Helmut Buchholz zeigt "Perlen der Innenstadt": Tour zu schönsten Ecken
- Der gepflegte Welserplatz hat viel Aufenthaltsqualität und ist vielen unbekannt. Die Außenterrasse des Restaurants macht er zu einem idyllischen Ort. mitten im Hemshof.
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Ludwigshafen. Das Image einer Stadt bestimmt, was ins Auge fällt. Am Europaplatz, den das schönste und größte historische Gebäude der Stadt säumt, der Repräsentationsbau der Sozialverwaltung, Startet die Tour von Helmut Buchholz zu den „Perlen der Innenstadt“.
Von Julia Glöckner
„Ein Mal im Jahr biete ich eine Stadtführung an, nach der sich sagen lässt: ‚Es ist doch schön hier, und wir leben doch eigentlich gut hier‘.“ Details zur Aufenthaltsqualität bleiben querenden Radlern und Fußgängern verborgen, Buchholz kennt viele Plätze besser. „Hier ist es immer etwas luftig und windig, wer sich hier im Sommer aufhält, stirbt nicht“, erzählt der Stadtplaner vom Europaplatz. „Was zwischen Kohl-Allee und Europaplatz mit Entwicklung den Rheintor-Quartieren gebaut wird, können wir uns noch ausdenken. Möglicherweise bleibt die Fläche auch frei und der Platz wird größer.“
100 Meter weiter, am Welserplatz, verhilft die planvoll angelegte Grünanlage dem griechischen Restaurant zum mehr Frequenz, das nach Abwerben des Bali-Restaurants durch die Stadt Mannheim kam. „Die Platanen werfen große Schatten. Der vielen Menschen unbekannte kleine Platz zum Ausruhen könnte bekannter sein“, so Buchholz.
Grüne Oasen mitten in der Innenstadt
Auch die direkte Fußgängerverbindung vom Welserplatz zum Friedenspark kennt kaum jemand, „der mit den Zukunftsquartieren vergrößert werden soll und verbindendes Element wird, für die neuen Teile der City sowie für West und Friesenheim“. „Den Friedenpark kann man bislang nicht bewässern, das ist zu aufwendig und zu teuer. Die vielen Bäume spenden Schatten, so dass es sich im Sommer gut aufhalten lässt“, sagt Buchholz. Nicht nur Halfpipe, Kinderparadies und Wege beleben den Park, sondern auch schöne Plätze „Jede Stadt, die auf sich hielt, bemühte sich nach der Wiedervereinigung, ein Stück Berliner Mauer zu bekommen, das am Parkeingang ausgestellt ist.“ Die Brunnenanlage in der Mitte des Eingangsplatzes bildet die einzelnen Stadtteile Ludwigshafens ab. Jungmeister und Gesellen des Bildhauerhandwerks stellten sie 1985 fertig. Auch Buchholz selbst wirkte mit, der vor dem Studium eine Bildhauerausbildung abschloss.
- Der größte Block bildet wichtige Ereignisse im Stadtkern Hemshof/Innenstadt ab, die BASF-Gründung und die Rheinschanzenzeit etwa.
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- Die Rheinbegradigung durch Tulla im Stadtteil Oppau/Edigheim
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- Die Gartenstadtidee festgehalten in Stein: Arbeiter sollten dort gesunde Wohnverhältnisse finden, die auch in Ludwigshafen um 1900 in Slums, Hinterhöfen, Kasernen lebten oder obdachlos waren, als Wochenendheimkehrer im Wald übernachteten. Gartenarbeit sollte vor Entfremdung schützen.
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Am Kulturzentrum verblasst das Bodenmural, das den Platz aber immer noch mit urbaner Street Art aufwertet. „Das ehemalige Haus der Jugend, das bis in die 80er von jungen Menschen gut besucht war, funktioniert noch gut, mittlerweile nur noch im Abendprogramm. Das Tagesprogramm ist der Personalpolitik zum Opfer gefallen“, erzählt Buchholz. 1967 fertiggestellt, war es in den 70ern Folklore-Zentrum, in den 80ern traf sich dort die Punkrock-Szene. Heute ist das Zentrum laut Buchholz „Gemischtwarenladen“. Die großen Bäume und der Harlekin aus Beton werten laut Buchholz den Platz weiter auf, auch wenn es vor der Aufstellung des Kunstwerks eine Diskussion gab, ob der Handstandmacher den Kindern Angst machen könnte.
- Kulturzentrum dasHaus mit lachendem Harlekin aus Beton
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Street Art, Kultur und urbane Treffpunkte
Auf dem Ernst-Klüber-Platz wird in den nächsten Jahren Rasengitter verlegt, um Wasser versickern zu lassen. An komplett entsiegelten Stellen werden Bäume gepflanzt. Der liebevoll gepflegte Hackgarten gewinnt jedes Jahr Preise, weil er Gemeinschaftsprojekt ist und Events dort stattfinden können. „Aktive legten ihn in den 2000ern an, als jede Großstadt, die etwas auf sich hielt, ein Urban Gardening als Vorzeigeprojekt etablieren wollte“, sagt Buchholz. „Trotz Gegenwind von einigen, die glaubten, man brauche das nicht, stiftete die Stadt Paletten und Erde für die Aktiven, die ausprobieren sollten, was daraus wird. Als man das Projekt offiziell beendete, war es bereits so gut angenommen worden, dass es längst Selbstläufer war.“ Die Aktiven führen das Projekt heute weiter. Die Schadstoffbelastung unter dem Pflaster stellte sich als Irrtum heraus. Buchholz brauchte drei Jahre, um den Blauregen durchs Pflaster wurzeln zu lassen, inzwischen ist er Wucherprojekt.
Buchholz führt vorbei am „echten Miró“ am Hackmuseum, dem Stolz der Stadt, denn jede Kachel wurde von dem international bekannten Künstler in den 70ern eigens glasiert und gebrannt. Der gegenüberliegende Pfalzbau lädt Ensembles aus Europa ein und verzeichnet ausverkaufte Theater- und Tanzveranstaltungen. Auch der Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz ist beste Lage für Vittoria und Alex – trotz Toto-Lotto-Kiosk, Dönerbuden und Barbier in direkter Nachbarschaft. Das zeige, dass Durchmischung an Gastronomieangeboten gut funktioniere, sagt Buchholz. Ähnliches mache sich auf dem Messplatz in Mannheim bemerkbar, wo ein Café seit Jahrzehnten brummt.
Der Platanenhain, den Demonstranten und selbst Befürworter des Metropolhochhauses vor Bestrebungen des damaligen Investors retteten, zählt zu den Wahrzeichen der Stadt. Investor Timon wollte dort ein Parkhaus errichten. Man einigte sich auf eine Tiefgarage, die Platanen sollten zunächst versetzt und später wieder auf die Garage rückbepflanzt werden. „Das hätten die Bäume sicher nicht überlebt“, sagt Buchholz. „Nach der Insolvenz ist ihre Zukunft gesichert. Der neue Investor will damit nichts anfangen.“ Das einstige Boules-Paradies, das früher von Blumenbeeten durchzogen war, könnte nach Abbau der Bauzäune wieder eine der schönsten Ecken werden.
Rheinufer fasziniert Besucher
„Wenn Orte dazu veranlassen, zu sagen, Ludwigshafen könnte mehr Selbstbewusstsein haben, dann ist es das Rheinufer, das sich über 6 bis 7 Kilometer erstreckt. Viele Städte wollen an den Fluss rücken, bauen ihre Stadtlandschaft dafür um und wären froh, eine Promenade von dieser Länge durchgehend im Stadtgebiet zu haben“, sagt Buchholz. Er hält es für möglich, die Orte, wo viel Kunst im öffentlichen Raum zu entdecken ist, für Weinpräsentationen der Winzergenossenschaft zu nutzen. Für Feste und Festivals wird die Promenade bereits genutzt. Kunstwerke und ein historischer Kran säumen das Ufer, der auch als Besprechungsraum nutzbar ist. Die Stadt hofft, dass hier irgendwann Ausflugsschiffe anlegen wie in Mannheim. Beliebter Treffpunkt sind auch die großen Treppen des Rheinmarktgeländes, wo in diesem Jahr erneut eine Beachbar Quartier bezogen hat, die bislang sehr gut besucht ist. Der Betreiber hat den Platz angelegt, Hotel und Rhein-Galerie bauen lassen.
Zu den schönsten Plätzen gehört für Buchholz auch der Platz am Rheinende der Kaiser-Wilhelm-Straße, der durch den Wegfall von Parkräumen und dem Vorplatz der Bank Potenzial hat, entwickelt zu werden. Die Tour endet auf dem Ludwigsplatz, wo das denkmalgeschützte Casa di Laul steht, das vom Bahnhofsvorplatz versetzt wurde. Für den Bildhauer ist klar, dass der Platz mit Plastikenweg und den Bäumen, von denen einer noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, der schönste im Stadtgebiet ist. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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