Kaiserslauterer Traditionsgeschäft Pallmann schließt nach 115 Jahren
- Pallmann in Kaiserslautern schließt: Inhaber Matthias Pallmann-Heger zeigt ein Foto, das das Gebäude Ende der 1960er Jahre abbildet
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Kaiserslautern. Es ist ein Abschied ohne Groll. Wenn Matthias Pallmann-Heger am 31. Mai 2026 sein Haushaltswarengeschäft Pallmann in der Marktstraße für immer schließt, geht nach 115 Jahren eine Ära in Kaiserslautern zu Ende.
von Monika Klein
"Pallmann", ein Geschäft, das in Kaiserslautern eine feste Größe ist – und das auch für Kunden aus dem weiten Umkreis. Das Sortiment umfasst Haushaltswaren, Porzellan, Geschenke und vieles mehr, was Hausfrau und Hausmann jeden Tag in die Hand nehmen. 1910 von Carl Pallmann gegründet, hat es die Jahrzehnte überdauert, sich angepasst und weiterentwickelt, dabei aber nie die Kunden mit ihren Bedürfnissen und Wünschen aus den Augen verloren.
Ende eines Traditionsgeschäfts mit Geschichte
Nach 115 Jahren ist jetzt Schluss. "Es sind perspektivische Gründe, keine wirtschaftlichen", erläutert Pallmann-Heger, der das Fachgeschäft in dritter Generation führt. "Ich bin ein totaler Familienmensch", gesteht er ein. Die Entscheidung sei im Familienrat mit seiner Ehefrau und den drei Kindern gefallen, die beruflich einen anderen Weg eingeschlagen haben.
- Nach 115 Jahren schließt das Haushaltswarengeschäft Pallmann in der Marktstraße
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Nach dem frühen Tod seines Vaters Klaus Pallmann-Heger 1987 stand er gemeinsam mit seiner Mutter Christa, die bis 2012 im Geschäft aktiv war, in der Verantwortung. Jetzt, fast 40 Jahre später und mit Blick auf seinen 60. Geburtstag im März, war für ihn der Zeitpunkt gekommen, zurück zu blicken, aber auch nach vorne – und diesen Entschluss zu treffen.
Schließung trifft Mitarbeitende und Stammkundschaft
Damit einher ging auch Anfang dieser Woche die Kündigung der 13 Mitarbeiterinnen, von denen einige seit mehr als 35 Jahren beschäftigt waren. Ein Schritt, der ihm alles andere als leicht gefallen ist. "Das war das Schlimmste. Für mich war aber immer klar, dass sie von der Schließung zuerst erfahren", erzählt er. Reagiert haben sie mit Betroffenheit und Verständnis, so Pallmann-Heger.
Kaum anders die Reaktionen der Kunden. "Sie zeigen Verständnis für die Entscheidung, aber auch viel Traurigkeit."
Räumungsverkauf ab Februar – Umbau des Gebäudes geplant
Ab 19. Februar 2026 beginnt der Räumungsverkauf, am 31. Mai 2026 hat Pallmann zum letzten Mal geöffnet. Dann beginnt ein Umbau des Gebäudes, das sich seit 1910 in Familienbesitz befindet und 1969 durch einen Neubau ergänzt wurde. Auf den 600 Quadratmetern im Erd- und Untergeschoss entsteht eine Gewerbeeinheit, die vermietet werden soll. Darüber sind mehrere Wohnungen geplant.
Mit dieser geänderten Nutzung folgt der Geschäftsführer einem Trend, der in vielen Stadtzentren zu spüren ist. "Bundesweit ist es ein Problem, dass die Innenstädte sehr handelslastig waren. Jetzt werden sie wieder mehr zu Wohnquartieren", so Pallmann, der von 1997 bis 2025 den Vorsitz des Kaiserslauterer Einzelhandelsverbands innehatte.
