Pfalztheater: Zwei absolut sehenswerte Schauspiele
Zukunftsutopie und Familiendrama

Schöne Neue Welt mit Nicolas Handwerker (vorne) und Lukas Jakob Huber | Foto: Pfalztheater / Piecuch
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  • Schöne Neue Welt mit Nicolas Handwerker (vorne) und Lukas Jakob Huber
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Schlag auf Schlag gab es direkt hintereinander zwei beachtenswerte Schauspielpremieren am Pfalztheater. Eine neue Bühne steht im Mittelpunkt von Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“ und Tracy Letts´ „Eine Familie“ versüßt dem Publikum nach zehn Jahren den Abschied von Schauspieldirektor Harald Demmer.

Zunächst ging es vorwärts in die Zukunft. Im Jahr 2540 leben die Menschen seit mehreren Jahrhunderten in einem Weltstaat, der für sie alle sorgt, durchorganisiert und möglichst störungsfrei. Ziel des Staates ist es, höchste Zufriedenheit und Glück herzustellen. Und so werden Embryos werden künstlich erzeugt und so konditioniert, dass sie in die fünf Kasten von Alpha bis Epsilon passen, die für soziale Stabilität, die Ruhigstellung aller Wünsche und allen Begehrens durch exakt ausgerichtete totale Bedürfnisbefriedigung sorgen. Sollte es zu einem Anflug von Unzufriedenheit kommen, erstickt die euphorisierende Droge „Soma“ diese sofort im Keim. Niemand ist frustriert, kommt zum Nachdenken oder wird gar zur Gefahr für das System. Doch „Alpha Plus“ Bernhard macht sich so seine Gedanken. Er nimmt eine attraktive „Beta“ mit ins weit abgelegene Reservat. Dort kann man „Wilde“ sehen, die als Familie leben, eigene Kinder gebären, aber von Krankheit, Alter, Liebe und Angst gekennzeichnet sind. Bei diesem Ausflug treffen sie eine alte Frau, die als Bürgerin des Weltstaats vor Jahren spurlos verschwunden ist, und sie lernen ihren Sohn kennen. Bernard nimmt die beiden mit zurück nach London, wo das Chaos mit der Vermischung der beiden Welten seinen Lauf nimmt...

Es ist eine großartige und frische Inszenierung von Huxleys „Schöne neue Welt“. Sie ist überraschend anders, dazu das neue Bühnenformat im Foyer und eine absolut Klasse Leistung des Schauspielensembles mit Anne Mareen Rieckhof, Nicolas Handwerker, Robert Flanze und Lukas Jakob Huber, die alle Rollen sehr intensiv, leidenschaftlich und überzeugend spielen. Es gibt von dem 1932 veröffentlichten Klassiker über die Frage, wie wir leben wollen, viele Filme, Bühnenstücke und Inszenierungen, und man hat schon so vieles gesehen, aber dem Pfalztheater-Team ist hier ein modernes, kurzweiliges und fesselndes Stück gelungen, inklusive einer fußläufigen Reise des Publikums ins Reservat (oberes Foyer) und einem Flug zurück nach London (unteres Foyer). Eine Klasse Idee und absolut sehenswerte 70 Minuten.

Die liebe Familie
Zurück in die Gegenwart geht es mit der Familie Weston in einen wahrlich heißen Sommer, nicht nur, was die Temperaturen auf dem Landsitz anbelangt, sondern auch was die Familienkonflikte betrifft. Beverly Weston (Rainer Furch), früher Dichter und Hochschullehrer, ist jetzt Vollzeitalkoholiker. Weil er die traditionelle amerikanische Normalität nicht mehr aufrechterhalten kann, engagiert für sich und seine krebskranke und tablettenabhänge Frau Violet (Hannelore Bähr) eine Haushaltshilfe indigener Abstammung. Dann verschwindet er spurlos. In Sorge um die Mutter erscheinen nach und nach die erwachsenen Töchter Barbara (Nina Schopka), Ivy (Aglaja Stadelmann) und Karen (Natalie Forester) samt ihrer Familien. Aber die egomane Hausherrin hat eher sich selbst als ihren verschwundenen Ehemann im Fokus. Das unerwartete Familientreffen wird zum Schlachtfeld familiärer Konflikte, auf dem sich Violet gnadenlos gegen den Rest der Familie in Szene setzt. Gutgehütete Familiengeheimnisse werden ans Licht gezerrt, auf keine persönliche Verletzung wird verzichtet und niemand kommt ungeschoren davon, auch das Geschirr nicht.

Ja, die liebe Familie… zum Lachen, zum Weinen, Drama, Liebe, Geheimnisse… die letzte Schauspielpremiere von Harald Demmer hat es in sich. Eine Glanzleistung des gesamten Ensembles und die erstaunliche Erkenntnis, dass ein Haus mit zwei Etagen auf die Werkstattbühne passt, und dem Stück so eine tolle Kulisse bietet. Der Theaterabend beginnt mit dem Satz „Das Leben ist sehr lang“ vom amerikanischen Literaturnobelpreisträger T.S. Eliot. Die großartige Inszenierung und Spitzenleistung der 13 Schauspielakteure sorgen für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.

Bis zum Ende der Spielzeit gibt es noch zahlreiche Vorstellungen der Zukunftsutopie und des schwarzhumorigen Familiendramas zu sehen. Und nun ab ins Theater liebe Leute!

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Schöne Neue Welt mit Nicolas Handwerker (vorne) und Lukas Jakob Huber | Foto: Pfalztheater / Piecuch
Die Familie - Mutter und Töchter unter sich: v.l. Nina Schopka, Aglaja Stadelmann, Hannelore Bähr und Natalie Forester | Foto: Pfalztheater/Brehm-Seufert
Autor:

Petra Rödler aus Kaiserslautern

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