Deutsche Nationalmannschaft ist auf dem Weg
Anreise, Testspiel, Vorbereitung & Turnier

Im Vordergrund das Nationalmuseum, dessen Fassade an eine Wüstenrose erinnertm dahinter die Skyline von Doha | Foto: www.jowapress.de
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  • Im Vordergrund das Nationalmuseum, dessen Fassade an eine Wüstenrose erinnertm dahinter die Skyline von Doha
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Fußball. Für Mannschaft, Trainer, Betreuer, Funktionäre und Team-Umfeld hat das Unternehmen in Qatar begonnen. Am Montag, 14. November, ging es mit der „Fanhansa“ (Fliegeraufdruck des „Airbus 330“: „Diversity wins“. Video-Eindrücke von Thomas Müller)

von Frankfurt aus in den Oman, ein Linienflug. Dort ist der DFB-Tross im Hotel Kempinski in Maskat, trainiert im Sultan-Qabus-Sportzentrum – und die Nationalmannschaft trifft im finalen Länderspiel vor Beginn der WM am Mittwoch, 16. November (ab 18 Uhr MEZ, live bei RTL), in Maskat auf den Oman. Gewonnen, so das schlichte Fazit beim 1 zu 0-Sieg über den Oman (Debütant Füllkrug erlöste dabei Fans und Trainer mit einem späten Tor),

Deutsche Nationalmannschaft
Angeführt wird das 26 Spieler umfassende Aufgebot (LINK zum gesamten Team) von Bundestrainer Hansi Flick von Kapitän Manuel Neuer vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Der Weltmeister von 2014 nimmt in Katar an seiner vierten WM-Endrunde teil. Neu im Kader der Nationalmannschaft sind die Angreifer Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund und Niclas Füllkrug von Werder Bremen. Außerdem kehrt Weltmeister Mario Götze von Eintracht Frankfurt (nach 2017) wieder zurück in das DFB-Team.
Erfahrenste Spieler im deutschen Aufgebot sind neben Kapitän Neuer mit aktuell 113 Länderspielen seine Vereinskollegen vom FC Bayern München Thomas Müller (118 Länderspiele) und Joshua Kimmich (70 Länderspiele), gefolgt von Götze und İlkay Gündoğan von Manchester City (62 Länderspiele).

Umzug vom Oman nach Qatar
Am Tag nach dem Testspiel geht’s dann wieder in den Flieger – und der DFB-Tross fliegt nach Doha in Qatar. Ankunft ist nicht im „normalen Bereich“ des Flughafens, denn in Qatar, einem der reichsten Länder der Welt, gibt’s am Flughafen verschiedene Terminals (auch ein eigenes für Emir Tamim bin Hamad Al Thani) und verschiedene Lounges, in denen auch die Einreiseformalitäten geregelt werden. So hat der „Hamad International Airport“ in Doha neue Platinum-, Gold- und Silver-Lounges rechtzeitig vor der WM eröffnet.

Weiter in den Norden
Zunächst sollen in der Abgeschiedenheit des deutschen WM-Quartiers Sonne und Strand dabei helfen, runterzukommen, Akkus wieder zu füllen & die Köpfe frei zu machen für das große Ziel, am 18. Dezember im Lusail Stadion den WM-Pokal in Händen zu halten. Tenor der Mannschaft dabei: „Wir werden alles dran setzen, Weltmeister zu werden.“ Immerhin ist das Team eine gesunde Mischung aus gierigen & erfahrenen Spielern.

DFB-Tross in Luxus Wellnessresort

Die Unterkunft in Qatar, das „Zulal Wellness Resort“, ist mit dem Strand mit puderweißem Sand und kristallklarem Wasser wie geschaffen für eine ruhige Vorbereitung.

Das Wellnessresort an der Küste von Khasooma, etwa eine Autostunde von Doha im Norden Qatars gelegen, erstreckt sich über 280.000 Quadratmeter und ist erst seit Juni 2020 geöffnet. „Zulal“ ist übrigens der arabische Ausdruck für „reines natürliches Wasser“ und soll die verjüngenden Eigenschaften des Wassers in diesem Teil der Wüste widerspiegeln. Für den DFB-Tross gibt’s hier genügend Platz, Trainingsmöglichkeiten, Ruhe und viele Angebote in Sachen Körper-Geist-Praktiken und Massagetechniken aus der traditionellen arabischen integrativen Medizin.

Kein Sightseeing, sondern Konzentration
Ob Moscheen, Museen wie das Museum of Islamic Art oder das Nationalmuseum, dessen Fassade an eine Wüstenrose erinnert, das vom „TIME Magazine“ übrigens als einer der „100 großartigsten Orte der Welt“ bezeichnet wird, traditionelle Bauwerke wie das UNESCO-Weltkulturerbe Al Zubarah, Souq Waqif oder das Kulturdorf Katara, Natur wie die Mangrovenwälder von Al Thakira oder das Wüstenbinnenmeer Chaur al-Udaid, Themenparks, Kamelrennen oder Dhaufahrt vor der Skyline: Viel Touristisches werden die Spieler um Thomas Müller und die Neulinge Youssoufa Moukoko und Niclas Füllkrug wohl kaum Sightseeing in Qatar unternehmen, dabei ist das Land überschaubar groß, denn es konzentriert sich fast alles um Doha.

