Große Razzia gegen rechtsextremen Verlag: NS-Material sichergestellt
- Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat mit Unterstützung der örtlichen Behörden Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. (Archivbild)
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Großeinsatz. Karlsruhe und mehrere weitere Orte sind von einer bundesweiten Razzia gegen einen rechtsextremen Verlag betroffen. Ermittler haben Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht und umfangreiches NS-Material sichergestellt.
Ausgangspunkt der Ermittlungen ist die Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt wurden am Dienstag, 11. März, Durchsuchungen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Parallel liefen Einsätze in Polen und Spanien. Im Fokus steht der rechtsextreme Verlag „Der Schelm“, der laut Ermittlern seit Jahren antisemitische und volksverhetzende Schriften vertreibt.
Verdacht auf hunderte Fälle von Volksverhetzung
Gegen acht Beschuldigte wird ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, gemeinschaftlich in mindestens 488 Fällen Volksverhetzung begangen zu haben. Besonders im Blick der Behörden steht ein 61 Jahre alter Mann, der derzeit in Russland vermutet wird. Festnahmen gab es nach Angaben des LKA zunächst nicht. Der Verlag äußerte sich auf Anfrage nicht.
Nazi-Material und Datenträger beschlagnahmt
Nach Angaben der Ermittler wurden in Deutschland zehn Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Hinzu kamen vier weitere Objekte in Spanien und Polen. Dabei stellten die Beamten unter anderem sicher
- NS-Devotionalien und Propagandamaterial
- volksverhetzende Druckerzeugnisse
- elektronische Datenträger und weitere Beweismittel
Nach Informationen des RBB fanden Durchsuchungen unter anderem in Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim statt. Eine offizielle Bestätigung dieser Orte lag zunächst nicht vor.
Verlag seit Jahren im Visier der Justiz
Der Verlag betreibt einen Onlineversand und soll seit mindestens zehn Jahren rund 100 Nachdrucke antisemitischer Bücher und Schriften aus der Zeit des Nationalsozialismus verbreitet haben. Darunter befinden sich auch Werke, die den Holocaust leugnen und deren Vertrieb in Deutschland verboten ist.
Bereits im Frühjahr 2024 hatte das Oberlandesgericht Dresden drei Mitarbeiter des Verlags zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Der Verlag wurde damals als kriminelle Vereinigung eingestuft. Nach den Urteilen ging der Versandhandel zunächst deutlich zurück. Ermittler gehen jedoch davon aus, dass neue Druck- und Vertriebswege aufgebaut wurden. Diese Hinweise führten nun zu den aktuellen Durchsuchungen. dpa
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |