Sanierung im Wandel der Zeit: Aufwertung im Hemshof wird fortgesetzt
- Das Eckwohnhaus erinnert an dorische Turmarchitektur aus der Antike.
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Hemshof. Seit den 20ern wird der Hemshof saniert und aufgewertet. Historisch gewachsen ist der Hemshof stark verdichtet in den 20ern, weil der Wohnungsbau durch Spekulanten getrieben war. Die Städtebaufördermittel werden jetzt gegen Hitzeinseln und für attraktive Treffpunkte eingesetzt.
Von Julia Glöckner
Das Viertel ist seit Beginn der Industrialisierung Ankunftsviertel, für Arbeiter, später für Gastarbeiter und heute für Geflüchtete. „In der industriellen Hochphase wuchs die Bevölkerung explosionsartig. Das Wachstum nahm New Yorker Dimensionen an. Hier gab es Arbeit, während die Landwirtschaft maschiniert wurde“, erklärt Hobby-Stadtforscher Gerhardt Brandt auf seiner Wow-City Tour durch den Hemshof. Steigende Bodenpreise förderten nicht nur eine starke Verdichtung, sondern auch das wilde Bauen. Es gab keine regulierende Spekulationssteuer und kaum baurechtliche Vorgaben, die zudem umgangen wurden. Das Ergebnis war eine verschachtelte Hinterhofbebauung. „Es herrschten Wohnverhältnisse, die vergleichbar sind mit den Slums in manchen Entwicklungsländern, ohne Licht, ausreichende Belüftung und mangelnde hygienische Zustände“, erklärt Brandt.
Sanierungsphase Weimarer Zeit
Während neue Bauordnungen ab 1925 die wilde Hofbebauung verbot, Baulinien und Architektenzwang vorschrieb, begann gleichzeitig der geförderte Wohnungsbau. Die neu gegründete GAG begannt mit dem Bau von Großsiedlungen für Arbeiter und BASF-Beamte. Viele Großsiedlungen aus den 20ern ließen paternalistische Industrielle der großen Chemieunternehmen wie BASF bauen. BASF gründete später ihre eigene Wohnungsbaugesellschaft Gewoge, die heute Bauen und Wohnen heißt. Raschig schenkte etwa das Grundstück der Heimstättensiedlung an die Siedlergemeinschaft Hochfeld, die sich in den 20er genossenschaftlich organisierte. In den Arbeitersiedlungen gab es erstmals WCs und Bäder im Haus sowie Gasanschlüsse und Küchen auch in Arbeiterwohnungen. „Kritisch wird bis heute gesehen, dass der gründerzeitliche Kern des Hemshof unberührt blieb. Die Hinterhofslums wurden abgerissen, aber die Bebauung bliebt stark verdichtet, ohne große Freiflächen“, erklärt Brandt.
Wiederaufbau nach 1945
„Der Krieg verschärfte das Problem fehlenden Wohnraums. Bis in die 1970erer Jahre herrschte große Wohnungsnot. Menschen lebten in den Hochbunkern im Stadtgebiet“, erklärt Brandt. „Hauptziel nach bundesweiten Leitlinien des Städtebaus war die schnelle Beseitigung der Wohnungsnot, die sich durch Zuwanderung und Gastarbeiter verschärfte.“
Baulücken durch Bombardierungen im Hemshof wurden pragmatisch geschlossen, daneben wuchsen Großwohnsiedlungen auf der Grünen Wiese, die Trabantenstadt Pfingstweide. In den 70ern geriet die schnelle pragmatische Baulückenschließung nach Standard und die hohe Baudichte im Gründerzeitbestand in die Kritik. „Um den Bestand kümmerte man sich nicht, der schlechte Zustand der Gebäude verfestigte sich. Stadtforscher glauben, dass die ausbleibende Sanierung des Bestands Segregation förderte, also soziale Entmischung“, sagt Brandt.
Größtes Sanierungsgebiet Deutschlands
Von 1972 bis 2016 war der Hemshof zeitweilig das größte Sanierungsgebiets Deutschlands. 1972 begann die große Flächensanierung. Städtebauliche Leitbilder zielten jetzt auf erhalt von Altstädten, weil der ästhetische und bauliche Wert von Altbauten erkannt wurde. „Die systematische Sanierung des Bestands begann“, erklärt Brandt. Laut Stadtplanungsamt konnte man in dieser Zeit im Hemshof viele Innenhöfe, die Sitz von ehemaligen Handwerksbetrieben waren, gemeinsam mit Eigentümern entsiegeln. Damit entstand aufgelockerte Blockrandbebauung mit grünen, privaten Höfen. Gleichzeitig sanierte man die Bausubstanz grundlegend, durch neue Dächer, energieeffizientere Fenster, Einbau von Zentralheizungen und Zusammenlegung kleiner Grundrissen.
„Die entkernten Innenhöfe wurden zusammengelegt, entsiegelt und in parkähnliche, gemeinschaftlich nutzbare Grün- und Spielbereiche umgewandelt“, erzählt Brand. „Die Wohnungen wurden modernisiert und damit der Wohnstandards stark angehoben. Leichte Gentrifizierung war spürbar, jedoch nicht in dem Ausmaß wie im Jungbusch, der gleichzeitig durch Ansiedlung von Kulturbetrieben entwickelt wurde. Außerdem ist das Mannheimer Viertel bis heute Ausgehviertel und zieht durch seine kulturelle Prägung Tagestouristen an.
Gesunde Durchmischung
Die soziale Zusammensetzung ist heute im Hemhsof laut Verwaltung wieder heterogen, hier Wohnen wieder Menschen aus allen Einkommensschichten. In den 70ern war der Hemshof Durchgangsviertel. Gastarbeiter zogen hierher, weil sie erstmal nicht anderes fanden und verließen das Viertel nach einigen Jahren wieder, während BASF-Angestellte ins Haus im Grünen zogen. Heute, nach der Sanierung, wohnen viele Familien, Singles und Paare im Hemshof, die das Quartier wegen der Fassaden und das Wohnen wegen der hohen Decken schätzen.
Neue Ziele: Grüne und belebte Plätze
Seit 2020 ist das Viertel wieder Stadterneuerungsgebiet. „Dabei geht es heute nicht mehr um Gebäudeerneuerung, sondern um Aufwertung von Plätzen und Straßen“, erklärt Brandt. Planer erarbeiten aktuell ein Konzept zur Bekämpfung von Hitzeinseln durch Entsiegeln, Vergrößerung von Grünanlagen sowie Fassadenbegrünung. An Plätzen wie Goerdeler-, Welser, und Europaplatz sowie Hemshofpark und in der Prinzregentenstraße soll für Verweilende wieder das Grüngefühl in die Stadt zurückkehren. Der Hemshof wurde durch Bauspekulationen und steigende Bodenpreise stark verdichtet. Durch Belebung der Plätze mit mehr Aufenthaltsqualität sollen Nachbarschaften von selbst heraus entstehen, was für Begegnungen verschiedener Milieus sorgt. „Auch die Frage, wie wir hin zur autofreien Stadt kommen, etwa durch ausgewiesene Radwege, sollen mit dem Konzept Lösungen gefunden werden“, so Brandt.
- Der verwahrloste Spielplatz Blücherstraße, lange illegale Mülldeponie im Hemshof, hat sein Gesicht 2026 stark gewandelt. Die Beete werden noch bepflanzt.
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Der Ankauf und die Sanierung von Schrottimmobilien spielt weiterhin eine Rolle. Eckgebäude werden abgerissen und die Brachen neu bebaut. Die Stadt Ludwigshafen setzt verstärkt rechtliche Steuerungsinstrumente ein, um problematische „Schrottimmobilien“ gezielt anzukaufen, denkmalgerecht zu sanieren oder abzubrechen und so den Wohnungsmarkt zu stabilisieren. Bauliche Maßnahmen werden flankiert von Quartiersmanagement, der Ansiedlung von Bildungs- und Integrationseinrichtungen. Vor allem die Situation an Brennpunktschulen soll sich weiter verbessern, wobei auch das Land unterstützen wird. Denn der Hemshof ist Ankunftsviertel geblieben, weil dort viele migrantische Communitys zusammenleben.
In den nächsten Jahren wird der Hemshof also ein Quartier, in dem Menschen sich begegnen und treffen können. Denn jedes große und kleine Ereignis im Leben eines Menschen beginnt mit Interaktion. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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