Leserreise auf dem Rhein
Mit der MS Gloria nach Brügge und Gent
- Mittelalterliches Brügge.
- Foto: Volker Widdrat
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Am Gründonnerstag ankerte die MS Gloria mit den Teilnehmern der Leserreise von SÜWE und DER-Reisebüro im niederländischen Schoonhoven. Die Passagiere hatten von dort die Gelegenheit zu einer geführten Tour nach Rotterdam oder auf eigene Faust nach Dordrecht oder Gouda zu fahren. Am Abend nahm das schwimmende Hotel dann Kurs auf Belgien. Gent war der nächste Hafen, wo die Teilnehmer von Bord gehen konnten.
Ausflugsmöglichkeiten in Belgien
Es gab die Möglichkeit, zwischen zwei Ausflügen zu wählen: Während ein Teil der Gruppe Gent erkundete, machte sich der andere Teil mit dem Bus auf den rund einstündigen Weg ins mittelalterliche Brügge, auf das im Folgenden der Schwerpunkt des Berichts liegt. Obwohl Belgien aufgrund seiner Geschichte katholisch geprägt ist, wird dieser Tag dort nicht als Feiertag begangen.
Brügge – Stadt der Kanäle und Geschichte
Brügge liegt in Westflandern und ist berühmt für eine einzigartige Mischung aus mittelalterlicher Architektur, Kunst, Geschichte, Schokolade und Kanälen. Schon der Name der Stadt, vermutlich vom altniederländischen Wort für „Brücke“ abgeleitet, deutet auf ihre Lage an zahlreichen Wasserwegen hin. Ein Besuch in Brügge fühlt sich an wie eine Reise in eine andere Zeit – hier verschmelzen historische Gebäude, romantische Grachten und eine reiche Kultur zu einem intensiven Erlebnis.
Historischer Hintergrund
Die Stadtgeschichte von Brügge reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Im Mittelalter entwickelte sich Brügge von einem kleinen Fischer- und Handelsort zu einem der wichtigsten Handelszentren Europas. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert war Brügge berühmt für den Textilhandel, insbesondere Wolle, und Mitglied der Hanse, eines mittelalterlichen Handelsnetzwerks. In dieser Zeit entstanden die typischen Gassen, Kanäle und prächtigen Bürgerhäuser, die bis heute das Stadtbild prägen.
Ab dem 16. Jahrhundert verlor Brügge seine Vormachtstellung, weil der Zwin-Kanal versandete und andere Häfen, wie Antwerpen, den Handel übernahmen. Die erhaltene mittelalterliche Struktur machte Brügge zu einem Freilichtmuseum der Geschichte. Im 19. Jahrhundert begann der Tourismus und seit 2000 gehört das historische Zentrum zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Sehenswürdigkeiten in Brügge
Die Teilnehmer des Ausflugs bekamen den Belfried von Brügge zu sehen. Der imposante Glockenturm am Marktplatz ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Mit 83 Metern Höhe und 366 Stufen bietet der Belfried einen atemberaubenden Blick über Brügge. Als Symbol der Stadt gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe und erzählt von der mittelalterlichen Bedeutung Brügges als Handelsmetropole.
Der Beginenhof, gegründet 1245, ist ein ruhiger Rückzugsort für Beginen – selbstständige, religiöse Frauen des Mittelalters. Weiß getünchte Häuschen um einen idyllischen Garten laden zu Spaziergängen in historischer Atmosphäre ein. Seit 1927 dient das Areal als Kloster für Benediktinerinnen, wobei der authentische Charakter erhalten blieb.
Die Basilika des Heiligen Blutes am Burgplatz ist eine mittelalterliche Kirche mit gotischem und romanischem Baustil. Berühmt ist sie für die Reliquie mit dem Blut Christi, die jedes Jahr feierlich verehrt wird. Die Basilika ist ein beeindruckendes Beispiel für religiöse Architektur und die historische Bedeutung Brügges und war am Karfreitag ein besonderes Erlebnis.
Die Grachten verleihen Brügge den Beinamen „Venedig des Nordens“. Bootstouren ermöglichen einen einzigartigen Blick auf historische Häuser, Brücken und stille Gassen.
Brügge war ein Zentrum der flämischen Malerei, in dem Künstler wie Jan van Eyck und Hans Memling wirkten. Viele Museen, Kirchen und historische Sammlungen zeigen diese kulturelle Blüte. Die Stadt ist zudem berühmt für belgische Schokolade, Spitzenhandwerk, Glasmalerei und traditionelles Bier. Waffeln, Pommes frites und flämische Spezialitäten runden das Erlebnis ab.
Brügge ist mehr als nur ein Touristenziel. Die Stadt ist ein lebendiges Beispiel für mittelalterliche Architektur, Handelsgeschichte und kulturelles Erbe.
Gent – Mittelalter trifft Gaumenfreuden
Zwischen historischen Türmen, verwinkelten Gassen und idyllischen Kanälen zeigt sich Gent als eine der faszinierendsten Städte Belgiens. Die Burg Gravensteen erzählt von Rittern und Grafen, die Kais Graslei und Korenlei verzaubern mit ihren alten Gildehäusern, und der Belfried bietet einen atemberaubenden Panoramablick über die Stadt. Kunstliebhaber zieht es zur Saint-Bavo-Kathedrale mit dem berühmten Genter Altar, während Street-Art-Fans die bunte Graffiti-Straße Werregarenstraat erkunden.
Doch Gent ist nicht nur Kultur, sondern auch Kulinarik: Gentse stoverij, Waterzooi und der regionale Ganda-Schinken locken ebenso wie die lila Bonbons Cuberdons, handgefertigte Schokolade und belgische Biere. Gent verbindet Geschichte, Kunst und Geschmack auf unvergleichliche Weise.
Autor:Volker Widdrat aus Ludwigshafen |
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