20 Jahre nach dem WM-Sommermärchen in Kaiserslautern: Stadt erinnert sich an 2006
- 2006 fanden fünf WM-Spiele in Kaiserslautern statt (Archivbild)
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Kaiserslautern. Die Fußball-WM wirkt in der Westpfalz bis heute nach. Zwei Jahrzehnte nach dem Turnier erinnern sich viele Menschen in Kaiserslautern an einen Sommer, in dem die Stadt mit rund 100.000 Einwohnern plötzlich im Mittelpunkt der Fußballwelt stand.
Fünf Spiele der Weltmeisterschaft wurden damals im Fritz-Walter-Stadion ausgetragen. Für einige Wochen wurde der Betze zu einer internationalen Bühne. Fans aus aller Welt feierten in der Stadt. Begegnungen zwischen Einheimischen und Gästen prägen bis heute die Erinnerungen an dieses Turnier.
Riskante Entscheidung für den Stadionausbau
Der damalige Ministerpräsident Kurt Beck blickt heute positiv auf die Investitionen zurück. Der Ausbau des Fritz Walter Stadions auf rund 46.000 Plätze galt damals als riskant. Aus Sicht der Landespolitik war die Modernisierung jedoch Voraussetzung dafür, dass Kaiserslautern WM-Spielort bleiben konnte.
Allerdings kam der Stadionausbau den FCK letztlich teuer zu stehen. Auf großen Teilen der Mehrkosten blieb der Club sitzen, er musste in Folge dessen sogar das bis dahin vereinseigene Stadion an die Stadt verkaufen. All das beschleunigte damals den sportlichen Niedergang der Roten Teufel. Unmittelbar vor der WM stiegen die Pfälzer zum zweiten Mal in die 2. Liga ab.
Beck erinnert sich auch an Gespräche mit Vereinslegenden des 1. FC Kaiserslautern. Dazu gehörten Fritz Walter sowie seine Mitspieler Horst Eckel und Ottmar Walter. Besonders eindrücklich blieb ein Besuch bei Fritz Walter im Krankenhaus. Der Weltmeister von 1954 habe sich sehr darüber gefreut, dass auf dem Betzenberg Spiele der Weltmeisterschaft stattfinden würden.
Infrastrukturelle Projekte beschleunigt
Das Turnier hatte auch Folgen für die Stadtentwicklung. Mehrere Projekte wurden rund um die WM beschleunigt oder umgesetzt.
- Ausbau wichtiger Straßen und Verkehrsachsen
- Modernisierung des Hauptbahnhofs und des Bahnhofsvorplatzes
- Verbesserung der Autobahnanbindung über die A63
- Anschluss an das ICE Netz
Diese Maßnahmen prägen Kaiserslautern bis heute. Beck erinnert sich etwa an die symbolische Ankunft eines ICE aus Paris. Gemeinsam mit Fritz Walter wollte er damals den Zug betreten. Die automatischen Türen öffneten sich jedoch zunächst nicht.
Fans aus aller Welt in der Westpfalz
Während des Turniers erlebte die Stadt eine internationale Atmosphäre. Selbst das spanische Königspaar besuchte ein Spiel auf dem Betzenberg. Besonders in Erinnerung blieben vielen Einwohnern die australischen Fans.
Nach dem 3:1-Sieg Australiens gegen Japan am Montag, 12. Juni, verwandelten tausende Anhänger in gelben Trikots die Innenstadt in eine große Fanmeile. Der aus der Pfalz stammende Schriftsteller Christian Baron berichtet von spontanen Begegnungen mit australischen Fans. Einige von ihnen übernachteten sogar bei ihm auf der Couch.
Erinnerung an das Sommermärchen
Auch der frühere Bundesliga-Stürmer Benjamin Auer denkt gerne an das Turnier zurück. Obwohl er damals trotz guter Leistungen nicht in den deutschen WM-Kader berufen wurde, blieb für ihn die besondere Stimmung des sogenannten Sommermärchens.
Für die heutige Landesregierung steht die WM ebenfalls für ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Ministerpräsident Gordon Schnieder und SPD-Politikerin Sabine Bätzing Lichtenthäler erinnern daran, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam gefeiert und mitgefiebert haben.
Viele Bauprojekte sind geblieben. Noch stärker wirken jedoch die Erinnerungen an Begegnungen in warmen Sommernächten. Für einige Wochen hatte der Betzenberg die Welt zu Gast. dpa/red
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |