Das Weltkulturerbe Bad Ems
Ein Magnet für die gehobene Gesellschaft

Die Silhouette von Bad Ems hat sich in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert – ein wichtiger Gesichtspunkt für die Anerkennung als Welterbe.
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  • Die Silhouette von Bad Ems hat sich in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert – ein wichtiger Gesichtspunkt für die Anerkennung als Welterbe.
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Ein außergewöhnlicher Ort: Bad Ems hat viele Geschichten zu erzählen, von Königen, Literaten, Komponisten, heilsamen Wässerchen und dem Segen einer reichen Natur. Mit all ihren Reizen ist die Kurstadt an der Lahn jüngst nun gar in den elitären Kreis berühmter Welt-Bäder aufgenommen worden – und gehört damit zugleich zum schützenwerten Erbe der Menschheit.

Es war eine Art Paukenschlag oder um es romantischer zu formulieren eine Aktion mit vitalem Schub: Wer da aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde, ist die kleine Kurstadt Bad Ems an der unteren Lahn, gerade mal eine halbe Fahrstunde vom Rheintal bei Koblenz entfernt. „Mit all den wunderschönen Villen, der Fluss-Promenade, der mondänen Bäder-Architektur wie den großen Herrschaften, die hier weilten, können wir mit Marienbad, Vichy, Baden-Baden oder Bath in England ebenbürtig mithalten“, fasst Renate Dänzer zusammen, was vor einem Jahr für eine Art Renaissance in der eher in Vergessenheit geratenen Kleinstadt, gelegen im Westerwald und am westlichen Ende des Taunusgebirges, sorgte.

„Seit wir zu den Great Spa Towns of Europe gehören und damit mit anderen zehn Welt-Bädern Teil des Weltkulturerbes sind, das hat die Menschen hier vor Ort, aber auch der Region ganz neu belebt“, hebt sie auf die Impulse ab, die durch die höchste internationale Auszeichnung, die einer Kulturstätte zuteilwerden kann, ausgelöst wurden. „Kurzurlauber, Wochenend-Ausflügler, vermehrt Besucher aus den Nachbarländern und gesundheitsbewusste Leute finden neuerdings verstärkt zu uns“, bekundet die Gästeführerin, dass das einstige Heilbad, die „Sommerresidenz Europas“, zusammen mit der Ferienregion Bad-Ems-Nassau „wieder ein bisschen an die legendären, goldenen Zeiten anknüpfen kann. „Zu sehen und zu erfahren gibt es jedenfalls reichlich“, führt sie uns zurück in die vergangenen Jahrhunderte, von den Römern über die Badekultur des ausgehenden Mittelalters bis zu den Monarchen und Literaten des 19. Jahrhunderts, den politischen Wirren der Kaiserzeit und der Heilkraft der Thermalquellen.

Hoch über der Flussbrücke, auf der die historische Führung startet, befindet sich auf dem Wintersberg (herrliche Aussicht) eine Rekonstruktion eines römischen Wachturms des Limes, der an dieser Stelle vorbeiführte. Neben den Eindrücken, die der ehemalige Grenzwall (seine Überreste bilden das längste Bodendenkmal Europas) vermittelt, kann man der römischen Zivilisation zudem im Kur- und Stadtmuseum begegnen. „Allerlei Artefakte, Münzen und Amphoren, Baumodelle und vieles mehr lassen den Alltag jener Tage lebendig werden“, empfiehlt sie uns einen späteren Besuch der liebevoll gestalteten Ausstellung (Eintritt frei).
Ein paar Minuten später gibt’s den nächsten Halt auf dem Weg ins historische Kurviertel. Ein paar Stufen geht’s noch abwärts, dann dürfen wir uns ein mineralienreiches Schlückchen aus der Römerquelle gönnen, bevor es zum berühmtesten „Wässerchen“ direkt gegenüber weitergeht.
Dauergast Kaiser Wilhelm I. soll es besonders gemocht haben, deshalb spazieren wir in der Brunnenhalle (sie gehört zum im 18. Jahrhundert erbauten, geschichtsträchtigen Grand Hotel) zielstrebig zu der Stelle, wo das „Emser Kränchen“ hervorsprudelt. „Es macht bis heute Schlagzeilen. Vor ein paar Jahren fand man gar ein Gefäß mit erhaltenem Etikett in der Wüste Nevada in den USA“, berichtet Renate Dänzer von der Erfolgsgeschichte des abgefüllten Tafelwassers vor über 100 Jahren, wovon jährlich über zwei Millionen Liter davon in Steinzeug-Krügen in alle Welt exportiert wurden.

Nur ein paar Schritte später betreten wir eine andere „Berühmtheit“ – diesmal in baugeschichtlicher Hinsicht. „Dieses Schmuckstück ist bis heute das kulturelle Zentrum unserer Stadt und bildet einen Teil des Kursaalbaus“, folgen wir Renate Dänzer in eine große Halle, in den nach römischem Vorbild errichteten Marmorsaal, in dem es glänzt und glitzert. „Alles was Rang und Namen hat, vergnügte sich hier zwischen Säulen aus Lahn-Marmor und Wandmalereien bei großen Konzerten und Theaterstücken, beispielsweise des Komponisten Jacques Offenbach und seiner Truppe Bouffes Parisiens“, lässt sie die Glanzzeiten, in denen in Bad Ems im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bedeutende Künstler, Musiker, Schriftsteller und der (Geld-) Adel ein- und ausgingen, ein wenig Revue passieren.

Hoch attraktiv war das malerische Städtchen an der Lahn, das seit einigen Jahren in den Naturpark Nassau integriert wurde, bei russischen Besuchern. „Zu Gast waren jährlich Hunderte von Russen, darunter die Zarenfamilie. Das war nach den Franzosen die zweitgrößte Gruppe“, erfahren wir auf dem Weg zur russisch-orthodoxen Kirche auf der anderen Flussseite. Das stattliche Gotteshaus mit Goldkuppel war einst als Badekirche für die Kurenden aus Osteuropa geplant worden, und dient bis heute russisch-stämmigen Bewohnern in und um Bad Ems weiterhin als Gemeindezentrum.

Rechts und links davon können wir zum Abschluss der gut zweistündigen Runde noch einige schlossähnliche Villen bestaunen. „Im Schloss Balmoral verbrachte Richard Wagner hier seine Sommerfrische und arbeitete an seiner Oper Parsifal und war damit in bester Gesellschaft, denn Dostojewski gefiel es hier auch besonders gut“, erwähnt Renate Dänzer den viermaligen Aufenthalt des in Moskau geborenen Schriftstellers, „der in dieser Zeit an seinem namhaften Werk die Brüder Karamasow schrieb und sich zugleich um seine Gesundheit kümmerte“, zitiert sie aus einem seiner Briefe: „Und natürlich, das sehe ich jetzt ganz klar, wäre ich, wenn ich im vergangenen Sommer nicht in Bad Ems gewesen wäre, sicher im vergangenen Winter gestorben.“

Neugierig geworden auf das wohltuende Lebenselixier der Emser Quellen, geht’s zum Ausklang noch alleine in die nahe gelegene Emser Therme, eine der modernsten in ganz Deutschland, wo uns eine moderne, lichtdurchflutete Anlage empfängt, deren Baukörper ähnlich wie Kieselsteine am Flussufer entlang geschichtet sind. In der weiträumigen Badehalle und in den Thermen-Bereichen können wir relaxed nachfühlen, was es wohl mental und körperlich gewesen sein muss, was Kaiser, Zaren & Co. zum wiederholten Kuren verführt hat.

Noch ein paar Facts:

Heilsam: So ganz ein Kind des 19. Jahrhunderts ist die Emser Badekultur aber nicht, ist beim Historiker Hans-Jürgen Sarholz nachzulesen, der sie im späten Mittelalter verwurzelt sieht: „Seit dem späten 14. Jahrhundert sind wir ununterbrochen als Heilbad bekannt und genutzt. Das ist wichtig zu betonen. Es ging nicht erst mit Kaiser Wilhelm im 19. Jahrhundert los. Wenn im 15. Jahrhundert die Kurfürsten, der Erzbischof von Trier, von Mainz, von Köln in Bad Ems zu Gast waren – das ist die politische Elite des damaligen Heiligen Römischen Reiches, und die wären ja nicht nach Bad Ems gekommen, wenn es nicht schon damals seinen Ruf gehabt hätte, und zwar den Ruf, mit seinen heißen Quellen heilsam zu wirken gegen Atemwegs-Erkrankungen. Die aus Emser Salz gepressten Pastillen sind auch heute noch bei Sängern beliebt.“

Telegramm mit Geschichte: Zwischen dem Norddeutschen Bund mit Preußen an der Spitze und Frankreich schwelte ein Konflikt: Wer hatte die größere Macht? Nach einem Putsch in Spanien suchte man in ganz Europa einen neuen Thronfolger. Der preußische König Wilhelm I. und sein Ministerpräsident Otto von Bismarck unterstützten hierbei Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. Frankreich fühlte sich dadurch bedrängt, denn dieser Anwärter für den spanischen Thron stammte aus demselben Adelsgeschlecht wie der preußische König. Prinz Leopold verzichtete daraufhin auf den spanischen Thron und die Sache war für Wilhelm I. damit erledigt.
Doch der französische Kaiser Napoleon III. gab sich damit noch nicht zufrieden: er schickte einen Gesandten nach Bad Ems, wo Wilhelm I. derzeit kurte. Dieser teilte ihm mit, dass der französische Herrscher vom preußischen König forderte, für alle Zeiten auf den spanischen Thron zu verzichten. Das lehnte Wilhelm I. aber höflich ab.
In einem kurzen Schreiben, Emser Depesche genannt, informierte der König seinen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck über das Treffen und den Ausgang der Gespräche mit dem französischen Gesandten. Bismarck selber kürzte daraufhin die königliche Emser Depesche und ließ sie veröffentlichen. Sie war nun viel schärfer im Ton und Frankreich fühlte sich gedemütigt.
Die französische Öffentlichkeit war aufgebracht, in Deutschland war man begeistert von diesem diplomatischen Schachzug. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Das passte ganz genau in Bismarcks Pläne. Preußen, das Mitglied des Norddeutschen Bundes war, musste sich nun verteidigen und bekam Unterstützung von den süddeutschen Staaten. Der Rest Europas verhielt sich neutral. Frankreich stand ganz alleine da. Preußen gewann den deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Die Folge war die Gründung eines geeinten deutschen Kaiserreichs. (Quelle WDR)

Text und Fotos Daniel J. Basler

Touristische Infos zu Bad Ems, dem Lahntal und der umliegenden Region gibt es unter: www.badems-nassau.info und www.daslahntal.de

Autor:

Daniel Basler aus Karlsruhe

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