Innovatives Stadtbaumkonzept: Ludwigshafen wird zum Testfeld
- Fußgängerzone Prinzregentenstraße an einem Sonntag
- Foto: Foto: VCD Ludwigshafen
- hochgeladen von Dieter Netter
Ludwigshafen. Die Stadt beteiligt sich an einem deutschlandweiten Forschungsprojekt der Fachhochschule Erfurt. Die Forschungsfrage ist, ob schnellwachsende Bäume auch an schweren Standorten gut wachsen können. Dabei werden die Standortbedingungen untersucht, die zum Wachstum beitragen. Mit dem Klimawandel wird Hoffnung zunehmend in solche Bäume gesetzt.
In der dicht bebauten Stadt steht Straßenbäumen oft begrenzt Platz bereit. 2 bis 3 Quadratmeter kleine Baumscheiben, Trockenheit, verdichtete Böden und begrenzter Platz für Wurzeln machen es den Bäumen schwer. Leitungen im Boden und hohe Baukosten für die Vergrößerung der Baumscheiben erschweren zusätzlich die Begrünung. Das Projekt will die Wachstumsbedingungen ermitteln, unter denen Bäume selbst an solchen Stellen gepflanzt werden können. Geht es den Bäumen dort gut, wachsen sie hoch und bilden dichte Kronen aus. Damit lässt sich auch mit Blick auf unsere lebenswerten Städte erwarten, dass sie ausreichend Schatten spenden und die Kühlwirkung in hitzebelasteten Quartieren zufriedenstellend ist. Zudem tragen nur größere, gesunde Bäume eher zum Erholungseffekt bei, den das Stadtgrün für uns Menschen bietet.
Die schnellwachsenden Bäume haben allerdings eine geringere Lebensdauer. Dennoch wollen die Forscher der Fachhochschule Erfurt die schnellwachsenden Bäume erproben, denn das Nachpflanzen und Nachwachsen herkömmlicher Baumarten dauert 20 bis 40 Jahre. Welche Baumarten sich dabei besonders gut eignen, soll die Studie klären.
Ludwigshafen pflanzt 28 Bäume
In Ludwigshafen wurden in diesem Jahr 28 Bäume an vier Orten im Stadtgebiet gepflanzt: am Hohen Weg werden 8 Bäume gepflanzt, an der Hauptstraße 10, am Brüsseler Ring 8 Bäume und an der Knappenwegstraße 2 Bäume. Darunter sind Baumarten wie Zürgelbäume, Birkenpappeln, Flatterulmen und Blauglockenbäume. Die Standorte sind bewusst herausfordernd gewählt, um die Entwicklung unter realistischen Bedingungen zu testen.
Besonders wichtig ist die Pflege: Die jungen Bäume bekommen einmal pro Woche Wasser. Düngemittel werden nicht eingesetzt. Um sie vor Wind und anderen Belastungen zu schützen, werden die Bäume mit Bindungen und Verstärkungen stabilisiert.
Wissenschaft für die Zukunft der Städte
Die Studie läuft insgesamt 10 bis 20 Jahre. Falls die Bäume keine Schäden aufweisen, kann der Versuchszeitraum ausgedehnt werden. Zum Ende jeder Vegetationsperiode werden Höhe und Stammumfang gemessen sowie die Vitalität der Bäume während der Vegetationsperioden beobachtet..
Der Leiterin des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe, Gabriele Bindert, erklärt: "Ludwigshafen ist historisch bedingt industriell geprägt und besitzt daher viele vorwiegend urban gestaltete Quartiere. Das bedeutet, dass dort zahlreiche Flächen teilweise stark verdichtet sind, was das Pflanzen von Bäumen dort sehr herausfordernd macht, um auch an diesen Stellen in der Stadt Grün zu etablieren. Die Stadt Ludwigshafen kann als Teilnehmerin der Studie zu schnellwachsenden Bäumen profitieren, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse dabei helfen können, künftig Arten auszuwählen, die an schwierigen Standorten gedeihen und gegenüber dem Klimawandel anpassungsfähig sind."
Die Bäume wurden direkt in den vorhandenen Boden gepflanzt – ohne zusätzlich einen "Schwamm" durch Substrate anzulegen. Nur bei stark verdichteten Flächen, etwa durch das Parken von Autos, wird der Boden bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern gelockert. Die Bäume werden ein Mal pro Woche bewässert, aber nicht gedüngt.
Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau e.V. (FFL) empfiehlt, dass Bäume mindestens über 12 Kubikmeter durchwurzelbaren Boden sollten. In Neubaugebieten sind seit Jahren sogar mindestens 16 Kubikmeter vorgegeben. Im Bestand steht dieser Platz allerdings oft nicht mehr bereit. Haben Bäume wenig Platz, wachsen sie zunächst schnell, ihre Wurzeln stoßen jedoch an ihre Grenzen. Ein weiteres Problem ist Verdichtung, wodurch die Wurzeln sich nicht richtig entfalten und die Sauerstoffzufuhr eingeschränkt ist. Häufig weichen die Wurzeln deshalb in den leichter durchwurzelbaren Bereich unter Gehwegplatten und Pflaster aus. Dort kommt es mit zunehmendem Dickenwachstum der Wurzeln zu Schäden an den Belägen, hochstehenden Platten und damit verbundenen Unfallgefahren sowie hohen Kosten für die Verkehrssicherung.
Die Forschung liefert nicht nur praktische Erkenntnisse für Ludwigshafen, sondern auch für viele Städte mit ähnlichen Herausforderungen. Denn die Durchgrünung der Quartiere wird mit Blick auf Hitzebelastung in Städten immer wichtiger. Der Austausch zwischen den beteiligten Kommunen – darunter Erfurt, Dresden und Wildau – bringt weitere Ideen und Erfahrungen. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.