kommerzielle Nutzungen. Ludwigshafen hat mit ISEK einen praxisnahen Plan entwickelt. Das Maßnahmenpaket ist bereits erarbeitet, die Kosten für die einzelnen Schritte veranschlagt. Bis 2031 sollte ISEK eigentlich umgesetzt sein. Nun zeichnet sich ab, dass die Realisierung sich noch länger hinziehen wird. Die Stadt wird die besonders praktikablen Maßnahmen auswählen, weil für die Umsetzung des Gesamtpakets keine Fördergelder in adäquater Höhe abzurufen sind. 

Hochwertiger Handel kann mancherorts zurückkommen

Das Amt für Stadtplanung und Stadtentwicklung sieht vor allem für die Ludwigsstraße die Chance, hochwertigen Handel dort temporär zurückzuholen. In den vergangenen Jahren gelang das bereits mancherorts immer wieder. Ein Teil des hochwertigen Handels, der im Rathaus-Center weichen musste, konnte die Stadt in der südlichen Ludwigstraße halten. Dort soll der Fokus auf Neuansiedlung bleiben.

Die Bismarckstraße soll dagegen zunächst zum lebendigen Nachbarschaftsboulevard werden. Die gut frequentierte Rheingalerie kann über Umgestaltung am Platz der Deutschen Einheit stärker in die Innenstadt eingegliedert werden.

Die Stadt will den hochwertigen Einzelhandel vor allem zunächst im Neubau neu ansiedeln. In Baulücken, entlang der Kohl-Allee und nach Abriss von Altbestand werden attraktive Neubauten entstehen. Fürs Palatineo rollen voraussichtlich noch in diesem Jahr die Bagger an. Der Neubau zieht Handel und Gastronomie gleichermaßen an.

Boulevard und Plätze steigern Wohn- und Aufenthaltsqualität

Der begrünte Nachbarschaftsboulevard steigert zunächst vor allem die Wohnqualität. Er kann zudem für Durchmischung und Wiederbelebung des Handels sorgen. Ähnliche Effekte haben die neuen Plätze im Quartier, die Besucherfrequenz erhöhen und damit die Nahversorgung in der Bismarckstraße sichern und stärken. Ziel ist ein dauerhaft breites Angebot.

Superblocks schaffen Raum für Außengastronomie

Der freiwerdende Raum im verkehrsberuhigten Superblock wird durch Entsiegelung, mobiles Grün und Mobiliar aufgewertet, aber auch Gastro-Außenbereiche genutzt: Außengastronomie kann den Leerstand für Gastronomen attraktiver machen. Parkplätze, die in den Superblocks in der Bahnhofstraße und am Ludwigsplatz überflüssig werden, lassen sich für Gastro-Außenbereiche umgestalten.

Die Bahnhofstraße, wo es bereits hochfrequentierte Restaurants gibt, ist als Gastromeile gedacht. Mit weiterer Ansiedlung kann sie weiter entlang der Straße wachsen, zumal dort eine weitere Spur des Autoverkehrs stillgelegt werden soll.

Schon gewusst?

Superblöcke verbesserten durch Verkehrsberuhigung bereits in vielen Städten Wohn- und Aufenthaltsqualität. In den Straßen im Superblock haben Fußgänger und Radfahrer Vorrang. Durchfahrtssperren, die Autofahrer im Einbahnverkehr leiten, sorgen dafür, dass Fahrer nicht direkt in den Nachbar-Superblock kommen. So wird der Block für Durchgangsverkehr unattraktiv, Anwohner und Lieferverkehr kommen noch ans Ziel. Fußgänger, Radfahrer können direkten Weg nehmen. In Ludwigshafen erhalten Bismarck, Kaiser-Wilhelm- und Bahnhofsstraße eine breite Radspur. Autos nutzen die Parkhäuser an Blockrändern. Im Kern der City geht es zu Fuß weiter. Die Parkräume in der City werden zu Radwegen und Aufenthaltsflächen umgewandelt. Der City-Ring um die heutigen Hochstraßen wird den gesamten Autoverkehr aufnehmen.

Verkehrsberuhigte Straße in Wien im Superblock, Quartier Favoriten | Foto: Julia Glöckner
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Neue Nutzungen jenseits von Handel im Fokus

ISEK versucht zudem mancherorts eine Neuausrichtung der Innenstadtnutzung, neben dem Handel. Dabei wird es nicht nur um temporäre Pop-ups gehen, auch regionale Kunst aus dem Kunsthandwerk oder der Musikbranche kann für Nutzung gezielt gefördert werden. Genauso wie Multi-Use-Spaces als Raumnutzungen, bei denen etwa nicht-kommerzielle Angebote wie Repaircafé, Radwerkstatt, Community-Kitchen von Nachbarschaften sowie Aktiven aus der Zivilgesellschaft genutzt werden.

Einzigartige und besondere Erlebnisse locken Menschen in die Stadt, aus allen Stadtteilen und der gesamten Region. Daher soll es frei zugängliche Kunst- und Kulturevents geben, die identitätsstiftend wirken, neben den bisherigen Festivals und Festen. Interkulturelle Festivitäten und Events sind denkbar.

Übers Leerstandsmanagement wird bereits nachgedacht, kreative Nutzungen durch Gründer, Kunstschaffende und Kunstgalerien können gefährliche Abwärtsspiralen stoppen und umkehren.

Wie Belebung des Ladenleerstands jenseits von kommerzieller Nutzung durch Handel gelingt, sehen viele Städte als ihre Kernaufgabe. Dafür braucht es oft einen intensiven Austausch mit den Eigentümern. „Generell gilt es, zusammen mit Eigentümern einen Weg zu finden, finanzielle Barrieren Nutzungen des Leerstands durch soziale und nicht-kommerzielle Träger zu senken“, heißt es im ISEK, das Stadtplanung und Stadtentwicklung gemeinsam erarbeiteten. jg

Städte erproben neue Nutzungen, wie Läden für Second-Hand oder Flohmärkte nach Hausentrümpelungen.  | Foto: Julia Glöckner
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Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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