Neustart an Ludwigshafener Schule: Land greift ein
- Großeinsatz 2018 wegen möglicherweise bewaffneten Jugendlichen (Archivbild)
- Foto: Uwe Anspach/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Ludwigshafen. Für Eltern, Schüler und Lehrkräfte in Ludwigshafen soll der Alltag an der Karolina-Burger-Realschule plus wieder verlässlicher werden. Das Bildungsministerium stellt die Leitung der Schule neu auf und spricht von einem Neustart, weil die bisherigen Strukturen aus Sicht des Landes nicht ausreichen.
Warum das Land jetzt eingreift
Die Realschule plus in der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz war wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt hielten Fehlalarme die Feuerwehr in Atem, zudem kam es auf dem Gelände zu einer Prügelei unter 14-Jährigen. Zuvor hatte es unter anderem Polizeieinsätze, Reizgas-Vorfälle und eine Messerattacke gegeben.
Im Mai des vergangenen Jahres attackierte eine Schülerin eine Lehrerin mit einem Messer. Ein Gericht ordnete später ihre Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung an. Der Fall löste weit über Ludwigshafen hinaus Debatten über Sicherheit, Schulklima und Unterstützungssysteme aus.
Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig macht die Lage nun zur Chefsache. Die Probleme seien „innerhalb der bestehenden Strukturen“ nicht zu lösen, teilte die CDU-Politikerin mit. Das Land müsse übernehmen und Lösungen ermöglichen. „Dafür braucht es einen Neustart.“
Lehrkräfte krankgemeldet, Gespräche laufen
Mehr Ruhe ist damit bislang nicht eingekehrt. Zum Beginn des neuen Schuljahres meldeten sich nach Angaben der Schulaufsicht 18 von 56 Lehrkräften krank. Zudem gibt es Brandbriefe, anonyme Kritik über Medien und Unruhe wegen angeblicher Versetzungen. Das Ministerium betont, Gespräche über personelle Veränderungen seien noch nicht abgeschlossen.
Die Polizei in Ludwigshafen ordnet die Lage zurückhaltend ein. Ja, an der Schule komme es seit Jahren auch zu Körperverletzungen. Die Behörde warnt aber davor, aus einzelnen Vorfällen vorschnelle Schlüsse über die Kriminalitätsentwicklung insgesamt zu ziehen. Ein angebliches „Klima der Angst“ bestätigt die Polizei nicht.
Polizei sieht Schule nicht als reinen Einsatzort
Nach Angaben der Polizei gibt es seit Jahren bewährte Konzepte zur Bearbeitung von Jugendkriminalität. Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt und Jugendgerichtshilfe arbeiteten zusammen, Straftaten würden konsequent verfolgt. Die Polizei bleibe ein verlässlicher Partner der Schule, präsent, ansprechbar und konsequent.
Gleichzeitig zeigt der Fall die Grenzen polizeilicher Arbeit. Einsatzkräfte können bei Straftaten eingreifen und Präsenz zeigen. Den Schulalltag dauerhaft stabilisieren können sie nicht. Nach Einschätzung eines ranghohen Beamten kommen mehrere Faktoren zusammen, darunter soziale Belastungen, Desinteresse einzelner Eltern, Konflikte im Kollegium und Schwächen in der Struktur.
Warum der Fall landesweit beobachtet wird
Die Karolina-Burger-Realschule plus steht damit für eine größere Herausforderung in Rheinland-Pfalz. Bildung war schon vor der Landtagswahl im März ein zentrales Thema. In einer aktuellen Infratest-dimap-Befragung für das SWR-Politikmagazin „Zur Sache Rheinland-Pfalz!“ nennen 27 Prozent Bildung als eines der wichtigsten Probleme im Land.
Für Familien ist nun entscheidend, ob der angekündigte Neustart spürbare Veränderungen bringt. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, stabile Leitung, genügend Personal und Unterstützung für den Unterrichtsalltag. Fachleute weisen darauf hin, dass sich Gewalt, soziale Belastungen und institutionelle Überforderung nicht allein mit Polizeieinsätzen lösen lassen. Die Polizei warnt zudem, starke Medienpräsenz könne Nachahmungseffekte begünstigen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |