Insekten-Tagung in Karlsruhe: Warum Heuschrecken verschwinden
- Riesenblattschrecken zählen zu den größten Insekten der Welt.
- Foto: Uli Deck/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Karlsruhe. Viele Heuschreckenarten werden seltener, weil ihre Lebensräume verschwinden. Fachleute warnen deshalb vor einem schleichenden Rückgang wichtiger Insektenarten. Gleichzeitig profitieren einige wärmeliebende Arten vom Klimawandel.
Darüber beraten Expertinnen und Experten der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie bei ihrer Jahrestagung im Naturkundemuseum Karlsruhe. Die 18. Tagung beginnt am Freitag, 17. April. Auf dem Programm stehen unter anderem das Verschwinden regionaler Arten und Möglichkeiten zur Wiederansiedlung.
Wie viele Heuschreckenarten es gibt
In Europa leben nach Angaben der Fachgesellschaft mehr als 1000 Heuschreckenarten und 49 Fangschreckenarten. In Deutschland kommen derzeit 81 Heuschreckenarten und eine Fangschreckenart vor. In Baden Württemberg sind rund 70 Arten bekannt.
Die überschaubare Zahl macht die Tiere für Einsteiger in die Insektenkunde besonders interessant. Viele Arten lassen sich vergleichsweise leicht bestimmen.
Typische Merkmale der Tiere
Die meisten Heuschrecken besitzen Flügel. Bei einigen Arten sind sie jedoch verkürzt. Charakteristisch sind außerdem ihre kräftigen Mundwerkzeuge und die typischen Zirplaute.
Die Geräusche entstehen auf unterschiedliche Weise.
- Langfühlerschrecken reiben ihre Flügel aneinander.
- Kurzfühlerschrecken bewegen ihre Hinterbeine an den Flügeln entlang.
Trotz ihres kräftigen Gebisses beißen Heuschrecken Menschen normalerweise nicht. Der bekannte Warzenbeißer erhielt seinen Namen aus einem alten Volksglauben. Früher nahm man an, sein Biss könne Warzen heilen. Der Warzenbeißer ist das Insekt des Jahres 2026.
Viele Arten sind gefährdet
Rund ein Drittel der Heuschrecken und Fangschrecken in Deutschland gilt laut Bundesamt für Naturschutz als gefährdet. Weitere Arten stehen auf der Vorwarnliste. Manche kommen nur noch in wenigen speziellen Lebensräumen vor, etwa auf Truppenübungsplätzen.
Als wichtigste Ursache gilt der Verlust geeigneter Flächen. Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind Lebensräume wie Magergrünland, Heiden oder Halbtrockenrasen vielerorts verschwunden. Aufforstung, Gewässerbau und Bebauung haben diese Flächen stark reduziert.
Warum Heuschrecken für die Natur wichtig sind
Heuschrecken spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie zerkleinern harte Gräser und tragen so zur Bodenfruchtbarkeit bei. Gleichzeitig dienen sie vielen Tieren als Nahrung.
Vor allem Vögel und Spinnen nutzen sie als wichtige Proteinquelle. Außerdem gelten Heuschrecken als sensible Indikatoren für den Zustand eines Lebensraums. Da viele Arten ihren gesamten Lebenszyklus in einem Gebiet verbringen, zeigen Veränderungen in ihrem Vorkommen oft auch Veränderungen in der Landschaft an.
Einige Arten profitieren vom Klimawandel
Während viele Arten unter Lebensraumverlust leiden, breiten sich wärmeliebende Arten zunehmend aus. Ein Beispiel ist die Europäische Gottesanbeterin, die einzige Fangschreckenart in Deutschland. Auch andere Arten, die früher selten waren, werden inzwischen häufiger beobachtet.
Große Schäden durch invasive Heuschreckenarten sehen Fachleute derzeit nicht. Wanderheuschrecken werden hierzulande meist als Futtertiere gehalten und vermehren sich in der Natur bislang kaum.
Probleme können lokal dennoch auftreten. So kann die Maulwurfsgrille in Gärten Wurzeln oder Gemüse von unten anfressen. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |