Saatgut für den Herbst wird jetzt in der Region geerntet
- Mit dem "EBeetle" erntet der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums die Samen der artenreichen Wiesen
- Foto: Horst Grüllmeier
- hochgeladen von Jo Wagner
Karlsruhe. Region. Dieser Tage erntet der Landschaftspflegetrupp am Regierungspräsidium Karlsruhe die Samenstände von Wiesenkräutern und Gräsern in der Region. So liefern die blütenreichen Wiesen aus der gesamten Region Saatgut, um die Vielfalt auf artenarmen Wiesen in der Region wieder zu steigern. Der Übertrag von Saatgut ist ein praktischer und aktiver Beitrag für die heimische Artenvielfalt und wird im landesweiten "Projekt Archewiesen“ von der Naturschutzbehörde umgesetzt.
„Projekt Archewiese“
Im "Projekt Archewiese" wird artenreiches Grünland erhalten, wieder hergestellt und neu angelegt. Artenreiche Mähwiesen sind europäisch geschützt: Mit dem europäischen Schutzgebietsnetz "Natura 2000" hat die EU seit 1992 die europäische Vielfalt an Lebensräumen und Arten im Auge. Neben Buchenwäldern und naturnahen Bächen gehören auch blumenbunte Mähwiesen zum Schutzgebietsnetz "Natura 2000". In Baden-Württemberg und Bayern liegen deutschland- und europaweit die meisten Mähwiesen, die sich durch einen großen Artenreichtum auszeichnen
Artenvielfalt erhalten
Artenreiche Wiesen liefern einen Beitrag zur heimischen Artenvielfalt, sind wichtig für den Bodenschutz und die Bodenfruchtbarkeit, den Trinkwasser- und Klimaschutz und bereichern darüber hinaus das Landschaftsbild. Im Projekt wird Saatgut von artenreichen Wiesen (Spenderflächen) gewonnen. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Druschverfahren, Bürstenverfahren und Handsammlung. Die Vorbereitung der artenarmen Empfängerflächen umfasst die Bodenbearbeitung, die Entfernung von Unkraut und die gezielte Entfernung von unerwünschten Arten.
Reife der Samen gibt den Takt vor
Die Ernte findet in diesen Tagen unter anderem bei Marxzell, Ortsteil Schielberg, im Naturschutzgebiet Albtal und den Seitentälern, dazu bei Mosbach, im Naturschutzgebiet Nüstenbachtal, bei Ölbronn-Dürrn und Ötisheim und im Naturschutzgebiet Gründelbachniederung. Die unterschiedlichen Zeitpunkte sind durch die Reife der Samen bedingt. Für den Ernteerfolg ist nämlich der Zeitpunkt entscheidend. Die meisten Samen sind gut ausgereift, wenn die weißen Margeriten am Verblühen sind.
Jetzt fahren bei trockenem, sonnigem Wetter die Mitarbeiter und MItarbeiterinnen des Landschaftspflegetrupps mit dem "EBeetle" über die ausgewählten Wiesen und ernten die Samenstände ab. Der "EBeetle" ist eine Spezialmaschine für die Samenernte von Wiesen, bürstet die reifen Samen aus der Wiese heraus. Die gesammelten Samen werden vom Sammelbehälter aus auf weiße Leinentücher ausgebreitet. Kleine Insekten können wieder in die umliegenden Wiesen flüchten und werden nicht eingesammelt. Der Landschaftspflegetrupp bringt das Saatgut anschließend in den eigenen Bauhof zum Trocknen.
Ab September wird das Saatgut von Hand auf ausgewählten Flächen ausgebracht, auf denen bisher nur sehr wenige unterschiedliche Kräuter wachsen. Neben der Aussaat wird im Herbst auch noch eine zweite Ernte stattfinden. Hier werden Samen von spätblühenden Wiesenkräuter, wie zum Beispiel vom Großen Wiesenknopf gesammelt. Auf einigen Flächen werden Samen spezieller Pflanzenarten auch mit der Hand geerntet.
Der Übertrag der Samen heimischer Wiesenpflanzen auf artenarme Fläche ist ein schneller und erfolgreicher Weg die heimische Artenvielfalt zu stärken. Schnell, weil viele Samen von Wiesenpflanzen durch Wind und Verstreuung in rund 10 Jahren nur maximal 15 Meter Wegstrecke zurücklegen würden. Mit Ernte und Aussaat können Flächen, die weiter auseinanderliegen schneller wieder artenreicher werden. Erfolgreich, weil heimischen Wiesenpflanzen einer bestimmten Herkunftsregion zielgerichtet wieder genau in dieser Herkunftsregion verwendet werden und so die „richtige“ heimische Artenvielfalt weiterverbreitet wird.
Vorsicht bei "Mischungen" aus dem Baumarkt
Blühmischungen und Wiesen-Saatgut aus dem Baumarkt enthält oft Arten, die nicht heimisch sind oder aus anderen Herkunftsregionen kommen. Dies darf in der freien Natur nicht ausgebracht werden, da es zur Verfälschung der heimischen Pflanzenzusammensetzungen führt. Die Naturschutzverwaltung hat das Ziel die Artenvielfalt der jeweiligen Herkunftsregion zu stärken.
Infos unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/natur/seiten/natura2000/archewiesen/
Autor:Jo Wagner |
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