Karlsruher FV feiert emotionale Rückkehr auf eigenen Platz
- Im Archiv von Kurt "Kaddel" Ehrmann (1922 bis 2013), dem deutschen Nationalspieler, der von 1945 bis 1949 für den Karlsruher FV und den VfB Mühlburg spielte
- Foto: www.jowapress.de
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Karlsruhe. KFV. Der deutsche Meister von 1910 hat wieder eine feste Heimat! Nach langem "Kampf im Exil" schlägt der Karlsruher FV (KFV) am Joachim-Kurzaj-Weg 5 ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf.
Am Sonntag, 31. Mai 2026, steigt die Einweihung mit einem Doppel-Heimspiel.
Heimkehr eines Traditionsvereins, immerhin Deutscher Meister
Es ist ein Meilenstein für den ältesten Fußballverein Süddeutschlands, gegründet 17. November 1891 von Fußballpionier Walther Bensemann. Denn jahrelang musste der KFV - Karlsruher nennen ihn gerne auch "Ka-Vau" - als "Gast" in der eigenen Stadt unterwegs sein. Hintergrund war, dass der Verein seine ursprüngliche Anlage (von 1904) verloren hatte, nachdem sich auch im Karlsruher Rathaus niemand für die Idee erwärmen konnte, die traditionsreiche Anlage - den KFV-Platz an der Telegrafenkaserne (Moltkestraße) - Ort auch traditioneller Fußballspiele in Deutschland, für den Verein und die Fußbaallkultur zu erhalten. Immerhin war und ist der KFV Keimzelle deutscher Fußballkultur!
1905 wurde der Platz unter Schirmherrschaft von Prinz Max von Baden eingeweiht, mit einem 8 zu 0-Erfolg über den FC Zürich! Später kamen Tribünen und Klubhaus hinzu, der Verein wuchs - und wurde 1910 Deutscher Meister! Im Halbfinale dieser Meisterschaft gab es vor 8.000 Zuschauern einen 2 zu 1-Sieg im Karlsruher Stadtduell gegen den Titelverteidiger Phönix Karlsruhe! Von diesem Spiel existiert die älteste erhaltene Filmaufnahme eines Fußballspiels in Deutschland. Dazu hat der Karlsruher FV, der übrigens im regulären Ligabetrieb deshalb mit einem Stern über dem Logo spielen darf, zwei deutsche Vizemeisterschaften (1905, 1912) errungen.
Der Platz, im Zweiten Weltkrieg zerbombt, von den Amerikanern beschlagnahmt, wurde danach wieder ausgebaut - mit Stadion, doch die ruhmreiche Zeit war Vergangenheit - und der Verein hat sich an den Baukosten übernommen, konnte 1949 nur knapp einen Konkurs vermeiden. Dennoch sahen dort 35.000 Zuschauer das Viertelfinal-Wiederholungsspiel in der Meisterschaft zwischen Wormatia Worms und Kickers Offenbach (0 zu 2).
Der Niedergang des Vereins ging traurigerweise weiter, 2004 wurde er gar vom Badischen Fußballverband ausgeschlossen, weil finanzielle Auflagen nicht mehr eingehalten werden konnten. Danach war der Platz weg, der Nachbarverein FC West bekam einen Teil des Areals, der Rest wurde schlicht und einfach mit Wohnungen und Pflegeheim bebaut - Tradition aber gelöscht!
Wenigstens wird von der Stadt Karlsruhe im Umfeld des früheren Stadions an die großen Zeiten erinnert:
- mit dem Gottfried-Fuchs-Platz, 2013 benannt nach dem früheren jüdischen Karlsruher Fußballnationalspieler
- mit der Julius-Hirsch-Straße, benannt nach dem früheren jüdischen Karlsruher Fußballnationalspieler
- mit einer Erinnerungs-Stele (2010) an die Fußballtradition in Karlsruhe
Neustart in bessere Zeiten
Langwierige Verhandlungen mit Behörden, Hartnäckigkeit und etliche Anträge später: In Karlsruhe-Grünwinkel bezieht der Verein nun (wieder) ein eigenes Vereinsgelände. Bis zum Anpfiff am Sonntag steckte die "KFV-Familie" unzählige Stunden Arbeit und Herzblut in das Herrichten des Geländes. Mit dem Einzug in Grünwinkel knüpft der Verein an seine glorreiche Geschichte an, meldet sich nun endgültig im Amateurbereich zurück.
Großes Saisonfinale am Sonntag
Am Sonntag, 31. Mai, wird die neue "Ka-Vau"-Heimat offiziell eingeweiht. Zum Saisonfinale wartet ein Doppelheimspiel auf Zuschauer und Fans. Den Auftakt macht das zweite Team um 13 Uhr gegen SV Bosna Karlsruhe. Um 15:00 Uhr folgt der Auftritt der ersten Mannschaft gegen die FVgg Weingarten II. Für Grillgut und kühle Getränke vor Ort ist gesorgt.
Autor:Jo Wagner |
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