Der Drachenlord ist kein Mobbingopfer, aber
Teil 2: Eine Betrachtung unter dem Aspekt der Behindertenfeindlichkeit

Eigentlich wollte ich es bei einem Artikel über den Drachenlord belassen, doch angesichts der jüngsten medialen Ereignisse fühle ich mich nun doch dazu veranlasst, etwas mehr Aufklärungsarbeit zu Rainer Winkler und seiner Haiderschaft zu betreiben. Ich gehe davon aus, dass ihr meinen ersten Artikel gelesen habt. Die wichtigste Erkenntnis: Rainer Winkler ist nicht der Gute und die Haider sind nicht die Bösen; beide sind eine unterschiedliche Schattierung von Grau, manche davon eine sehr dunkle.

Kenntnisse eines gewissen Podcasts sind ganz nett, aber nicht notwendig, um hier weiterlesen zu können.

Für die Ungeduldigen wieder vorab die Kernaussagen:
5. Der Konflikt zwischen Winkler und Haider konnte so ausarten, weil Rainer Winkler die Grenzen zwischen der Realität und dem Internet nicht klar gezogen hat.
6. Die öffentlichen Medien nehmen Rainer aus zwei(/drei) Gründen in Schutz: Problemorientierung, Behindertenfeindlichkeit (und einfach zu schreibendes Thema).
7. Es folgt eine Auflistung von Hilfen, die der gegenwärtige Rainer Winkler beantragen könnte, um seine Situation zu verbessern.
8. Ein kleiner Ausflug in eine alternative Realität: Wo Rainer Winkler heute sein könnte, wenn es in den 1990ern keinen Ableismus gegeben hätte.
9. Der beste Ratschlag zu der ganzen Sache liefert das Titellied der Serie ‘Eine Reihe betrüblicher Ereignisse’

Aufbau
5 Identität und Youtube als Beruf – Wer ist eigentlich der Drachenlord?
6 Die öffentliche Medienberichterstattung – Edles Motiv, fatale Folgen für die Gesellschaft
7 Eine Exit-Strategie: Mögliche Hilfen für den heutigen Rainer Winkler
8 Was wäre, wenn es in den 1990ern keinen Ableismus gegeben hätte? Hilfen für den jungen Rainer Winkler
9 Ausblick: Wie wird es weitergehen?

5 Identität und Youtube als Beruf – Wer ist eigentlich der Drachenlord?
Ich habe eine Frage: Wo hört Rainer Winkler auf und wo beginnt seine Internet-Identität Drachenlord?

Nehmen wir zur besseren Veranschaulichung James Rolfe, bekannt auf Youtube als der Angry Video Game Nerd. Der AVGN ist ein Charakter, der schlechte Videospiele spielt, viel Bier trinkt und sich beim Spielen so sehr aufregt, dass er oft besagtes Spiel am Ende eines Videos vor Wut zerstört. Dabei flucht er mehr als zehn Matrosen, die einen richtig schlechten Tag haben. Ein glückliches Leben scheint der AVGN nicht zu haben.

Das betrifft aber nur die Internet-Identität. James Rolfe selbst ist im echten Leben glücklich verheiratet, zweifacher Familienvater mit einem geregelten Leben und sehr ruhig. Er schauspielert den AVGN nur vor der Kamera. Die beiden Identitäten lassen sich hier sehr leicht voneinander trennen.
Nehmen wir einen bekannten deutschen Youtuber als ein zweites, aber weniger griffiges Beispiel: LeFloid. Bekannt geworden ist er mit den LeNews: Er kommentiert Nachrichten aus aller Welt, gibt seine Meinung dazu und lädt seine Community dazu ein, mit ihm in den Kommentaren zu diskutieren.

Wie James Rolfe, so trennt auch LeFloid seine Internet-Identität von seiner Identität im realen Leben. Florian Diedrich ist nämlich ebenfalls glücklich verheiratet und zweifacher Familienvater.

Aber wie sieht es mit Rainer Winkler und seiner Internet-Identität Drachenlord aus?
Wo hört Rainer Winkler auf und wo beginnt der Drachenlord?

Diese Grenze lässt sich schlichtweg nicht ziehen, weil Winkler kein Format zu besitzen scheint. Ich habe mir seine Videos angesehen, aber ich finde diese Grenze nicht. Winklers Kanal begann anfangs mit Heavy Metal Musik, aber davon ist in den Videos der letzten Jahre nichts zu hören oder zu sehen. Hauptthemen sind die Besucher und die Leute, die sich online über ihn lustig machen. Die Grenze zwischen realem Leben und Medium ist schwammig beziehungsweise gar nicht vorhanden.

Klassifizieren wir ‚Youtuber‘ als Beruf (auch Winkler hat es an einer Stelle einmal so bezeichnet), dann bringt das gewisse Erwartungen und Risiken mit sich. Youtuber leben von Aufmerksamkeit: Es gibt drei Gründe, jemandem Aufmerksamkeit zu schenken: Unterhaltung, Information oder gute Gefühle.

Ein Youtuber braucht üblicherweise ein Format, anhand dessen er seine Inhalte ausrichtet und Videos erstellen kann.
Ohne (ein schlechtes) Videospiel kann der AVGN keine Review machen (Unterhaltung).
Ohne Nachrichten kann LeFloid keine LeNews machen (Information).
Ohne Haider hat Rainer Winkler kein Thema, worüber er ein Video machen kann (???).

So wie Rainer Winkler/Drachenlord Hater hat, so haben auch James Rolfe/AVGN, Florian Diedrich/LeFloid oder jeder andere einigermaßen bekannte Youtuber Hater, die die Videos nicht mögen. Hater gehören zum Berufsrisiko dazu.
Nun beachte man aber einmal die Größenverhältnisse und Reichweite der Kanäle: Rainer Winkler hatte auf Youtube 220.000 Abonnenten. Der AVGN hat 3,69 Millionen Abonnenten (16x so viele wie Winkler) und LeFloid hat 2,82 Millionen Abonnenten (12x so viele wie Winkler).

Trotzdem klopft niemand bei Rolfe, Diedrich oder anderen großen Youtubern an die Haustür und verlangt Fanmanagement. Und falls doch, dann macht das nicht die Runde, weil dort erstens Datenschutz herrscht, zweitens sachlich geblieben wird und drittens: Die Hater nicht zum Format gehören. Rainer Winkler wäre tatsächlich ein Mobbingopfer (provozierender Typ), wenn er aus dem Hass, der ihm entgegenschlägt, nicht Geld machen würde. Er hat aber die Hater, die jeder einigermaßen bekannte Youtuber hat, zu einem Teil seines Formats gemacht, sodass er nicht mehr ohne sie auskommen kann. Selbst wenn es möglich wäre, alle Haider heute aus dem Internet zu verbannen, würde es durch Winklers Verhalten irgendwann wieder neue geben.

Zur besseren Veranschaulichung im realen Leben: Nehmen wir einen schüchternen Jungen in einem Gymnasium, der von einer Clique tagtäglich drangsaliert wird. Peinliche Fotos, Schupser, Herabwürdigen seiner Leistungen, kurzum alles, was echtes Mobbing hergibt.
Nun wird die Schulsozialarbeiterin eingeschaltet und gibt dem Jungen jeden Monat 8.000€, wenn er sich weiter mobben lässt.
Welche Motivation hätte dieser Junge dann, dass das Mobbing gegen ihn aufhört?
Welche Motivation hätte er noch, sich in der Schule anzustrengen, wenn er in seiner Opferrolle so viel verdient?
Würde die Clique ihn noch mehr und härter mobben?
Egal, wie man diese Geschichte betrachtet, Geld ist hier keine Lösung.

Sachlichkeit ist bei Rainer Winkler nicht zu finden. Das hat sich in seinem Gebrüll gegenüber seinen Besuchern (egal, aus welchem Grund sie gekommen sind) geäußert, das zwar das Internet amüsiert, aber sein Umfeld ordentlich genervt hat. Die Nachbarn, die ihm noch anfangs geholfen haben, indem sie die Besucher mit netten oder harschen Worten wegschickten, haben irgendwann damit aufgehört. Ihre Solidarität schlug in Teilnahmslosigkeit um und als Winkler wegzog, veranstalteten sie sogar ein Fest.

Was den Datenschutz angeht, lade ich zu einem kleinen Gedankenexperiment ein:
Was wäre, wenn Rainer Winkler ein zweifacher Familienvater wäre wie Rolfe und Diedrich?
Wie viel würden wir über seine Kinder wissen?

Antwort: Rainer Winkler lädt alles über sich ins Internet hoch und versucht, damit Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist auch eine Fähigkeit, die er perfektioniert hat. Aber es besteht ein Unterschied zwischen ‚Aufmerksamkeit erregen‘ und ‚mit Aufmerksamkeit umgehen‘.
Ich habe es in meinem ersten Artikel nicht erwähnt, weil ich meine Leserschaft mit den FSK18-Geschichten um Rainer Winkler nicht schockieren wollte. Ich belasse es dabei, dass diese existieren und von Winkler selbst ins Netz hochgeladen wurden.
Taten sprechen lauter als Worte. Anhand dessen, was auf Youtube und Erwachsenen-Seiten gelandet ist, bin ich der festen Überzeugung: Hätte Rainer Winkler Kinder, wüssten wir von diesen alles.

Datenschutz ist ein wichtiges Thema und Rainer Winkler dient in meinen Augen als ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Im Internet geistern sein Abgangszeugnis, eine SCHUFA-Abfrage und diverse Discord-(Voice)-Chat-Enthüllungen über ihn herum, die ihn in kein gutes Licht stellen. Dazu auch die meisten seiner Videos, auch wenn sein Kanal nicht mehr existiert. Es zeigt uns auf, wie mächtig das Internet als Medium sein kann. Aber auch die klassischen Medien haben Macht und wer Spiderman kennt, weiß ja, auf große Macht folgt große Verantwortung.

6 Die öffentliche Medienberichterstattung – Edles Motiv, fatale Folgen für die Gesellschaft
So paradox die Geschichte mit Rainer Winklers IQ und seines Formats auf Youtube ist, so paradox ist auch der Umgang der Massenmedien mit dem Thema. Es ist immer der gute Herr Winkler gegen das böse Haider-Kollektiv. Stets wird auf seinen Förderschulhintergrund und seine Figur eingegangen, statt sich auf die eigentliche Quelle des Hasses zu konzentrieren: sein Verhalten. Rainer Winkler könnte ein Abitur und einen Waschbrettbauch haben, seine Aussagen und sein Verhalten sind auch dann nicht zu rechtfertigen.

Es ist nicht klar, wie hoch oder niedrig besagter IQ nun bei Rainer Winkler ist. Man kann sich auch tatsächlich fragen, ob Winkler überhaupt weiß, was er da von sich gibt, weil man ihm aufgrund des Förderschulbesuchs mangelnde Bildung unterstellen kann. Das führt dann dazu, dass die öffentlichen Medien Rainer Winkler als Mensch mit Behinderung sehen und besonders in Schutz nehmen.

Erschwerend spielt hier noch mit hinein, dass erstens die klassische Schreibe von Journalisten problemorientiert statt lösungsorientiert ist und dass zweitens Menschen mit Behinderung in den öffentlichen Medien entweder als Superhelden (oft für die Bewältigung von alltäglichen Dingen, was dann lächerlich ist) oder als hilfsbedürftige Opfer dargestellt werden, die es besonders schwer haben.

Aus diesen beiden Gründen wird das Narrativ zu Winklers Gunsten ausgelegt. Böse Zungen führen als dritten Grund noch an, dass diese simple Prämisse ‘Mobbingopfer gegen Hass’ einfach zu schreiben ist.

Dieses In-Schutz-Nehmen eines ‘armen Förderschülers', ob er denn nun tatsächlich eine anerkannte Behinderung hat oder nicht, verschleiert die wahren Probleme. Im Kleinen wie im Großen. Beginnen wir im Kleinen.

Erstens wurde Rainer Winkler vom Gericht als prozessfähig eingestuft, also ist er auch geschäftsfähig. Winklers IQ ist für Geschäftsfähigkeit hoch genug, aber auch niedrig genug für verminderte Schuldfähigkeit. Aber das muss noch lange nicht heißen, dass Herr Winkler beim Versorgungsamt aufgrund seines IQ einen Grad der Behinderung (GdB) und eine anerkannte Behinderung hat.

Zweitens kann Rainer Winkler, wenn er denn eine anerkannte Behinderung hat, für diese auch Nachteilsausgleiche geltend machen. Ich zweifle aber daran, dass er GdB hat, denn hätte er sie, wäre das innerhalb der letzten Jahre bekannt geworden. Bloß weil er auf eine Förderschule gegangen ist, muss das nicht automatisch heißen, dass eine anerkannte Behinderung vorhanden ist.

Drittens sollte bedacht werden: Ein Schulabschluss ist nicht in Stein gemeißelt. Es gibt sehr viele Menschen, die nachträglich über den zweiten Bildungsweg einen höheren Schulabschluss erwerben. Es gibt immer einen Weg, sich weiterzuqualifizieren. Der IQ ist letztendlich nur eine Zahl, es kommt auch darauf an, was ein Mensch mit seinen Fähigkeiten anstellt. Ein Mensch lernt aus Notwendigkeit oder aus Überzeugung, abhängig von seinen Zielen.
Was ist Rainer Winklers Ziel im Leben? Laut seinen eigenen Worten ist es Geld verdienen. Das geht klassischerweise am besten mit Erwerbsarbeit und das ist auch mit Förderschulhintergrund, ob mit anerkannter Behinderung oder ohne, möglich.
Als positives Beispiel möchte ich hier Zichheiner ins Feld führen, der auf dieselbe Förderschule wie Rainer Winkler gegangen ist. Zichheiner hat dort seinen Hauptschulabschluss gemacht, ist anschließend Metzger geworden und ist heute Familienvater. Er hatte auf Youtube ein interessantes Video, wo er Rainer Winklers Behauptungen, er sei auf der Förderschule nur gemobbt worden, richtig gestellt hat, weil Winkler an der Förderschule kein gutes Haar ließ.

Kommen wir zum Großen. Wachstum ist möglich. Auch mit Förderschulhintergrund, ob mit oder ohne anerkannte Behinderung, kann ein Mensch in der deutschen Gesellschaft ein erfülltes und glückliches Leben führen.  Doch Menschen mit Behinderung werden heutzutage immer noch diskriminiert, ob bewusst oder, wie bei der öffentlichen Berichterstattung, unbewusst.

Rainer Winkler, egal ob er auf die Förderschule gegangen ist oder nicht, egal ob er eine anerkannte Behinderung hat oder nicht, ist ein erwachsener Mann, der als geschäftsfähig eingestuft worden ist und für sein Leben und seine Aussagen selbst verantwortlich ist. Entsprechend sollte er auch in den öffentlichen Medien so behandelt werden. Ihn aus diesen zwei(/drei) vorher genannten Gründen (Problemorientierung, Behindertenfeindlichkeit, (einfaches Thema)) zwanghaft durch Auslassung von Fakten zum Opfer zu stilisieren und den Gesamtkontext außer Acht zu lassen, schadet sowohl ihm als auch der öffentlichen Presse.
Ersterem, weil somit kein Anreiz besteht, sich zu ändern, letzterer, weil sie dadurch an Glaubwürdigkeit verliert. Diese Einstellung der öffentlichen Medien transportiert Ableismus (Behindertenfeindlichkeit). Ableismus tötet und geht jeden etwas an, weil 9 von 10 Behinderungen durch Krankheiten verursacht werden (siehe destatis.de, Pressemitteilung vom Juni 2022).

Es wird in jedem Artikel (oder einem gewissen Podcast) nur problematisiert, Winkler in Schutz genommen und mit dem Finger auf die Gegenseite gezeigt, aber keine Lösung geboten. Es wird Zeit, das zu ändern.

7 Eine Exit-Strategie: Mögliche Hilfen für den heutigen Rainer Winkler
Die Ausgangssituation sieht in meinen Augen derzeit so aus: Rainer Winkler hat eine vorläufige Bleibe gefunden, ist gesundheitlich durch den psychischen Druck sehr stark angeschlagen (siehe sein Übergewicht) und einsam. Er ist mehr oder weniger misstrauisch geworden und es darf angezweifelt werden, dass er jemandem wirklich noch vertrauen kann. Interesse an seiner Person ist noch da (siehe die Netflix-Dokumentation, die anscheinend 2024 kommen soll), aber nimmt langsam ab.
Erst müssten in meinen Augen die Grundbedürfnisse gedeckt und die Gesundheit verbessert werden. Hier sind einige mögliche Hilfen:
Es gibt Beratungsstellen, die ihn kostenlos über seine Möglichkeiten beraten und bei den Anträgen helfen können. Er könnte seinen Hausarzt und Fachärzte aufsuchen, um sich ein genaues Bild über seinen Gesundheitszustand machen zu lassen. Ab einem gewissen Übergewicht können Krankenkassen die Kosten beim Ernährungsberater übernehmen .
Er könnte einen Wohnberechtigungsschein beantragen und hätte damit bessere Chancen, eine Wohnung zu finden.
Über die Krankenkasse könnte er den medizinischen Dienst kommen lassen und je nach Gesundheitszustand einen Pflegegrad erhalten.
Gegen die Vereinsamung wäre Eingliederungshilfe - Soziale Teilhabe sinnvoll.
Psychotherapie und Soziales Kompetenztraining wären ebenfalls valide Optionen.

