Ehrenamtliche verschönern Kindergräber auf dem Friedhof Speyer
Engelgräber für verstorbene Kinder

Stefanie Walburg (zweite von links) gab den Anstoß für die Pflege der Kindergräber. Heute hat sie tatkräftige Unterstützung von Ehrenamtlichen, die allerdings nicht alle auf das Bild wollten. Außerdem zu sehen ist das "Gärtchen der Erinnerung".
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  • Stefanie Walburg (zweite von links) gab den Anstoß für die Pflege der Kindergräber. Heute hat sie tatkräftige Unterstützung von Ehrenamtlichen, die allerdings nicht alle auf das Bild wollten. Außerdem zu sehen ist das "Gärtchen der Erinnerung".
  • Foto: Lutz
  • hochgeladen von Julia Lutz

Speyer/Lingenfeld. Nur ein Hügel aus Erde erinnert von Juni 2016 bis Juni 2017 auf dem Speyerer Friedhof an ein Kind. Keiner hat das Grab angelegt, keiner kam, um es zu pflegen. Stefanie und Volker Walburg aus Lingenfeld können den Erdhügel nicht länger sehen. Beiden ist es zu verdanken, dass das Sternenkind Rafael inzwischen ein Grabstein hat und viele weitere Kindergräber in Speyer wieder gepflegt sind. Die Geschichte eines beispiellosen Engagements.

Rafael wäre am 21. Juni 2018 zwei Jahre alt geworden. Der Junge ist tot geboren und wurde auf dem Friedhof in Speyer anonym beerdigt. Stefanie Walburg, deren Enkelkind Elia auf dem Friedhof in Speyer seit März 2016 begraben ist, konnte das Grab von Rafael nicht mehr sehen. Ohne Blumen. Nur ein Grabhügel. „Es tat mir im Herzen weh“, sagt Walburg. Vor über einem Jahr ging sie zum Friedhofsbüro in Speyer und erkundigte sich, was es mit dem Erdhügel auf sich hat. Sie erfuhr, dass unter dem Hügel das Sternenkind Rafael liegt. Das wollte und konnte sie nicht glauben. Seit diesem Tag ist auf dem Speyrer Friedhof viel passiert. Sie gründete auf Facebook die Gruppe „Hilfe für das Sternenkind Rafael“ (inzwischen „Hilfe für das Sternenkind Rafael und andere Sternkinder“). Gemeinsam mit ihrem Mann Volker und ihrer Tochter Marlene erhielt Stefanie Walburg die Erlaubnis von der Friedhofsverwaltung, sich um das kleine Grab zu kümmern. „Was daraufhin passierte, hat uns überwältigt“, sagt Walburg. „Es ist einfach schön“.

Hilfe kommt von allen Seiten

Hilfe und Unterstützung gibt es zum Glück von vielen Seiten. Jochen Schumacher, ein Römerberger Blumenhändler, hat sofort reagiert und das Grab vom Unkraut befreit, berichtet Stefanie Walburg. Bis heute unterstützt er die Ehrenamtlichen mit Blumenspenden. Friedhofs-Mitarbeiter haben die erste Grabeinfassung für Rafael angefertigt und auch andere Friedhofsbesucher unterstützen das Engagement. Sie bringen Engel, Kerzen, Blumen und anderen Grabschmuck. Sie jäten Unkraut, sie pflanzen Gräber neu an und sie gießen Blumen. Das Blumenhaus Burkard in Speyer unterstützt die Ehrenamtlichen mit Blumenspenden. Inzwischen hat die Facebook-Gruppe fast 200 Mitglieder. Ein Teil dieser Mitglieder ist aktiv und pflegt nun auch Kindergräber der Grabfelder 19, 32 und 33. Dafür werden noch Paten gesucht, die sich anschließen möchten. Durch die Blumenspenden entstehen den Paten auch keine Kosten. Sie sollen aber die Gräber neu anpflanzen und gestalten. Insgesamt rund 50 Kindergräber werden nun von der Gruppe betreut. Alles geschieht nur in Absprache mit dem Friedhofsbüro. Außerdem handelt es sich dabei um abgelaufene Gräber. 
Für die Mithilfe sind die Walburgs sehr dankbar. Die Arbeit an den Gräbern habe ihr selbst geholfen, die Trauer um ihr Enkelkind besser zu verarbeiten. Auch wenn der Schmerz darüber nie vorbei geht. Mittlerweile sind sie und ihr Ehemann fast jeden Tag auf dem Speyrer Friedhof. „Kinder können nicht vorsorgen. Sie haben einen Namen und ein Grab verdient“, sagt auch Volker Walburg. Auch das Armengrab der Erwachsenen berührt die Gruppe. „Wir haben aber keine 50 Hände. Außerdem können Erwachsene vorsorgen“, sagt Walburg. Über die Eltern der Kinder wissen die Gruppenmitglieder meistens nichts. „Wir wollen auch kein Hintergrundwissen, sonst wird es emotional schwer“, sagt eine Mitstreiterin. Sie könnten nicht verstehen, wenn Eltern die Gräber nicht pflegen. Aber es werde niemand verurteilt. So weiß Steffi Walburg beispielsweise auch, dass von einem Kind die Eltern ausgewandert sind. Einmal in Monat treffen sich die Teilnehmer. Einige von ihnen haben selbst ein Kind verloren. Das gemeinsame Schicksal verbinde.
Deshalb wurde nun auch das „Gärtchen der Erinnerung“ angelegt. „Das ist ein Ort, um Innezuhalten. Hier kann man an verstorbene Kinder und Erwachsene denken“, sagt Walburg. Jeder der möchte, kann dort etwas Kleines hinlegen, hinstellen oder eine Kerze anzünden für einen Menschen, den er vermisst. jlz

Info
Das Gruppentreffen ist auf dem Friedhof in Speyer (Grabfeld 19) jeden 1. Samstag im Monat um 16 Uhr. Ein Kontakt kann auch über die Friedhofsverwaltung Speyer hergestellt werden oder natürlich durch Beitritt in die Gruppe „Hilfe für das Sternenkind Rafael und andere Sternenkinder“ auf Facebook.

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