Kultur im Blick: Erlebenswertes von Christo und Jeanne-Claude in Paris
"L'Arc de Triomphe, Wrapped"

Seile werden installiert - um zu sichern und die Kontour des Triumphbogens zu stärken
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  • Seile werden installiert - um zu sichern und die Kontour des Triumphbogens zu stärken
  • Foto: Benjamin Loyseau/Christo and Jeanne-Claude Foundation
  • hochgeladen von Jo Wagner

Paris. Über dieses Projekt wird schon eine Weile gesprochen, seit Tagen berichtet – und ab Samstag, 18. September, können Besucher Christos (als Christo Vladimirov Javacheff 1935 in Bulgaria geboren, verstarb 2020 in New York) und Jeanne-Claudes (Jeanne-Claude Marie Denat-de Guillebon, 1935 in Casablanca geboren, starb 2009 in New York) vollendetes Kunstwerk „L’Arc de Triomphe, Wrapped, Paris, 1961-2021“ erleben. Christos Wunsch entsprechend, wird das Kunstwerk von seinem Team in Zusammenarbeit mit dem „Centre des monuments nationaux“, dem „Centre Pompidou“ und der Stadt Paris „vollendet“.

Auf dem Weg zur Fertigstellung
Über 1.000 Arbeiter sind zur Realisierung des Projekts am Start, ob Handwerker oder Climber, um die Stoffbahnen an jeder der vier Fassaden des Arc de Triomphe von der Dachterrasse herabzulassen. „Wir haben den Stoff von der Spitze des Denkmals entfaltet, dies war einer der spektakulärsten Momente der Installation“, so Vladimir Yavachev, Direktor des Projekts: „‘L'Arc de Triomphe, Wrapped‘ begann lebendig zu werden und nähert sich sichtbar dem Lebenstraum von Christo und Jeanne-Claude.“

Die Fassaden an den Avenuen Wagram und Champs-Elysées waren zuerst vollständig bedeckt, am heutigen Montag, 13. September, war das gesamte Denkmal bedeckt – und danach stehen die Feinarbeiten bis zum 18. September an. „Sobald dann in der Frühe alle Seile und die letzten Details hinzugefügt wurden, werden die Zäune entfernt“, so Yavachev: „Das erlaubt dann der Öffentlichkeit, das Kunstwerk kostenlos zu sehen und auch zu berühren. Denn ihre Kunst zugänglich zu machen, war für Christo und Jeanne-Claude immer wichtig.“

Umsetzung
Dieses Projekt beruht auf der Professionalität und Handwerkskunst von rund dreißig Unternehmen, darunter viele Handwerker, die schon bei der Umhüllung von Pont-Neuf 1985 dabei waren. Ob französisches Unternehmen, spezialisiert auf den Seilzugang, das deutsche Ingenieur- und Designbüro „Schlaich Bergermann Partner“ oder das deutsche Bauunternehmen „Büro für Leichtbau“: „Unsere Aufgabe ist es, Christos Vorstellungskraft in seinen Zeichnungen zum Leben zu erwecken, die wir in dieses Projekt, indem wir das Gewebe und die Seile basierend auf unserem technischen Wissen erstellen“, so Jörg Tritthardt, CEO vom „Büro für Leichtbau“: „Jeder visuelle Schritt der Adaption seiner Zeichnungen wurde von ihm genehmigt – und es ist fantastisch, dieses Projekt zu realisieren. Es ist ein Geschenk an jeden von uns.“ Der Arc de Triomphe wird dann final in 25.000 Quadratmeter recycelbares Material gehüllt sein, ein silber-blaues Polypropylengewebe, dazu kommen rund 3.000 Meter recycelbares rotes Polypropylenseil.

Das Projekt wird übrigens vollständig durch den Verkauf von Originalkunstwerken von Christo finanziert, inklusive Vorstudien und Collagen, Modelle, Kunstwerke der 1950er und 1960er Jahre und Lithographien. Wie alle weltweiten Projekte von Christo und Jeanne-Claude erhielt es keine öffentlichen Mittel oder Förderungen - wie auch alle ihre anderen zehn Projekte in Paris nicht.

Zugang
Damit Besucher den sicher verpackten Arc de Triomphe aus nächster Nähe genießen können, wird der Place de l’Etoile an den drei Wochenenden seiner Präsentation zu einer Fußgängerzone (siehe Plan). Diese außergewöhnliche Sperrung für den Verkehr auf dem verkehrsreichen und wichtigen Place Charles de Gaulle wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt und der Préfecture de Police organisiert. Nach Aussage der Stadt galt es dabei, die Verkehrssituation, die Sicherheit und das Interesse an der Veranstaltung abzuwiegen.

Dennoch können Interessierte während der gesamten Dauer des „L’Arc de Triomphe, Wrapped“ – und dem folgenden Abbau bis zum 10. November – die Innenräume und die Panoramaterrasse des Arc de Triomphe regulär besuchen. (LINK zu Eintrittskarten)

Da es sich beim Arc de Triomphe um ein „klassifiziertes historisches Denkmal“ handelt, waren die Auflagen enorm, so begleiten unter anderem wissenschaftliche und technische Experten des Kulturministeriums die Arbeiten – und auch die „ewige Flamme“ vor dem Grab des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe brennt während des gesamten Zeitraums. Übrigens ist auch die tägliche Zeremonie des Wiederentzündens der Flamme gewährleistet, erinnert sie doch an jene, die ihr Leben im Kampf für Frankreich verloren haben.

Besuch
„L'Arc de Triomphe, Wrapped“ ist kostenlos zu erleben und zu genießen, das war schon immer wichtig. Es sind keine Eintrittskarten erforderlich, um die Arbeit zu sehen, um sich ihr zu nähern oder um sie zu berühren. Christo und Jeanne-Claude haben den Zugang zu ihren Werken in der Öffentlichkeit immer priorisiert. Über 300 Volunteers werden vor Ort sein, um Fragen der Besucher zu beantworten – und sie verteilen, wie zuvor zum Beispiel auch in New York oder in Berlin am Reichstag kostenlose Stoffmuster. Eine ganz besondere Erinnerung! Wer einen Besuch in Paris in diesem Zeitfenster einplant, sollte vielleicht nicht ein Wochenende einplanen, denn da ist der Trubel erfahrungsgemäß noch größer (passen Sie auf Taschendiebe auf!).

Eine Bahnfahrt mit dem "TGV" oder "ICE" morgens von Karlsruhe aus (LINK zum Zug) hin - am späten Nachmittag zurück: Das ist ein erlebenswerter Tagesausflug - und immerhin dauert die Zugfahrt nach Paris nur rund 2,5 Stunden! Unser Tipp: machen Sie es!

Zur Geschichte
1961, drei Jahre nachdem sie sich in Paris kennengelernt hatten, begannen Christo und Jeanne-Claude mit der Kreation temporärer Kunstwerke im öffentlichen Raum. 1961 stellte sich Christo vor, den Arc de Triomphe zu verpacken, bereits 1962/63 schuf er dazu eine Fotomontage vom „L’Arc de Triomphe, Wrapped“ – von der der Avenue Foch aus betrachtet. Dieser Entwurf ist übrigens in vielen Souvenirshops in Paris seit Jahren erhältlich, auch wenn es 1988 ein „Update“ des Entwurfs gab. Aber erst 2017 hat er begonnen, dieses Projekt aktiv zu entwickeln – und 60 Jahre nach dem ersten Enwturf wird es endlich realisiert.

Infos: christojeanneclaude.net

Autor:

Jo Wagner

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