Qatar hat im Vorfeld der WM neben der Entwicklung ganzer Stadtteile geradezu einen touristischen Sprung gemacht, hat sogar eine selbstfahrende U-Bahn errichtet, die Doha zum Beispiel mit dem Spielort Al Wakra verbindet, hat Stadien ausgebaut und sechs neu errichtet, unter anderem das Stadion 974, ein temporärer Bau am Rande von Doha, für den 974 Schiffscontainer verbaut wurden, und das nach der WM wieder abgebaut wird. Zahlreiche "Promi-Botschafter" sollen gerade vor der WM auch Lust auf das Land machen.


Entwicklung des Landes

Noch Mitte des 20. Jahrhundert war Qatar nicht gerade ein bevorzugtes touristisches Ziel, hatte wenige internationale Hotels, doch Schritt für Schritt wurde das Land entsprechend entwickelt - mit Unterstützung von vielen Arbeitsmigranten in allen Bereichen des Lebens in Qatar. Besonders im Vorfeld des Turniers lag der Fokus auf Arbeitsbedingungen, Stellung in der Gesellschaft und Gehalt.

Auch der DFB reagiert erst spät auf die Themen, aber immerhin wird jetzt ein besonderes Projekt unterstützt: Der DFB fördert ein "SOS-Kinderdorf" in Nepal mit einer Million Euro (auf 5 Jahre), denn rund 400.000 Nepalesen sollen in Katar arbeiten. Die nepalesische Regierung berichtete, dass es während der Bauarbeiten für die WM zu zahlreichen Todesfällen unter den nepalesischen Wanderarbeitern gekommen sei. Hier anzusetzen, sei ein Anliegen der Stiftung der deutschen Nationalmannschaft.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützt die Nationalmannschaft, benennt aber in einer aktuellen Mitteilung die "grundsätzliche Problematik der Vergabe" und "Durchführung einer Sportgroßveranstaltung": "Allein aus Gründen der fehlenden Nachhaltigkeit bei der Nutzung der Spielstätten sowie den klimatischen Voraussetzungen im Sommer der nördlichen Hemisphäre hätte eine andere Entscheidung gefällt werden müssen." Allerdings wurde diese Entscheidung schon vor Jahren getroffen.

Qatar, eine absolute Monarchie, das erst 1971 seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erlangte, hat aktuell rund 3 Millionen Einwohner, jedoch sind nur rund 300.000 Katarer. Qatar hat in den vergangenen Jahren in allen Bereichen die Entwicklung vorangetrieben. Auch im Hotelsektor wurde heftig gebaut, die Hotelkapazität dabei enorm erweitert, doch so gut wie alle Hotelbetten sind über das Turnier belegt. Teilweise kommen Flieger mit Besuchern aus den Nachbarländern zu den Spielen, dazu liegt auch das Kreuzfahrtschiff „MSC Opera“ vor Doha – als Hotelschiff. Bis zum 19. Dezember liegen die „MSC World Europa“ und die „MSC Poesia“ dort, so dass die Bettenkapazität noch einmal erhöht wurde. Allerdings mit dem Nachteil, dass keine anderen Kreuzfahrtschiffe, die sonst hier anlegen, in diesem Zeitfenster nicht nach Doha kommen können.

Vorbereitung & Turnier
Ab Samstag, 19. November, („Match-Day minus 4“, wie es der Bundestrainer nannte) wird dann im Al Shamal Stadion trainiert – und am 23. November (ab 14 Uhr MEZ, live in der „ARD“ und bei „Magenta TV“), starten die Deutschen dann mit ihrem Auftaktspiel in der Gruppe E im Khalifa-International-Stadion in ar-Rayyan gegen Japan in die WM. Es folgt das Duell mit Spanien am 27. November (ab 20 Uhr MEZ, live im „ZDF“ und bei „Magenta TV“) im Al-Bayt-Stadion in al-Chaur. Am 1. Dezember (ab 20 Uhr MEZ, live in der „ARD“ und bei „Magenta TV“) steht das abschließende Vorrundenspiel abermals im Al-Bayt-Stadion gegen Costa Rica an – und das soll eine gute Ausgangslage für das weitere Turnier geben.

Akzeptanz des Turniers bei Fans geringer
Schauen oder nicht schauen? Voraussichtlich werden die Deutschen durchschnittlich rund zehn Minuten ihres Arbeitstages für die WM aufwenden. Arbeitgeber dürfte dies jedoch freuen: Denn im Vergleich zu den Weltmeisterschaften 2010 (28 Minuten), 2014 (13 Minuten) und 2018 (16 Minuten) wurde nie weniger Arbeitszeit für "WM-Zwecke geopfert" als bei dieser WM, so eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim. Das gesunkene Interesse der Deutschen an der WM  macht sich auch wirtschaftlich bemerkbar, denn es werde weniger Arbeitszeit für den Fußball geopfert: Zu diesem Ergebnis kommt die Studie von Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim.

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Autor:

Jo Wagner

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