Kritik an Stadt und Rahmenbedingungen für den Handel
In dieser Funktion und auch als Vizepräsident des Handelsverbands Südwest hat er mit seiner Meinung und mit Kritik an der Stadt Kaiserslautern nicht hinterm Berg gehalten. "Ein Hauptproblem ist die fehlende Wertschätzung für inhabergeführte Geschäfte. Den Handel nimmt man als selbstverständlich hin", betont er.
Mit Blick auf die Leerstände stellt er fest: "Jetzt werden die Probleme sichtbar, jetzt braucht es Lösungen." In Kaiserslautern gebe es viele Veranstaltungen, vor allem jedoch am Abend. "Die bringen dem Handel nichts. Wir müssen darauf achten, dass der Handel andere Interessen hat als die Gastronomie."
Finanzielle und infrastrukturelle Herausforderungen für die City
Hinzu komme die Verschuldung der Kommunen. "Ich habe immer die Sicherheit und Sauberkeit angemahnt, aber es hat sich zu wenig geändert, weil die Mittel fehlen." Weitere Schwierigkeiten sieht er aufgrund der seit Jahren andauernden Baustellensituation in der schlechten Erreichbarkeit der Innenstadt, ob mit Auto, öffentlichem Personennahverkehr, Fahrrad oder zu Fuß. "Hier wurde zwar investiert, aber nicht daran gedacht zu kommunizieren", bemängelt er. Dem gegenüber steht die "grüne Wiese" mit vielen kostenlosen Parkplätzen. "Die Parkgebühren werden als Eintrittsgeld in die City gesehen."
Lösungsansätze hat der engagierte Geschäftsmann auch parat. "Wir brauchen mehr Werbung nach außen. Wir haben den Fußball, die Gartenschau, den Japanischen Garten – überall ist Potenzial", nimmt er Printwerbung und soziale Medien in den Blick. "Den Slogan ,Wer uns findet, findet uns gut' finde ich nach wie vor gut."
Streiter mit Stadtliebe und Heimatgefühl
Dass er als Interessenvertreter des Handels "dicke Bretter bohren" musste, habe er schnell gelernt, auch, dass man nicht alles erreichen kann. Aber: "Man muss den Finger in die Wunde legen", macht er seine Sichtweise deutlich. "Manchmal bin ich mir als Störenfried vorgekommen, aber mir ging es immer nur um die Sache. Der Handel und die Innenstadt, das waren meine Themen. Ich bin selbst Innenstadtbewohner, kenne sie 24/7."
Er ist ein bekennender Fan der Stadt und der Menschen, die hier wohnen. "Kaiserslautern ist liebenswert. Die Lautrer haben ein ganz ausgeprägtes Heimatgefühl, das merkt man ihnen an. Ich mag die Menschen und den Dialekt und finde es schade, wenn man Kaiserslautern komplett schlecht redet." Nach seiner Meinung sei das Ensemble zwischen Martinsplatz und Stiftskirche eines der schönsten in Pfälzer Städten. "Da müssen wir uns nicht verstecken."
Wandel der Innenstädte und Transformation
Nichtsdestotrotz verschließt er seine Augen nicht vor dem Wandel der Innenstädte. "Unsere Branche verschwindet", hält er fest. Bundesweit, aber auch in Pirmasens oder Speyer, ziehen sich nach seiner Beobachtung Händler seiner Art zurück. "Auch sie haben ihre Sache gut gemacht."
Der Online-Verkauf spielt dabei seiner Meinung nach nur eine untergeordnete Rolle. "Den gab es schon immer, früher als Versandhandel. Da hat man bei Quelle oder Neckermann bestellt." Insgesamt fällt ihm aktuell eine Kaufzurückhaltung auf, online als auch stationär. "Die Sparquote ist hoch, die Konsumlaune niedrig."
Schaut der umtriebige Geschäftsmann auf die verbliebenen Wochen und Monate, ist er mit seiner Entscheidung im Reinen. "Ich gehe nicht aus Frust, eher aus Altersweisheit."
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
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