So viel zu Gesundheit, Alltag und Wohnen, kommen wir zur Arbeit. Ein Antrag beim Versorgungsamt auf GdB wäre erwägenswert. Mit mindestens 30 GdB könnte er sich gleichstellen lassen. Dann könnte er über einen Integrationsfachdienst Ausbildung oder Arbeit finden. Was Arbeit angeht, würde ich sagen: Das, was ihm Spaß macht, soll er ruhig machen.
Das könnte, da er ja gern Auto gefahren ist, Zulieferer sein. Oder mit etwas gutem Willen könnte er Lkw-Fahrer werden, wofür er die MPU bestehen und einen weiteren Führerschein machen müsste.
Sollte es mit dem Allgemeinen Arbeitsmarkt nichts werden, könnte er auch mit einem Werkstattplatz in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) etwas finden. Dort hätte er zum Beispiel nach 20 Jahren Arbeit Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente.

Youtube könnte er, etwas Medienkompetenz vorausgesetzt, als Hobby später wieder betreiben und sich damit etwas dazuverdienen, dann aber besser mit einem Format, welches nicht auf Hater angewiesen ist. Ein Format über Heavy Metal wäre eine Idee, zum Beispiel über Bands, Musikstile oder Geschichte. Oder er könnte mit einem gewissen Hauch Selbstironie sogar ziemlich witzige Reaktionen zu Memes über sich selbst schauen und kommentieren. Aber Youtube hauptberuflich weiterführen... es tut mir leid, die letzten elf Jahre sollten in meinen Augen Beweis genug sein, dass das keine gute Idee ist.

Dieser Weg ist langwierig, aber er ist möglich. Es setzt allerdings voraus, dass Winkler das auch möchte. Die Hilfen sind da, nur müsste auch der Wille bestehen, sie in Anspruch zu nehmen. Leider haben die vergangenen elf Jahre gezeigt, dass wahrscheinlich nichts passieren wird.

8 Was wäre, wenn es in den 1990ern keinen Ableismus gegeben hätte? Hilfe für den jungen Rainer Winkler
Zum Kontrast lade ich nun zu einer kleinen Zeitreise ein. Wir reisen zurück in die 1990er, aber Deutschland ist so inklusiv, wie es heute zu sein glaubt (aber wahrscheinlich erst in 70 Jahren sein wird) und Familie Winkler würde alle Hilfen, die ihr zustehen, in Anspruch nehmen.
Der junge Rainer Winkler hätte vielleicht schon GdB bekommen und das Jugendamt hätte Hilfen zur Erziehung anbieten können.
Angenommen, es wäre wieder auf Förderschule hinausgelaufen, dann hätte es zwei Möglichkeiten gegeben: Hauptschulabschluss mit Ausbildung/Arbeit auf dem allgemeinen Markt oder WfbM. Angenommen, Rainer Winkler hätte mit 16 Jahren (also um das Jahr 2005) in einer WfbM anfangen können, dann hätte er schon 2025 die volle Erwerbsminderungsrente. Zählt man jetzt noch das Erbe dazu, das er auch von einem Betreuer hätte verwalten lassen können, wäre er heute in einer wesentlich besseren Situation.

Genug Vergangenheit, gehen wir zurück in die Gegenwart und werfen einen Blick in die Zukunft.

9 Ausblick: Wie wird es weitergehen?
Die öffentliche Berichterstattung wird wahrscheinlich weiter am Ableismus (wenn auch unbewusst) festhalten und das typische Schwarz-Weiß-Bild vermitteln, was niemandem helfen wird.

Die Haiderschaft wird sich früher oder später anderen Themen zuwenden, wie es ja schon langsam passiert. So wie Rainer Winkler in den vielen Jahren gelernt hat, Aufmerksamkeit zu erregen, so haben seine Kommentatoren und Meme-Ersteller gelernt, unterhaltsam zu kommentieren, besser zu animieren, Hörspiele und Lieder zu erstellen und vieles mehr. Diese Fähigkeiten werden sie wohl bei anderen Themen anwenden.

Was Rainer Winkler angeht: Wenn er so weitermacht wie bisher, wird es für ihn ein sehr trauriges Ende nehmen. In meinen Augen sollte er sich helfen lassen. Leider ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass er Hilfe in Anspruch nehmen wird. Mit Geld und Aufmerksamkeit, das haben die letzten Jahre gezeigt, ist ihm jedenfalls nicht geholfen.
Aber Weihnachten steht vor der Tür, vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder...

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Autor:

Stephan Alberti-Riedl aus Rodalben

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