Leserreise: Pfälzer Humor auf der MS Gloria
Spitz und Stumpf begeistern Publikum
- Spitz und Stumpf begeisterten ihr Publikum auf der MS Gloria.
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Die Leserkreuzfahrten von SÜWE und DERTOUR setzen von Anfang an auf Lokalkolorit. Ob Donau, Mosel oder Rhône: Ein Stück Pfalz reist immer mit. Dazu gehört ein Weingut, das seine edlen Tropfen präsentiert – diesmal Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan (wir berichteten) – sowie Künstler aus der Region.
In diesem Jahr, bei der 20. Flusskreuzfahrt, hatte das legendäre Duo Spitz und Stumpf zum zweiten Mal seine Bühne. Es brauchte keine große Überredungskunst, um die Originale von einem Auftritt auf der MS Gloria zu überzeugen.
Zwar haben Bernhard Weller und Götz Valter, die Spitz und Stumpf von 1995 bis 2022 verkörperten, ihre Alter Egos schon in Rente geschickt, um sich gemeinsam anderen Projekten zu widmen. Doch manchmal treten sie noch mit einem Best-of-Programm aus den vergangenen 30 Jahren kreativer Schaffenskraft auf.
Daher war ein Großteil des Publikums mit den beiden schon vertraut und wartete voller Vorfreude auf diesen Höhepunkt im Abendprogramm der Leserreise. Einige Gäste verrieten sogar, dies sei ein Kriterium für ihre Reisebuchung gewesen.
Für alle, die das kongeniale Duo noch nicht kennen: Friedhelm Spitz war 30 Jahre bei der BASF beschäftigt, Aniliner durch und durch, und er weiß alles (besser). Nach seiner Entlassung, die seine Kostenminimierungsvorschläge zur Folge hatten, arbeitet er als „Consultant“ bei seinem Freund Eicheen (auf Hochdeutsch: Eugen) in dessen „Woigut“ Stumpf.
Doch der Eicheen ist weit mehr als nur Weingut-Besitzer. Er ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Als Hobbybiologe und Erfinder von „Stumpfs Tierleben“ bringt er auf „Südpfalz TV-Büchelberg“ dem interessierten Zuschauer regelmäßig die heimische Tierwelt näher. In seinen Beiträgen erklärt er Viehzucht auf Verkehrsschildern, hupsende Hirsche oder die Pfälzer Alltagsfliege.
Die beiden Pfälzer Kunstfiguren Spitz und Stumpf glänzten auf der MS Gloria einmal mehr durch Wortwitz und Mimik. Ihr Können bewiesen sie mit Pointen, indem sie aktuelle Anekdoten von der Reise humorvoll und spontan in ihr bestehendes Programm integrierten.
Peter Hausch und Ulrich Arndt auf der Bühne
Zu Beginn ihres Auftritts baten sie die beiden Macher des Erfolgsformats Flusskreuzfahrt auf die Bühne: Peter Hausch (DERTOUR-Reisebüro Neustadt) und Ulrich Arndt (langjähriger SÜWE-Chefredakteur). Die vier Herren haben eines gemeinsam: Sie sind mittlerweile alle in Rente. Ihren Humor bewiesen Arndt und Hausch durch ihre mutige Bereitschaft, bei der „Pälzer Nationaloper“ mitzumachen.
Kurz zusammengefasst ging es bei dem Sängerstreit in der Vorderpfalz, den Spitz und Stumpf auf dem Weingut entdeckt haben, um den landwirtschaftlichen Anbauzwist einzelner Gruppierungen, die regionstypischen Pflanzen kultivieren: Kartoffeln, Tabak, Rüben und Spargel unter Berücksichtigung der Bewässerung der vorderpfälzischen Felder. Uff Pälzisch: Grumbeere, Duwak, Riewe un‘ Sparschel – pfpfpftpfpf…
Und so wurden die Teilnehmer der Leserreise Zeugen und zugleich auch Teil der vielleicht weltweit einzigen Oper mit dreistimmigem Kanongesang (das Publikum), unterstützt von den Solisten Arndt und Hausch. Dirigiert wurde das epochale Monumentalwerk selbstverständlich von Spitz und Stumpf. Die Lobby der MS Gloria wurde einige Minuten von fröhlichen Dissonanzen erschüttert.
„Weil sich Uli und Peter 20 Jahre ins Delirium geplant und heute gesungen haben“, stellten Bernhard Weller und Götz Valter fest, „dürfen sie sich jetzt auch noch in selbiges trinken.“ Als Dank überreichten sie den Vertretern von SÜWE und DERTOUR je eine Flasche des gleichnamigen belgischen Bieres.
Über Warteschlangen vor der Getränkeausgabe
Die Zuschauer quittierten sowohl die Lebensweisheiten des Duos („Schlierwolke über de Fuchslocher Drift, ma‘ kann warte bis es schifft“) mit herzlichem Lachen als auch deren messerscharfe Beobachtungen über die Entstehung langer Warteschlangen vor der Getränkeausgabe auf einer Pfälzer Hütte.
Doch das kongeniale Duo genießt nicht nur das Leben – nein, die beiden kämpfen auch für ihre Überzeugungen. Dafür gründen sie sogar einen Verein. Mit dem „Schorlezirkel e.V.“ demonstrieren sie unter dem Motto: „Das Viertel ist bedroht!“. Ihren Protest bekräftigen sie mit einem Rap: „Hej, hej, hej, isch will ä Väddel un‘ käää 0,2!“
Wie gut diese moderne Musikrichtung mit der „Pälzer Schbrooch“ harmoniert, zeigte sich auch bei den Songs „Der Knobb isch abgerobbt“, „Wehe mein Zucker geht in den Keller, isch brauch dringend ein Pälzer Deller“ oder „A-U-A-Meee. Kamma mache wamma will awwa losse kammas aa.“
Nach einem fast zweistündigen Programm voller Sprachwitz, Spielfreude und regionaler Identität legte Götz Valter als Zugabe eine gelungene Persiflage auf Marcel Reich-Ranicki und Helmut Kohl nach. Den stimmungsvollen Schlusspunkt setzte schließlich der „Duddesubbsong“, der natürlich nicht fehlen darf.
Einmal mehr zeigte sich an diesem unterhaltsamen Abend auf der MS Gloria, bei dem Bernhard Wellers Frau Elke für den reibungslosen Ablauf, Licht, Ton und Technik sorgte: Spitz und Stumpf gehören immer noch zu den beliebtesten Kabarett-Duos der Region, die ihr Publikum in Pälzer Schbrooch begeistern. Und welch ein Glück, dass Bernhard Weller und Götz Valter neben ihren anderen Projekten die beiden Pfälzer Originale immer wieder aus dem Ruhestand holen.
Autor:Volker Widdrat aus Ludwigshafen |
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